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"Wir wollen Klischees zerschlagen"

Ska-Band Distemper in Friesack "Wir wollen Klischees zerschlagen"

Distemper ist die bekannteste Ska-Punk-Band Russlands. Ihre Karriere begann zu Sowjet-Zeiten, am Wochenende spielen die Musiker beim Frierock-Festival in Friesack im Havelland. Sänger Slava „Dazent“ Birjukov und Schlagzeuger Sergey „Bai“ Baibakov sprechen im Interview über wilde Hunde, Konzert-Verbote für Punk-Bands und Wladimir Putins Musikgeschmack.

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Distemper aus Russland.

Quelle: Promo

Distemper ist die bekannteste Ska-Punk-Band Russlands. Ihre Karriere begann zu Sowjet-Zeiten, am Wochenende spielen die Musiker beim Frierock-Festival im Havelland. Der Sänger Slava „Dazent“ Birjukov und der Schlagzeuger Sergey „Bai“ Baibakov sprechen über wilde Hunde, Konzert-Verbote für Punk-Bands und Wladimir Putins Musikgeschmack.

MAZ: Das Maskottchen von Distemper ist ein wilder Hund und kein russischer Bär. Wie kommt’s?

Dazent: Der Begriff „Distemper“ stammt aus der Tiermedizin, er steht für die Staupe - eine Krankheit, die vor allem Hunde befällt. Im Russischen verbindet man mit dem Wort eine wilde, unangepasste Art. Das passt bestens zu unserer Musik.

Euer aktuelles Album heißt „Pride Belief Love“ – also „Stolz Glaube Liebe“ - worauf seid ihr stolz?

Dazent: Wir haben uns erkämpft, so frei zu leben, wie wir es jetzt tun. Damit meinen wir vor allem die Freiheit von Vorurteilen. Auch als Musiker ist es schwer, unabhängig zu bleiben. Wir sind es, und das macht uns stolz. Leider leben in Russland nur wenige ihre Freiheit aus.

Warum?

Dazent: Die Propaganda, vor allem im Fernsehen, schürt bei den Menschen Aggressionen auf die ganze Welt. Gesellschaft, Kirche und Politik spielen zusammen eine gefährliche Rolle.

Gefährlich auch für euch als Punkband?

Bai: Distemper gibt es seit über 25 Jahren, wir sind die Probleme gewohnt, trotzdem spielen wir auch in Russland große Konzerte. Schwieriger ist es für die jüngeren Bands. Bewegst du dich im Umfeld von regierungskritischen Organisationen gerätst du schnell in Schwierigkeiten, es werden auch immer mehr Konzerte verboten.  

Gibt es Treffpunkte?

Bai: Obwohl die Szene kleiner ist als in Deutschland, gibt es in Moskau ein paar Plätze, an denen sich Punks treffen. In kleineren Städten hast du aber kaum eine Chance. Wegen der Neo-Nazis, aber auch wegen ganz normalen Bürgern, die das Fremde verachten.

Als ihr begonnen habt, gab es noch den Kommunismus – sehnt ihr euch manchmal zurück?

Bai: Auf gar keinen Fall!

Dazent: Man durfte nicht das machen, was man wollte und es gab keine Chance, an Musik aus dem Ausland zu gelangen. Leider gibt es wieder Trends in diese Richtung.

Warum haben die Mächtigen vieler Länder so eine Angst vor der Musik?

Dazent: Sie fürchten die Subkultur, weil sie wissen, dass es um mehr als Musik geht. Unsere Anhänger denken anders als die Herrschenden, und genau das weckt die Angst der Regierung. Dabei geht es uns gar nicht darum, Aggressionen zu schüren, sondern der Propaganda der Regierung etwas Positives entgegenzusetzen Wir spielen für die Unterdrückten.

Was für Musik hört wohl Präsident Putin?

Bai: Das will ich am liebsten gar nicht wissen. Gedanken an ihn verderben uns die Laune.

Habt ihr im Ausland Erfahrungen mit Russenfeindlichkeit gemacht?

Dazent: Uns ist bewusst, dass im Westen viele zurzeit schlecht über Russland denken. Aber die Menschen aus unserer Szene ticken anders. Die schätzen unsere Musik, sie trennen zwischen dem Staat und den Menschen.  Deshalb sind wir ja auch hier: Wir wollen Klischees zerschlagen. Uns geht es um das Positive.

Unterscheiden sich Musikfestivals wie das Frierock-Festival in Friesack von denen in Russland?

Bai: Eigentlich nicht. Die Jugendlichen gehen genauso ab bei den Konzerten.

Dazent: Als wir das erste Mal in Deutschland auf Tour waren, fühlte sich das aber wie eine neue Freiheit an. Auch weil uns das Touren ermöglichte, mit anderen Bands zusammen zu spielen.

Aber die Stimmung bei den Konzerten ist dieselbe?

Bai: Einen Unterschied gibt es schon. Das Bier in Deutschland schmeckt besser. Und die Würstchen auch!

Interview: Maurice Wojach

Punk und Ska im Havelland

Die Ska-Punk-Band Distemper gründete sich vor mehr als 25 Jahren in Moskau. Seit 2002 treten sie auch in Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern auf. Neben Gitarre, Bass und Schlagzeug gehören auch Trompete und Posaune zum typischen Distemper-Sound.

Neben der prominenten Band aus Russland treten beim Frierock-Festival auf der Freilichtbühne in der Friesacker Thiemannstraße unter anderem 51 Grad (Punk aus Halle), B6BBO (Power-Polka aus Berlin), The Whsks (Ska und Reggae aus Rostock) und Wucan (Hardrock aus Dresden) auf. Weiterer Höhepunkt ist der Auftritt von The Angelcy aus Tel Aviv. Um Anreise, Gage und Unterbringung zu finanzieren, sammelten Unterstützer im Internet Geld.

Das 17. Frierock-Festival findet am Freitag und Samstag statt. Das Wochenendticket kostet an der Abendkasse 15 Euro.

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