Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 8 ° Sprühregen

Navigation:
Wunderbare Fotos von jungen Flüchtlingen

Ausstellung „See you!“ im Potsdamer Bildungsforum Wunderbare Fotos von jungen Flüchtlingen

Die Bilder erzählen vom Heimweh, den Sehnsüchten. Und auch vom Unbekannten und dem Alltag in ihrer neuen Heimat. In Workshops an vier Kunstschulen im Brandenburgischen entstanden wunderbare Fotos – aufgenommen von jungen Flüchtlingen. Anschauen kann man sie sich nun in der Wissenschaftsetage im Potsdamer Bildungsforum.

Voriger Artikel
Pop-Exzentriker Pete Burns ist tot
Nächster Artikel
Antje Rávic Strubel setzt nicht auf den Mainstream

Vor den Fotos ihres Workshops der Kunstschule Potsdam: Neymatulla Muradi und Samim Ahmad Sediqi (v.l.), beide sind aus Afghanistan geflüchtet.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Es sind Bilder der Sehnsucht, vom Heimweh, den Wünschen. Aber auch vom Alltäglichen und Unbekannten in der neuen Heimat. Aufgenommen von 20 Kindern und Jugendlichen, die als Flüchtlinge zu uns kamen. In Kursen an vier Kunstschulen im Brandenburgischen gingen sie mit deutschen Gleichaltrigen auf Entdeckungstour. Ihre Fotos kann man nun in der Ausstellung „See you!“ im Potsdamer Bildungsforum anschauen.

Das Fotografieren ist ein Medium, das Sprach-Barrieren nicht kennt. Man muss ja nur sehen. Und so hat der Verband der Musik- und Kunstschulen Brandenburg (VdMK) gerade dieses Fotoprojekt initiiert.

Mit Canon-Kameras im Park Sanssouci auf Entdeckungstour

Michael Lüder, der den Workshop an der Kunstschule Potsdam leitete, fand gleich: „Ein tolles Ding, da machen wir mit.“ Mit seinem Kollegen James McElverny und gesponserten Canon-Kameras ging’s in eine Unterkunft für Flüchtlinge. Er erklärte ihnen, dass es einfach nur darum gehe, Bilder zu machen in ihrer neuen Stadt – wie sie sie wahrnehmen. Am ersten Tag kamen sieben, am zweiten nur noch die fünf Afghanen. „Sie konnten sich untereinander verständigen“, sagt Lüder. Dann liefen sie an einem schönen Spätsommertag durch den nahen Park Sanssouci. Samim Ahmad Sediqi (17) aus Kabul drückte vor der Fontäne zum Schloss auf den Auslöser und fragte: „Können wir mal die Königin sehen?“ Neymatulla Muradi (19) hatten es die Goldfische im Teich des Botanischen Gartens angetan. Er stammt aus Kandahar. „Da ist jetzt so viel zerstört“, sagt er. Er zeigte Fotos von daheim auf seinem Handy, aus glücklichen Tagen vor dem Krieg. Darauf seine Freunde mit typischer afghanischer Kleidung und ihren Mopeds.

Sich kennenlernen, Vertrauen fassen. Nicht bloß beim Fotografieren, auch beim Kochen. Michael Lüder lud alle zu sich nach Hause ein. Mohnad Mohnardi (40) ist Koch, den Teig für die Pizza bekam er gut hin. Im Garten spielten sie zusammen „Mensch ärgere dich nicht“ und knackten die Haselnüsse, die sie dort fanden. Und dann revanchierten sich die Flüchtlinge mit „Palau“, einem afghanischen Gericht mit Reis und gebratenen Lammfleischbällchen. Gäste empfangen im Flüchtlingsheim - ein bisschen Normalität. Demnächst wollen sie nach Berlin mit den Fotoapparaten.

Integrieren mit Kultur

Brandenburgs Landesregierung hat 2016 ein spezielles Förderprogramm aufgelegt, das Kulturprojekte zur Integration und Partizipation von geflüchteten Menschen finanziell unterstützt. Insgesamt betrifft das 42 solcher Vorhaben. Darunter ist das Fotoprojekt „See you!“ des Verbandes der Musik- und Kunstschulen Brandenburg e.V. Gefördert wurde es auch durch die in Potsdam ansässige Wilhelm-von-Türk-Stiftung.

