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Kultur Wieso müssen nur die Frauen schaulaufen, Penélope Cruz?
Nachrichten Kultur Wieso müssen nur die Frauen schaulaufen, Penélope Cruz?
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22:02 31.08.2018
Penelope Cruz besucht am 20.02.2017 die Burberry-Modenschau bei der Fashion Week in London (Großbritannien). Foto: Isabel Infantes/PA Wire/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | cruz Quelle: Isabel Infant/dpa

Frau Cruz, Sie haben schon bei einer ganzen Reihe von Filmen gemeinsam mit Ihrem Ehemann Javier Bardem vor der Kamera gestanden: Dreht es sich mit dem eigenen Gatten leichter oder schwerer?

Warten Sie, ich zähle mal nach: Javier und ich müssten schon bei neun Filmen zusammengearbeitet haben – auch schon lange, bevor wir ein Paar waren. Aber wissen Sie was? In manchen hatten wir keine einzige gemeinsame Szene.

Aber nun bestreiten Sie beide die Hauptrollen in dem Familiendrama „Offenes Geheimnis“.

Jedes Jahr würden wir das nicht machen wollen. Das wäre vermutlich nicht gesund für unsere Beziehung. Aber es sind auch eine Reihe von Vorteilen damit verbunden, schon allein mit Blick auf unsere beiden Kinder.

Frauen in der Filmbranche streiten momentan heftig um eine gerechte Bezahlung: Haben Sie sich schon mal geärgert, weil Ihr Mann eine höhere Gage als Sie verdient hat?

Nein, aber es geht bei diesen Auseinandersetzungen nicht um mich, auch nicht nur um die Kinobranche, sondern um den Umgang mit Frauen generell.

An wen denken Sie?

An Ärztinnen, Lehrerinnen, Putzfrauen, Friseurinnen. Diesen Frauen hält niemand ein Mikrofon vor den Mund. Sie werden nicht gefragt, ob sie schlechter als ihre männlichen Kollegen bezahlt werden. Oder ob sie schon mal Opfer sexueller Übergriffe wurden. Diese Frauen werden überhaupt nicht gefragt. Deshalb müssen wir Kinoleute immer auch für die anderen sprechen. Alle Frauen sind betroffen, in jedem Beruf und überall auf der Welt.

Trotzdem noch mal nachgehakt: Sind Sie zu Beginn Ihrer Karriere fair bezahlt worden?

Es gab solche und solche Situationen. Wichtiger ist für mich aber anderes: Wie kann es sein, dass in manchen Ländern der Anteil von Regisseurinnen bis heute bei unter 10 Prozent liegt? Kann mir das mal jemand erklären? Das ist doch lächerlich, dafür gibt es keinen vernünftigen Grund. Je mehr ich von solchen Ungerechtigkeiten erfahre, desto wütender werde ich.

Wie schwer war es, sich in diesem von Männern bestimmten Geschäft durchzusetzen?

Als meine Karriere begann, war ich sehr jung. Meine Eltern waren die meiste Zeit bei mir. Oder ich wusste zumindest, dass sie in der Nähe waren. Ich fühlte mich beschützt. Ich musste zwar auch vieles entscheiden, aber wann immer ich Zweifel hatte, habe ich bei ihnen nachgefragt. Und wenn das nicht möglich war, ging es auch so. Das Selbstbewusstsein der Frauen in unserer Familie ist ziemlich ausgeprägt.

Penélope Cruz und ihr Ehemann Javier Bardem auf dem roten Teppich des FIlmfestivals in Cannes. Quelle: Invision

Schauspielerinnen werden immer noch sehr nach ihrem Äußeren beurteilt: Glauben Sie, dass echte Gleichberechtigung unter solchen Bedingungen möglich ist?

Ich hoffe mal, dass nur ein kleinerer Teil der Menschen so auf Frauen schaut, wie Sie das jetzt beschreiben. Es gibt aber nun mal diese Beziehung zwischen Mode und Kino, das ist nicht automatisch etwas Schlechtes. Diese wunderbare Liaison gab es schon, als noch Regisseure wie Federico Fellini zu Festivals wie hier in Cannes gefahren sind. Mode und Kino haben immer schon voneinander profitiert. Darunter muss der Respekt gegenüber Frauen nicht leiden.

Aber dreht sich beim Schaulaufen auf dem roten Teppich nicht immer alles um Mode und Design?

Klar, niemand würde George Clooney bitten, dass er im Smoking eine Extrapirouette für die Fotografen dreht. Aber auch eine Schauspielerin sollte zuerst für ihre Arbeit gewürdigt werden, nicht für ihr Aussehen.

