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Kultur Wie sich der Mensch im Leben verliert
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16:59 24.04.2016
Bernd Geiling als Peer Gynt. Quelle: foto: HOT/HLBOEHME
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Potsdam,

Jede Biografie lässt sich als Stationendrama erzählen. Hochtrabende Träume und brüske Weigerungen prägen die Jugend. In der Lebensmitte folgt dann eine Erfahrung auf die nächste und führt meist weg vom Kern der ursprünglichen Visionen, Konflikte und Fragen. Bis der Tod allem ein Ende macht.

Es könnte also Absicht gewesen sein, dass die „Peer Gynt“-Inszenierung am Potsdamer Hans-Otto-Theater im zweiten Teil an Spannung verliert. Plötzlich taucht der Titelheld sogar vierfach auf der Bühne auf; zweifach verdoppelt. Ein Peer-Gynt-Quartett debattiert, was es mit dem Getriebenen auf sich hat. Dass sich der impulsive Ich-Mensch in so viele „falsche Welten“ verrennt, unterstreicht Regisseur Alexander Nerlich, indem er Peer Gynt zunächst von Alexander Finkenwirth spielen lässt, dann von Bernd Geiling.

Die Grenze zwischen Gut und Böse inspirierte den hochtalentierten 37-jährigen Theatermann bereits in seinem Potsdamer „Urfaust“ zu Spiegeleffekten und Doppelfiguren. Nun setzt er noch eins drauf. Dabei ist „Peer Gynt“ ein ziemlich krudes Stück von Henrik Ibsen mit nordischen Kunstmärchen-Motiven. Seine spätere Bedeutung als realistischer Porträtist der bürgerlichen Gesellschaft („Volksfeind“, „John Gabriel Borkman“) war 1867 noch nicht abzusehen. Vielmehr ersann Ibsen als romantisch gestimmter Sinnsucher ein „Dramatisches Gedicht“ über den Werdegang eines lebensgierigen Außenseiters. Der skrupellose Egoist schließt einen faustischen Pakt mit den Trollen und gelobt, sich fernzuhalten „von Arbeit, Tag und Licht“.

Mit äußerster Intensität hat sich das Ensemble Ibsens Sprache erschlossen. Die Neuübersetzung von Angelika Gundlach stellt eine gute Balance her zwischen hohem Ton, gereimten Versen und Alltagswendungen. Vor allem Rita Feldmeier als Mutter Aase pendelt effektvoll zwischen den Polen. Ihre Dialoge mit dem erstaunlich klar spielenden Finkenwirth, die in ihrer ergreifenden Sterbeszene gipfeln, werden zum Herzstück der Aufführung. Plötzlich erscheint der Leichtfuß Peer herzensgut und geerdet.

Die Bühne von Wolfang Menardi ist ein nahezu schwarzer, roher Raum - manchmal fahl ausgeleuchtet durch ein strenges Raster aus Neonröhren. Zum Parkett hin wird die nach oben ansteigende Rampe durch eine etwas überflüssige Wasserrinne begrenzt. Auf halber Höhe fällt der Blick in einen dunklen rautenförmigen Schlund. Schwarze Gummiboote nehmen das finale Seefahrer-Motiv vorweg, auf das auch eine vormontierte Eingangsszene einstimmt.

Wenn Bernd Geiling nach der Pause in die Titelrolle schlüpft, kommen Farben und komödiantische Einlagen ins Spiel. Geiling wackelt mit den Hüften und singt „Ich bin ein geiler Hahn“. Er mimt den Weltreisenden, Kriegsgewinnler und Lebemann. Doch das Gefühl seiner Verlorenheit bleibt auf der Strecke.

Eine Glanzleistung dieser Inszenierung ist die Musik von Malte Preuß. Im Programmheft ist treffend vom „Sounddesign“ die Rede. Ihm gelingt es, feine poetische Nuancen herzustellen, indem er Geräusche, Akkorde und Melodien zu tiefenscharfen akustischen Gebilden montiert. Einmal zitiert er auch ein Peer-Gynt-Motiv von Edward Grieg. Die exotischen Gesangseinlagen von Franziska Melzer als Solvejg und Denia Nironen als Anitra verleihen dem Abend auch noch eine kulinarische Note.

Nächste Aufführungen: 29. April, 7., 18. und 29. Mai, jeweils 19.30 Uhr. Hans-Otto-Theater, Schiffbauergasse Potsdam. Karten unter Telefon: (0331) 98118

Von Karim Saab

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