Info: „See you!“, bis 26. November, Wissenschaftsetage im Bildungsforum, Am Kanal 47, Potsdam, Mo-Fr, 10 bis 18 Uhr

Die bunten Bilder, die im Workshop der Jugendkunstschule Teltow (Potsdam-Mittelmark) entstanden, sind lauter Selbstporträts. Die jungen Damen des dortigen Fotokurses wollten unbedingt mit geflüchteten Mädchen fotografieren. Voller Neugier waren sie, doch es gab Bedenken, sich zu zeigen. Und so haben sich die Mädchen auf den wunderbaren Porträts eben mit einem Material ihrer Wahl verhüllt.

„Wäre  doch das Leben so leicht wie eine Feder“, sagt Tuja Pagels, fotografiert von Qamar Alloush

„Wäre doch das Leben so leicht wie eine Feder“, sagt Tuja Pagels, fotografiert von Qamar Alloush.

Quelle: Qamar Alloush

Tuja Pagels Gesicht ist voller Federn. Sie wünscht sich: „Wäre doch das Leben so leicht wie eine Feder.“ Seedra Marrey hat ihr Antlitz mit Muscheln geschmückt, weil sie diese an ihr syrisches Heimatdorf erinnern. Und Celina Last hat lauter Zeitungsschnipsel auf Wangen, Kinn und Stirn drapiert. Denn sie guckt so gern in die Welt. Bei Wida Qadiri indes sind da allerhand Blätter. Denn sie vermisst ihr Kabul - eine sehr grüne Stadt.

Windräder und drei beleibte Templinerinnen auf der Brücke

Vom Workshop  des Kunsthauses Templin

Vom Workshop des Kunsthauses Templin: Mohammad Ali Ahmadi, Amanullah Amrani und Hussain Nesar (vorn v.l.n.r.). Und links ihr Leiter des Fotokurses, Alexander Zimmermann.

Quelle: Julian Stähle

Alexander Zimmermann vom Kunsthaus Templin (Uckermark) ist mit fünf fotobegeisterten Afghanen losgezogen. Mohammad Ali Ahmadi sah ein Parken-Schild. Das P darauf oben so rund wie der Mond hoch am Himmel über Templin– und wie er auch in seinem Heimatort, wo die Eltern und sechs Geschwister noch sind, am Firmament steht. Er denkt oft an Ghazni. Von dort ist der 25-Jährige ganz allein geflüchtet. „Ich bin von der Ethnie Hazara und meine Religion ist der Islam. Unsere Minderheit ist von den Taliban bedroht.“ Ali hat einen langen Weg hinter sich. Über den Iran, die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Slowenien, Kroatien, Österreich. Zu Fuß, per Auto, dem Bus, Boot. Er hat Geographie studiert und möchte hier nun Vermesser werden. Warum er beim Projekt gleich dabei war? „Wenn ich fotografiere, genieße ich“, erklärt er. An Templin mag er vor allem die vielen Seen. Da, wo er herkommt, gibt es keine.


Lust auf Leben

Lust auf Leben: Ein Foto von dem 17-jährigen Julian Moyzes

Quelle: Julian Moyzes

Hussain Nesar (18) aus Bamiyan war von den Windrädern fasziniert, die er auf einer Exkursion des Fotokurses sah und lichtete sie ab. „So etwas gibt es in Afghanistan nicht“, erzählt er. Und dass die Taliban in seiner Heimatstadt zwei große – 55 bzw. 35 Meter hohe – Buddha-Statuen zerstörten. Die 15-jährige Nazanin Panahi hat drei beleibte Templinerinnen auf einer Brücke aufgenommen. Und eine deutsche Familie, die sich grad in einem Restaurant bedienen lässt. Das möchte er auch so gerne: Wieder als Familie vereint an einem Tisch sitzen.

Im Fotokurs des Offenen Kunstvereins Potsdam sind Bilder von der Lust aufs Leben oder der Gleichheit entstanden. Nach dem Projekt haben die Flüchtlinge gefragt, ob sie weiter machen dürfen – mit Theaterspielen.

Von Angelika Stürmer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
www.esprit.de
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?