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Wofür es noch Restkarten gibt

Musikfestspiele Wofür es noch Restkarten gibt

Barockmusik erfreut sich großer Beliebtheit. Die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, die an diesem Wochenende eröffnet werden, gehen mit drei selbst produzierten Kammeropern an den Start. Viele der 43 Konzerte sind bereits ausverkauft. Aber es gibt auch noch Karten, gerade für jene Veranstaltungen, bei denen es um mehr als nur um den schönen Schein geht.

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Inspiriert von Barockmusik: illuminierte Orangerie in Sanssouci.

Quelle: Foto: PR

Potsdam. Das Eröffnungskonzert am heutigen Freitag in der Friedenskirche, das große Openair mit Feuerwerk am Samstag vor der Orangerie, das Fahrradkonzert am Sonntag - die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci haben vor ihrem Start an diesem Wochenende viele tausend Karten verkauft. Die Stadt der Schlösser und Gärten bietet für das erklärte Thema „Musik und Gärten“ eine Idealkulisse.

Die beiden Programmmacher Andrea Palent und Jelle Dierickx sind aber viel zu ambitioniert, um nur risikofrei auf den schönen Schein zu setzen. Ihnen ist einmal mehr eine bemerkenswerte Verflechtung aus populären Formaten und echten Raritäten gelungen.

Die sechs intimen Konzerte, die morgen unter freiem Himmel in sechs Potsdamer Privatgärten stattfinden (auch im Landschaftsgarten der Familie Joop am Heiligen See) waren im Nu ausverkauft. Aber auch für Kurzentschlossene eröffnet das 43 Gelegenheiten umfassende Programm noch absolut lohnende Ziele. Drei Beispiele: „Jazz im Rosengarten“ heißt es am 20. Juni, ab 21 Uhr, im Krongut Bornstedt. „Möhrensound & Birnenbeat“ verspricht „The Vegetable Orchestra Wien“ am 21. Juni, 16 Uhr, im Obstgarten der Russischen Kolonie Alexandrowka. Und Il Giardino Armonico, das italienische Starensemble der Alten Musik, feiert am gleichen Tag, 19 Uhr, seinen 30. Geburtstag auf der Bühne des Nikolaisaals.

Die Vergegenwärtigung der alten Klangwelten ist ohne Inspirationen aus dem Hier und Heute nicht denkbar. Die zeitgenössische Kammeroper „The Garden“, ein Gastspiel aus England, konfrontiert die Festivalbesucher gar mit dem beunruhigenden Phänomen des Klimawandels (heute, 18 und 21 Uhr, im Schloss Lindstedt). Besonders hoch anrechnen muss man den Festivalmachern, dass sie mit drei selbst produzierten Opern-Entdeckungen an den Start gehen, die dann jeweils an den drei folgenden Abenden nach der Premiere auch noch aufgeführt werden. Neben der peruanischen Barockoper „Das Rot der Rose“ (Premiere am 19. Juni, 20 Uhr, in der Orangerie Sanssouci) und dem Mozart-Sing- und Wanderspiel „Bastein & Bastienne“ (25. Juni, 19 Uhr, Hofgärtnerei Neuer Garten) steht am morgigen Samstag, 19 Uhr, erstmals eine witzige Eigenproduktion in der Schinkelhalle, Schiffbauergasse auf dem Plan.

Das Test-Publikum, das gestern der Hauptprobe von Il Giardino d’Amore“ beiwohnen durfte, applaudierte euphorisch. Dabei bricht die Inszenierung mit vielen Konventionen, schon, weil Regisseurin Isabel Ostermann auf eine Guckkasten-Bühne verzichtet. Die vier großartigen Sänger agieren in der Mitte oder zwischen den Zuschauern, die zu Beginn einen Pappstuhl wie ein Schachfigur auf ein vorgezeichnetes Farb- und Nummernfelder setzen müssen. Jeder ist Teil dieses Gartens der Liebe. Dirigent und Musiker, das Belgian Baroque Orchestra aus Gent, sind allesamt in fröhlich-grüne Frauenkleider gehüllt. Auch die grell geschminkten Figuren und ihre leuchtenden Kostüme entspringen modern-abstrakten Fantasien. Der Besucher kann sich während der Aufführung auch wie in einer Blüte fühlen, in der das Leben nur so pulsiert.

Der Wechselgesang mit beschwingten instrumentalen Zwischenspielen von Alessandro Scarlatti handelt von zwei einsamen Göttern, die sich pathetisch die große Liebe schwören. Nach der Pause wird mit der Bauernkantate von Bach eine burleske Stimmung dagegengesetzt. Was verbindet die himmlische und die irdische Sphäre? Natürlich Barockmusik.

Von Karim Saab

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