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Wie die Wörter in den Duden kommen

Rechtschreibung Wie die Wörter in den Duden kommen

5000 neue Wörter sind im neuen Duden zu finden, darunter facebooken, tindern, Mütterrente und Späti. Doch wie finden die Wörter ihren Weg in das Standardwerk? Das erklärt Duden-Sprecherin Nicole Weiffen im MAZ-Interview.

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Der Duden kann jetzt auch berlinern: Unter den 5000 neuen Wörtern des Dudens ist auch „icke“ zu finden.

Quelle: dpa

Potsdam. Der neue Duden ist erschienen, er umfasst 145 000 Wörter, so viele wie nie zuvor. Nicole Weiffen (45), Sprecherin der Wörterbuchredaktion, erklärt den Zustand der deutschen Sprache.

Frau Weiffen, die 27. Auflage des Dudens hat 5000 neue Wörter aufgenommen. Diese Zahl klingt sehr hoch, ist sie ein Rekord?

Nicole Weiffen: Nein, das ist nicht ungewöhnlich, in der vorherigen Auflage von 2013 lag sie in derselben Größenordnung.

Streben jetzt die englischen Begriffe des digitalen Zeitalters in den Duden?

Die Öffentlichkeit stürzt sich auf die englischen Begriffe, doch ihr Anteil an den Neuaufnahmen wird überschätzt. Es gibt auch sehr viele neue deutsche Wörter, zum Beispiel Mütterrente, Wutbürger oder Rumeiern.

Der „Verein Deutsche Sprache“ hat Ihnen vorgeworfen, Sie würden das Wort Laptop in den Duden aufnehmen, aber nicht die deutsche Übersetzung Klapprechner.

So etwas kann man sich wünschen, aber der Duden bildet nicht ab, wie gesprochen werden soll, sondern wie tatsächlich gesprochen wird. Wir sagen nicht: So sollt ihr sprechen, sondern wir definieren die Regeln: Wenn ihr so sprechen wollt, muss es so geschrieben werden.

Wie werden neue Kandidaten für den Duden ausgewählt?

Wir sind eine Redaktion mit einem Kernteam von 15 Leuten. Die Entscheidungen zur Neuaufnahme von Wörtern basieren auf einer riesigen elektronischen Textsammlung. Eingespeist werden Zeitungsartikel, aber zum Beispiel auch Gebrauchsanweisungen und Romane. Für Neuauflagen filtern Computerlinguisten neue Begriffe seit der vorigen Ausgabe heraus. Übrig bleiben ellenlange Listen, aus denen Redakteure Aufnahmekandidaten auswählen. So entsteht ein Spiegel der Zeit.

Entwickelt sich im Internet mit seinen Abkürzungen und Emojis eine Art Parallelsprache zur gedruckten Hochsprache der Bücher und Zeitungen?

Ich glaube, die Leute interessieren sich heute mehr für Sprache als früher. Gerade Jugendliche sind absolut in der Lage zu unterscheiden, in welchem Kontext sie sich gerade äußern: Tippe ich eine WhatsApp-Nachricht an einen Freund oder formuliere ich ein Bewerbungsanschreiben? Sie wissen, was das Gegenüber erwartet – muss ich orthografisch richtig schreiben, sollte ich auf korrekte Groß- und Kleinschreibung achten?

Ist es in Zeiten der Rechtschreibprogramme auf Computer und Handy überhaupt noch wichtig, fehlerfrei schreiben zu können? Oder ist es sogar elitär geworden?

Fehlerfrei zu schreiben ist immer noch für jeden Einzelnen gleich wichtig, die Schulen heute sind ja nicht schlechter als die von früher – vielleicht sind sie sogar etwas besser.

Das Verb tindern ist nun dabei. Dabei ist Tinder ein Flirt-Programm für das Smartphone, also ein Privatdienstleister. Kann man an dem Wort nicht mehr vorbei?

Es scheint so. Bei einigen Wörtern war ich auch überrascht. Aber das Wort „tindern“ ist so verbreitet, dass es alle unsere Kriterien erfüllt.

Kann die deutsche Sprache mit Modebegriffen wie tindern und facebooken am Ende zu Tode ausfransen?

Dazu sage ich erneut: Das entscheiden wir beim Duden nicht. 80 Millionen Deutsche im Land prägen die Sprache, der Duden dokumentiert sie nur. Die deutsche Sprache war schon immer weltoffen und dynamisch, ihre Neuzugänge zeugen auch von Aufgeschlossenheit und Lust an der Sprache.

Früher hat sich die Sprache am Lateinischen orientiert – ist heute Englisch die Weltsprache und die Referenz, von der sich das Deutsche inspirieren lässt? Englisch klingt cool, hat den Pop definiert und bringt die digitalen Zeiten auf den Punkt.

Das wirkt im Moment sicherlich so, doch wenn wir auf den Gesamtwortschatz schauen, gibt es immer noch mehr als doppelt so viele lateinisch-stämmige Wörter wie englischstämmige. Da müsste sehr viel passieren, damit das Englische einen ähnlich großen Einfluss hat.

Weckt der Duden noch Interesse, oder sinken die Verkaufszahlen?

Die Zahlen sind konstant, wir sind sehr, sehr zufrieden. Der Duden ist ein Bestseller!

Mehr zum neuen Duden >

Von Lars Grote (Interview)

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