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„Wir wissen uns einfach zu schätzen“

MAZ-Interview „Wir wissen uns einfach zu schätzen“

Schrill, bunt, ehrlich: Sängerin Mieze Katz von der Band Mia spricht im MAZ-Interview über das 18-jährige Bestehen der einstigen Schülerband, über Leistungsdruck und das neue Album „Biste Mode“. Gerade ist die vierköpfige Band auf Tour und tritt am 5. November im Berliner Club Huxleys Neue Welt auf.

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Mieze Katz, Sängerin der Band Mia, auf einem Konzert bei einem Berliner Festival 2013.

Quelle: dpa

Berlin. Mieze Katz, Sängerin der Band Mia, verrät im MAZ-Interview, wie sie die vergangenen 18 Jahre als Frontfrau erlebt hat, wie sie auf den Namen für das neue Album gekommen ist und warum es einen Unterschied macht, eine Cola zu kaufen oder nicht.

MAZ : 18 Jahre ist ja eine lange Zeit für eine Band – wie halten Sie die Bandkollegen in Schach?

Mieze : Wir wissen uns einfach zu schätzen. Es ist natürlich viel Glück dabei, sich 18 Jahre lang so gut zu verstehen. Wir haben uns total gerne, geben uns jede Freiheit, die der andere auch braucht und akzeptieren den anderen so, wie er ist. Das ist sicherlich etwas, was mir 10 Jahre lang gar nicht überhaupt nicht bewusst war. Heute weiß ich, dass wir uns in den entscheidenden Dingen ähneln, wenn es um Disziplin, Fleiß oder Loyalität geht.

Drei Jahre hat die Entstehung eures neuen Albums gedauert – was war die Herausforderung?

Mieze : Es gab zwischendurch eine kreative Verlängerung, aber keine Pause. Wir hatten schon alles geplant und auch genug Lieder fertig. Aber irgendwie war da dieses Gefühl, uns fehlen noch bestimmte Stimmungen auf dem Album. Es war nicht einfach, dem Label, der Plattenfirma und dem Management zu verklickern, dass wir noch mehr Zeit brauchen.

Wie haben die reagiert?

Mieze : Alle haben sich fürchterlich aufgeregt, weil die natürlich auch denken, wir müssen auf Knopfdruck funktionieren. Das ist dann ein toller Moment, um Arbeitsbeziehungen zu überprüfen. Im Nachhinein weiß ich das sehr zu schätzen. Damals dachte ich, die Welt geht unter. Den eigenen Erwartungen und denen der Arbeitskollegen nicht gerecht zu werden, da zweifelst du an allem. Aber die Jungs und ich haben uns zusammengesetzt und uns da durchgebissen. Dabei sind „Lauffeuer“, unsere allererste Single und „Biste Mode“ entstanden.

Bleiben wir gleich bei „Biste Mode“ – Was bedeutet dieses Lied und dieser Ausspruch für Sie?

Mieze : Biste Mode ist mein absolutes Lieblingslied des Albums und auch Titelgeber für die Tour. Mir gefällt die Doppeldeutigkeit: Die Altberliner Bedeutung „kritisch im Fokus zu stehen“ und die neue Bedeutung „im Trend sein“, das ist ganz interessant für uns als Band und für uns als Menschen. Zum einen ist es uns sehr vertraut, kritisch hinterfragt zu werden und zum anderen muss man sich als Band und als Künstler überhaupt die Frage stellen: Wie wichtig ist es einem denn, im Trend zu sein? Alles kann sowieso nur von Herzen kommen, daran glauben wir.

Auf dem Album finden sich auch wieder ein paar politische Lieder.

Mieze : Ja, Lieder wie „United States Of Ich und Du“ oder „Nein, nein, nein“ sind schon sehr politisch, sie kommentieren stark auf unsere Art und Weise. Und gerade das Lied „Geld“ stellt die Frage, welche Rolle Geld im Leben spielt. Ich denke: Schau was du kaufst und was du nicht kaufst. Nur du bestimmst gerade über die Wirtschaft und es macht eben einen Unterschied, eine Cola zu kaufen oder eben nicht.

Wie sehr freut ihr euch auf euer Konzert in Berlin?

Mieze : Es ist sicherlich eines der absoluten Höhepunkte. Unsere Familien und Freunde werden da sein und sehen, was wir eigentlich die letzten Jahre so gemacht haben. Das ist für mich auch immer noch mal eine emotionale Achterbahnfahrt, weil dort all die Menschen sind, die mich zu meinen Texten inspiriert haben. Ich freue mich aber auch auf unsere Fans: Es ist toll, wie sie sich voller Euphorie nach einem Konzert bedanken. Die sind ganz kraftvoll, leicht und glücklich. Und dann habe ich das Gefühl, unser Ziel ist erreicht. Diese Tour ist eine ganz bewusste Gegenbewegung gegen dieses Fremdeln unter den Menschen und Angstmacherei. Ich empfinde diese Welt in der wir leben als sehr anstrengend, permanent ist man einem Leistungsdruck ausgesetzt. Durch so viele kleine Sachen wird einem vermittelt, dass man eigentlich nie gut genug ist. Doch es darf auch darum gehen, sich wohlzufühlen, man darf es sich schön machen.

Habt ihr eigentlich auch eine Verbindung zu Brandenburg?

Mieze : Ja, wir haben ein unvergessliches Überraschungskonzert auf dem Marktplatz in Brandenburg an der Havel gespielt, wie Straßenmusiker. Es war nicht angekündigt und ist zu einem der schönsten Konzerte geworden, das wir je hatten. Es war wie früher: Eine junge Band mit Herzklopfen steht da und bannt um jeden Zuhörer der kommen und bleiben soll. Am Ende standen da 2500 Leute und haben mit uns gerockt.

Aus einer Schülerband wurden 18 Jahre Mia

1997
gründete sich Mia, eine deutsche Elektropop-Musikgruppe aus Berlin, als Schülerband.

Die Sängerin ist Mieze Katz, weitere Bandmitglieder sind Andy Penn (Gitarre), Gunnar Spies (Schlagzeug) und Robert Schütze (Bass).

Ihre „Biste Mode“-Tour startete Anfang Oktober. Die gleichnamige Platte ist das sechste Studioalbum der Band und wurde im Mai veröffentlicht.

Am 5. November treten sie im Berliner Club Huxleys Neue Welt auf, Beginn: 20 Uhr. Tickets sind erhältlich unter www.miarockt.de

Von Melanie Höhn

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