Sie sind auch für Mode- und Kosmetikmarken tätig: Wie bringen Sie diese Tätigkeit mit der Schauspielerei unter einen Hut?

Zuerst verstehe ich mich als Schauspielerin, aber ich genieße schöne Dinge. Schon als Kind habe ich mich mit meiner Schwester Mónica im Badezimmer versteckt und Kosmetik ausprobiert. Heute werde ich dafür nicht nur gut bezahlt, ich liebe die Beschäftigung mit solchen Sachen auch. Wenn ich Schmuck entwerfe, dann tue ich das gern mit meiner Schwester.

Sie sind in Ihrem Leben berufsbedingt viel umgezogen: Haben Sie den Kontakt zu Ihrer spanischen Heimat aufrechterhalten können?

Meine Wurzeln sind mir wichtig, meine Familie, das Land, auch Leckereien wie Flan. Wenn Sie jetzt aber nach spanischem Wein fragen: Den mag ich, aber ich trinke nicht mehr als ein Glas im Monat. Ich schlafe dann immer sofort ein. Eines war mir aber immer wichtig, egal ob ich in Frankreich, Italien oder den USA gearbeitet habe: Ein Return-Ticket hatte ich immer in meiner Tasche dabei.

Eine Zeit lang haben Sie in Amerika gelebt.

Ja, für ein paar Jahre bin ich nach New York und Los Angeles gezogen, um mich in der englischen Sprache sicherer zu fühlen – das ist wichtig für meine Arbeit. Aber irgendwann zieht es mich doch immer wieder nach Europa zurück.

Penélope Cruz als Laura und Javier Bardem als Paco in einer Szene des Films "Offenes Geheimnis". Der Film von Asghar Farhadi eröffnet in diesem Jahr das Filmfestival in Cannes. Quelle: Prokino Filmverleih/dpa

Asghar Farhadi, der Regisseur Ihres aktuellen Familiendramas “Offenes Geheimnis“, ist Iraner, gedreht haben Sie in Spanien: Das muss sprachlich kompliziert gewesen sein.

In Asghar Farhadis Filmen geht es immer um die Familie, um Beziehungen zwischen Menschen. Die Storys sind universell. Zwischendurch hatte ich glatt vergessen, dass er Iraner ist, so gut hatte er sich ins Spanische hineingearbeitet. Ich hatte ihn im Verdacht, dass er mehr Spanisch versteht, als er behauptete. Seine Reaktionen am Set ließen jedenfalls darauf schließen.

Stimmt es, dass Sie sich bei den Dreharbeiten plötzlich in einem Krankenwagen wiederfanden?

Asghar bat mich, eine Panikattacke zu spielen – eine Mutter stellt fest, dass ihre Tochter entführt worden ist. Die Szene haben wir mehrfach wiederholt. Dann muss mir wohl irgendwie der Sauerstoff gefehlt haben, ich wurde jedenfalls ohnmächtig. Und dann kam der Krankenwagen. Mein Körper hat mir wohl sagen wollen: Was immer du gerade tust, hör auf damit!

Haben Sie aufgehört?

Als ich aus dem Krankenwagen wieder auftauchte, hat Asghar mich umarmt und war sehr besorgt. Dann hat er mich angeschaut und gesagt: Können wir das noch mal drehen? Das haben wir dann auch getan. Asghar stellt hohe Ansprüche, aber das immer in einer ausgesprochen freundlichen Art und Weise.

Warum muten Sie sich so etwas zu?

Also, ich erzähle das hier nicht, um als besonders hart oder opferbereit zu gelten. Die Rolle war einfach schwierig. Ich musste durch alle Gefühlszustände – Verzweiflung, Wut, Zorn. Und wenn ich die Angst einer Mutter spiele, die ihr Kind verlieren könnte, egal ob durch Unfall, Krieg, Krankheit oder eben eine Entführung, dann muss das respektvoll gezeigt werden. Diese Szenen sollten sich quasi wie eine Dokumentation anfühlen. In gewisser Weise wollte ich mein Spiel jenen widmen, die tatsächlich schon mal in eine so schreckliche Situation wie die Mutter im Film geraten sind.

Spielt sich so eine Rolle denn überzeugender, wenn man selbst Mutter ist?

Vermutlich verstehen meine Körperzellen das Muttersein jetzt besser. Aber ich habe auch früher schon Mütter gespielt, ohne eine zu sein, und ich habe nie das Gefühl gehabt, dass mir für diese Rollen etwas fehlt. Vermutlich habe ich auch schon als Kind über mütterliche Instinkte verfügt – ich war schließlich immer die große Schwester.

