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Wie Feuer und Wasser

Debatte Wie Feuer und Wasser

In Potsdam debattierten am Dienstagabend Jörg Baberowski und Karl Schlögel, zwei profilierte Osteuropahistoriker, in der vom Brandenburger Literaturbüro veranstalteten Diskussionsreihe „Tafelrunde Sanssouci“ die Ereignisse auf dem Kiewer Maidan und die Lage in der Ukraine. Ihre Bewertungen sind gegensätzlich. Aber keiner der beiden steht politisch auf Seiten Russlands.

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Einer der Osteuropakenner: Jörg Baberowski diskutierte in der „Tafelrunde Sanssouci“:

Quelle: dpa

Potsdam. Der Putin-Kritiker und der Russlandversteher über die Lage in der Ukraine – am Dienstagabend trafen zwei der profiliertesten Osteuropahistoriker Deutschlands in der vom Brandenburger Literaturbüro regelmäßig veranstalteten Diskussionsreihe „Tafelrunde Sanssouci“ in den Neuen Kammern in Potsdam aufeinander: Karl Schlögel, emeritierter Professor an der Europauniversität Viadrina in Frankfurt (Oder) und Jörg Baberowski von der Berliner Humboldt-Universität.

Zwei Fachleute, zwei wissenschaftliche Positionen mit politischen Konsequenzen wie Feuer und Wasser. Schlögel, der sich seit Jahrzehnten mit der Alltagsgeschichte, den langen Linien historischer Verbindungen zwischen den Regionen der ehemaligen Sowjetunion befasst, untersucht derzeit die Entwicklung der Ukraine zu einer selbstbewussten Nation und ist ein glühender Anhänger eines zivilgesellschaftlichen Aufbruchs, wie er auf dem Kiewer Maidan stattgefunden hat, als das Janukowitsch-Regime hinweggefegt wurde. Baberowski, Stalinismusexperte und Russlandkenner, interessiert sich hingegen vor allem für den Niedergang des sowjetischen Imperiums nach 1989.

Es sind schon diese Herangehensweisen, die dafür sorgen, dass sich die beiden in ihrer Bewertung der Ereignisse in der Ukraine nicht grün sein können. Baberowski deutet sie als den Versuch der aktuellen Kiewer Regierung, eine ethnisch einheitliche Nation in Abgrenzung zu Russland und gegen den Willen eines Teils der eigenen Bevölkerung zu schaffen. „Auf dem Maidan hat nicht die ganze Gesellschaft gesprochen“, so Baberowski in der vom ehemaligen MAZ-Chefredakteur Klaus Rost moderierten Debatte. Es seien die Eliten gewesen, die sich auf dem Platz in Kiew versammelt hatten, die Landbevölkerung sei nicht repräsentiert gewesen. Der Osten des Landes verhalte sich daher ambivalent zu Kiew, was den von Putin gestützten Milizen in die Hände spiele. Schlögel sieht das ganz anders: „Der Maidan war eine Volksbewegung. Hier hat sich die Gesellschaft artikuliert.“ Ziel sei nicht eine ethnische, sondern eine politische Nation mit selbstbewussten Bürgern, die sich aus den Fängen des russischen Imperiums emanzipieren wolle.

Wie sind so gegensätzliche Bewertungen ein und desselben Ereignisses möglich? Schlögel sagt, er versuche das russische Imperium aus der Sicht der Peripherie zu verstehen, um daraus den Spielraum der Ukraine auszuloten. Baberowski hingegen blickt von der Geschichte Russlands her auf die Ukraine, um die Rückwirkungen für Putins Politik abzuschätzen. Putin zu verstehen, bedeutet aber nicht, sein politisches Handeln zu rechtfertigen, so viel wurde klar. Keiner der Kontrahenten steht politisch auf Seiten Russlands.

Von Mathias Richter

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