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Wie ein Chor aus Jüterbog gegen den Rassismus ansingt

Reportage am Sonnabend im RBB Wie ein Chor aus Jüterbog gegen den Rassismus ansingt

Peter-Michael Seifried ist Kreiskantor im Kirchenkreis Zossen-Fläming. Nun will er ungewohnte Klänge in die Provinz bringen und damit ein Zeichen setzen – gerade in Jüterbog, wo im vergangenen November Neonazis einen Flüchtlingstreff in Brand gesetzt haben.

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Das Samuel Scheidt Ensemble und Kantor Peter Michael Seifried, beim Konzert der Religionen in Jüterbog.

Quelle: rbb

Jüterbog. Irgendwann hatte Peter-Michael Seifried genug. Der Kantor des Kirchenkreises Zossen-Fläming konnte Rassismus und Hetze in seiner Umgebung nicht mehr ertragen. Nachdem im vergangenen November eine kirchliche Jugend- und Flüchtlingsbegegnungsstätte in Jüterbog in Brand gesetzt wurde, und Bürgermeister Arne Raue vor Kontakt mit Asylbewerbern „wegen Ansteckungsgefahr“ warnte, entschloss sich Seifried, ein Zeichen zu setzen. „Im Singen sind wir alle gleich“, sagt der Kirchenmusiker und organisiert ein Konzert der Religionen mit christlichen, jüdischen und muslimischen Musikern und Sängerinnen in Jüterbog. Das Programm soll quer durch Epochen, Stile, Kulturen und Religionen führen. Die Filmemacherin Nadja Tenge hat den engagierten Kirchenmann bei seinem ehrgeizigen und zeitaufwendigen Projekt mit der Kamera begleitet. Die Reportage ist am Sonnabend im RBB zu sehen.

Erste Weg führte den Chorleiter in eine Kreuzberger Moschee

Zunächst macht sich Peter-Michael Seifried auf in die Omar Ibn al-Khattab Moschee in Berlin-Kreuzberg, eine der größten Moscheen in Deutschland. Er möchte die Gesangsgruppe der Gemeinde für das Konzert gewinnen, doch zuvor lernt der staunende Christ einige Rituale kennen: „Wo man betet, muss es gut riechen, deshalb ziehen alle ihre Schuhe aus und waschen sich die Füße. Auf die Hand kommen ein paar Tropfen wohl riechendes Öl“, erzählt Seifried. Körper und Geist sollen ganz entspannt sein. „Und während die Männer am Boden hocken, stehen die Frauen auf dem Balkon“, wundert er sich. Gesänge sind in Moscheen eher unüblich, doch hier gehören Rhythmen und meditative Klänge dazu. Eine Kirche haben die muslimischen Musiker noch nie von innen gesehen, doch sie sind neugierig.

Peter-Michael Seifried ist seit zwei Jahren Kreiskantor im Kirchenkreis Zossen-Fläming. Der gebürtige Remscheider hat damit die Aufsicht über alle kirchenmusikalischen Belange. Zuvor arbeitete er in Berlin-Marienfelde, wechselte nach Brandenburg, „weil es dort spannender ist“. Sein besonderes Faible gilt der Orgel.

„Mit einem Koffer voller Lieder – Wenn Gesänge Brücken schlagen“ ist der Titel der Reportage, die am 25. Juni um 18 Uhr im RBB ausgestrahlt wird.

Der Film zeigt aufs Schönste, dass Seifrieds Leidenschaft die Musik ist

Überhaupt macht Seifried, der erst vor zwei Jahren nach Brandenburg kam, im Laufe der Planung die Erfahrung, dass alle mit viel Engagement und Empathie bei der Sache sind. Auch die israelische Kantorin Aviv Weinberg muss nicht lange überzeugt werden. Die Sopranistin hat gerade ihre Ausbildung am Abraham-Geiger-Kolleg in Potsdam beendet und ist jetzt in der jüdischen Gemeinde in Berlin aktiv. „Für mich ist Musik eine innere Verbindung zu einem höheren Wesen“, sagt die junge Frau, die seit 2006 in Deutschland lebt. Regelmäßig besucht Seifried die Sängerin und gemeinsam proben sie für das Konzert, begleitet er sie am Klavier. Peter-Michael Seifried hat mit neun Jahren angefangen, das Instrument zu lernen, nahm mit 16 Jahren auf Drängen der Mutter dann Orgelunterricht. Später studierte er Jura, merkte aber rasch, dass „das nicht das ist, was mich trägt und was mich ausmacht“. Seine Leidenschaft gehört der Kirchenmusik, was der Film aufs Schönste zeigt.

150 Musiker versammeln sich schlussendlich zum Konzert

Mit Trommeln und Rasseln besucht er das neu eröffnete Erstaufnahme-Heim für geflüchtete Familien in Jüterbog. Innerhalb weniger Minuten ist der Raum mit Kindern gefüllt. Niemand spricht Englisch oder Farsi, Übersetzer gibt es nicht. Seifried hatte deshalb zwei syrische Jugendliche mitgenommen, um schneller in Kontakt zu kommen, aber in dem Moment hatte er wohl die Kraft der Musik unterschätzt. „Man braucht keine Bonbons, wir machen einfach Musik zusammen und das verbindet“, strahlt Seifried.

Am Tag des Konzerts kommen alle in der voll besetzten Jüterboger Kirche zusammen, insgesamt versammeln sich 150 Musiker, Einheimische und Flüchtlinge. Natürlich ist auch der Gemeinde-Chor da, der zusammen mit Sängern aus Beelitz auftritt. Nicht alle waren von Sei­frieds Projekt zunächst begeistert, ließen sich bei den Proben dann aber doch mitreißen. Mittelalterliche Klostergesänge aus Spanien, islamische Bittgebete für den Propheten, meditative Melodien, orientalische Rhythmen, Trommelperformances und vertonte jüdische Gebete sind zu hören.

Das Konzert endet mit einem lettischen Wiegenlied, in dem es um den Wunsch geht, dass alles Kommende gut werden wird. Kantor Peter-Michael Seifried ist im Glück. „Die Herzen der Menschen erreicht man vor allem durch den Gesang.“

Von Claudia Palma

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