Penélope Cruz in einer Szene aus “Volver“ von ihrem Lieblingsregisseur Pedro Almodovar. Quelle: Reuters/Verleih

Zur Person: Penélope Cruz

Das nächste Projekt des spanischen Traumduos ist schon in Vorbereitung: Penélope Cruz und Pedro Almodóvar haben sich wieder mal zusammengetan. Ihr Film “Dolor y Gloria“ erzählt, jedenfalls laut Titel, von Schmerz und Ruhm – und mit von der Partie ist auch noch der dritte Kinogefährte aus alten Tagen, Antonio Banderas.

Cruz und Almodóvar haben sich viel zu verdanken. Wobei man fairerweise sagen muss: Entdeckt war Cruz in Spanien schon, bevor ihr Lieblingsregisseur ins Spiel kam. Die 1974 geborene Tochter eines Automechanikers und einer Friseurin trat in Musik- und Fernsehshows auf, auch auf der großen Leinwand hatte sie bereits auf sich aufmerksam gemacht, besonders in “Belle Epoque“ (1992).

Dennoch gebührt das Verdienst, aus Cruz einen internationalen Kinostar gemacht zu haben, Almodóvar. Das erste gemeinsame Werk hieß 1997 “Live Flesh“. Cruz hatte nicht einmal eine Hauptrolle in der Tragikomödie. Aber egal, ein Filmemacher und seine Muse hatten sich gefunden. Immer wieder tat sich das cineastische Wunderpaar zusammen, in “Alles über meine Mutter“ (1999) spielte Cruz eine schwangere, aidskranke Nonne. „Volver – Zurückkehren“ (2005) und “Zerrissene Umarmungen“ (2009) ebneten ihr endgültig den Weg zur Weltkarriere mit Filmen wie “Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten“ (2011) oder zuletzt “Mord im Orient-Express“ (2017).

Cruz war nach eigenen Worten schon in Teenagertagen von Almodóvars Kunst angetan: Sie hatte sich, erzählte sie einmal, in eine Vorstellung von “Fessle mich!“ geschmuggelt und war fortan selbst gefesselt vom Kino. Kokett behauptete Almodóvar über die gemeinsamen Anfänge, dass Cruz so aufregend gewesen sei, dass er darüber nachgedacht habe, seine sexuelle Orientierung infrage zu stellen. Er blieb schwul, hätte es aber auch mit einer eindrucksvollen Konkurrentenriege zu tun bekommen.

Denn Cruz machte nicht nur mit ihren Leinwandauftritten Furore, sondern auch mit Männern, die sie vorzugsweise vor der Kamera kennenlernte. Der berühmteste heißt Tom Cruise. Mit dem Hollywoodstar hatte sie “Vanilla Sky“ (2001) gedreht. Glaubt man den bunten Blättern, schlossen sich Beziehungen mit Matthew McConaughey, Orlando Bloom und auch Josh Hartnett an.

Am Set zu Woody Allens Komödie “Vicky Cristina Barcelona“ (2008) funkte es wieder, dieses Mal so richtig: Cruz und ihr Kollege Javier Bardem verliebten sich ineinander. 2010 heiratete das Paar auf den Bahamas. Inzwischen sind Sohn Leo und Tochter Luna zur Welt gekommen.

So lange hätte es mit dem gemeinsamen Glück gar nicht dauern müssen: Bardem war auch schon bei Almodóvars “Live Flesh“ mit von der Partie, und auch danach waren sich Cruz und Bardem rein beruflich immer wieder mal über den Weg gelaufen.

Nebenbei hat sich Cruz als Designerin für Edelmarken hervorgetan. Auch im Mai in Cannes war sie nicht nur als Hauptdarstellerin des Eröffnungsfilms auf dem roten Teppich zu sehen, sondern präsentierte auch eine Schmuckkollektion. Zumindest die Cineasten in Cannes hat aber doch mehr das in Spanien gedrehte Familiendrama “Offenes Geheimnis“ (Kinostart: 27. September) des zweifachen iranischen Oscar-Regisseurs Asghar Farhadi (“Nader und Simin – Eine Trennung“, “The Salesman“) interessiert.

Der Regisseur bleibt seinem Lieblingsthema darin treu: Menschen unter enormen psychischen Druck beginnen langsam, einander zu misstrauen. Cruz und Bardem spielen ein ehemaliges Liebespaar, das sich unter schwierigen Bedingungen wiederbegegnet.

Von Stefan Stosch

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