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Kultur Wie Karl IV. Brandenburg prägte
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00:18 18.09.2016
Büste Karls IV. in Prag.
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Potsdam

Hat er wirklich die heißen Quellen entdeckt? Als Kaiser Karl IV. einen Jagdausflug in den böhmischen Wäldern machte, fiel einer seiner Hunde ins Wasser und verbrühte sich. Der weit gereiste Herrscher wusste, dass Thermalwasser gegen viele Krankheiten hilft. Er ließ an dieser Stelle Brunnen und Häuser bauen. So begann die Kurtradition von Karlsbad – wenn man der Legende glaubt.

In Tschechien begegnet man Karl IV., dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, auf Schritt und Tritt. Etwa wenn man in Prag über die Karlsbrücke flaniert oder beim Besuch der imposanten gotischen Burg Karlstein.

Doch auch hierzulande hat der spätmittelalterliche Herrscher markante Spuren hinterlassen. Fünf Jahre vor seinem Tod übernahm er die Herrschaft über die Mark Brandenburg. „So konnte er sein böhmisches Königreich über Elbe und Oder bis zur Ostsee ausdehnen“, sagt Jan Friedrich Richter, Kurator der neuen Sonderausstellung über Karl IV. in Potsdam. Die Schau konzentriert sich auf den hiesigen Einfluss des Kaisers, der europaweit seine Strippen zog.

Seine kurze Herrschaft über das Kurfürstentum Brandenburg prägte die Gegend nachhaltig. „In Tangermünde an der Elbe baute sich Karl eine riesige Residenz“, erzählt Jan Friedrich Richter. „Die Städte erlebten einen Aufschwung, weil Karl den Handel förderte und eine solide Verwaltung aufbaute.“

Deren Grundlage war das vom Kaiser in Auftrag gegebene Landbuch der Mark Brandenburg, ein Wälzer von 400 Seiten. „Dieses Katasterbuch ermöglichte einen Überblick über die komplizierten Besitzverhältnisse und die entsprechenden Steu­ereinnahmen“, meint Richter, dessen Ausstellung sich jedoch hauptsächlich den schönen Künsten widmet.

Ausstellungen im Jubiläumsjahr

Karl IV. (1316–1378) kam in Prag zur Welt. Er wird römisch-deutscher König und König von Böhmen. 1355 krönt ihn der Papst zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. 1373 übernimmt Karl IV. die Herrschaft in der Mark Brandenburg und der Niederlausitz.

In Potsdam konzentriert sich das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte auf die kaiserliche Herrschaft in der Mark Brandenburg. Die Sonder Mehr unter: www.hbpg.de

Der 700. Geburtstag des Kaisers ist ebenso Anlass für eine Bayerisch-Tschechische Landesausstellung, die ab 20. Oktober im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg läuft. Es finden auch zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen in Tschechien statt. Mehr unter: www.czechtourism.com

„Karl hatte seine Residenz Prag zur Perle der gotischen Architektur gemacht“, holt der Kurator aus. „Er lud böhmische Künstler nach Brandenburg ein und importierte viele Kunstwerke.“

Zeugnisse des böhmischen Einflusses finden sich bis heute in den Kirchen, Archiven und Museen Brandenburgs. „De­ren kunsthistorischer Wert ist immens, da in Böhmen viele Kunstwerke jener Epoche in den Bilderstürmen der Reformation zerstört wurden“, fährt Richter fort.

Warum die böhmische Kunst damals solche Begeisterung hervorrief, beantwortet sich beim Ausstellungsbesuch schnell von selbst. In den Gesichtern der Heiligen und Marien erkennt man echte Menschen. Das Jesuskind sieht wie ein feistes, fröhliches Baby aus. „Die geistliche Kunst zeigt nun menschliche Züge“, erklärt Richter. „Das war eine Revolution.“

Die Exponate zeugen aber auch von Karls sagenhaftem Reichtum, der sich den böhmischen Silberminen verdankt. So zeigt die Ausstellung eine Kopie seiner Goldkrone, die mit dicken Edelsteinen besetzt ist und fast drei Kilo wiegt.

Höhepunkt der Ausstellung ist ein erzbischöflicher Umhang aus dem Brandenburger Dom. „Mit seinem goldgesticken Fliesenmuster und den Adler-Ornamenten ist er so exorbitant wertvoll, dass es sich nur um eine Stiftung Karls handeln kann“, so Richter.

Dann macht der Kurator auf ein Set von fünf vergoldeten Abendmahlskelchen aufmerksam. Sie stammen von dem Goldschmied Hinrik Horne, der in Gardelegen in der Altmark seine Werkstatt hatte. „Sehen Sie die filigran ausgearbeiteten Füße?“, meint Richter. „Horne muss die böhmische Goldschmiedekunst gekannt haben.“

Besonders stolz ist er darauf, dass einige Exponate frisch konserviert werden konnten, um nun zum ersten Mal öffentlich gezeigt zu werden. Darunter ein verwitterter hölzerner Altar von 1420, den man vor Kurzem auf dem Dachboden des Heimatmuseums Dahme fand.

Die kluge, anregende Ausstellung ist auch schlüssig gegliedert: Der Eingangsbereich erläutert auf Schautafeln den historischen Hintergrund. Der große Saal beherbergt Exponate aus dem Umfeld Karls; das Obergeschoss widmet sich seiner Nachwirkung.

„Karls Söhne hatten an Brandenburg kein Interesse. Was bleibt, ist die böhmische Kunst“, resümiert Jan Friedrich Richter. Noch Jahrzehnte nach dem Tod des Kaisers arbeiten die Brandenburger Künstler in böhmischer Manier – bis dann im 15. Jahrhundert die Hohenzollern das Zepter übernehmen.

Von Antje Rößler

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