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Kultur „Zátopek“ – ein hochpolitischer Comic
Nachrichten Kultur „Zátopek“ – ein hochpolitischer Comic
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01:25 07.08.2016
Autor Jan Novák und Zeichner Jaromír 99 machen aus der Sportler-Biografie auch einen Polit-Krimi in der kommunistischen Tschechoslowakei. Quelle: Voland & Quist
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Potsdam

Es dauert keine drei Seiten. Dann, pardon, kotzt Emil Zátopek zum ersten Mal in die tschechischen Wälder. Zollt Tribut den Anstrengungen seiner ungewöhnlichen Trainingsmethoden. Bis zur Erschöpfung vorangetrieben und erfolgreich.

Emil Zátopek – mehrfacher Olympiasieger, vielfacher Weltrekordler – das ist einer der klangvollsten Namen in der Geschichte der Lang- und Mittelstrecke. Er war kein Ästhet. Er ackerte auf der Bahn, zelebrierte die Anstrengung. Dafür wurde er geliebt, damit verdiente er sich den respektvollen Beinamen „die tschechische Lokomotive“.

Kurz „Zátopek“, so heißt die Graphic Novel, die Autor Jan Novák und Zeichner Jaromír Šveídik, der unter dem Künstlernamen Jaromír 99 auftritt, dem Leben der Leichtathletik-Legende gewidmet haben. Das tschechische Kultusministerium förderte die Übersetzung des Werks, um an den Läufer zu erinnern. Auf Deutsch ist das Buch bei Voland & Quist erschienen. Der Verlag, der mit dem Comic „Alois Nebel“ den markanten Zeichenstil von Jaromír 99 in Deutschland bekannt machte. „Alois Nebel“ gewann in analoger Ästhetik den Europäischen Filmpreis 2012 als bester Animationsfilm.

Den groben, holzschnittartigen Strich, den harten Kontrast von Licht und Schatten, all das erkennt man im aktuellen Werk sofort wieder. Hinzugekommen sind ein unaufdringlicher Rot- und ein dunkler, zum Blau tendierender Grünton, die sich über die Bilder legen, Schattierungen ermöglichen, Hintergründe ausmalen und Kontraste setzen, mitunter für eine expressive Bildsprache sorgen. Klare Mimik trotz grobem Strich und atmosphärische Dichte überzeugen. Hinzu kommt, dass die Farben entfernt an den Effekt vergilbter oder nachkolorierter Filme erinnern. Ebenso entführt der zeitlose, an historische Techniken erinnernde Strich diffus in die Vergangenheit. Der Leser landet hauptsächlich in den 40er und 50er Jahren.

Ein Stoff, aus dem sich Legenden spinnen lassen

Das war die Epoche Zátopeks, der bei den Olympischen Spielen 1948 in London Gold über 10 000 Meter gewann. Vier Jahre später folgten in Helsinki die Siege über 5000 Meter, 10 000 Meter und Marathon. Einen Marathon war der eigensinnige Sportler noch nie zuvor gerannt. Das ist der Stoff, aus dem sich Legenden spinnen lassen. Autor Jan Novák lässt Zátopek vor den 42,195 Kilometern in der Hängematte liegend gelassen über die Strategie nachdenken. Er erfragt den Namen des Favoriten, um sich an dessen Fersen zu hängen. Zátopek: „Also finde ich raus, welche Startnummer der hat, und fertig.“

Emil Zátopek (1922-2000) auf Weltrekordkurs. Quelle: Voland & Quist

Fiktive Zitate werden aufgehängt an den biografischen und zeithistorischen Fakten. Und in der dezidierten Knappheit sind sie durchaus passend zu dem Läufer, der für pointierte Sätze bekannt war. Auch das übrige Personal des Comics speist sich aus realen Personen. Das reicht bis zum Dialog von Präsident Klement Gottwald und dessen Frau Marta, während sie Zátopeks Marathonlauf am Fernsehgerät verfolgen. Ebenso wechseln die Autoren geschickt die Schauplätze und blenden von den Anstrengungen des Rennens zur harten Arbeit Jan Haluzas im Uranbergwerk über. Der ehemalige Trainer Zátopeks hatte sich geweigert, in die KP einzutreten und war in einem Schauprozess zu Zwangsarbeit verurteilt worden. Zátopeks Erfolge fallen in die Zeit des beginnenden Stalinismus in der Tschechoslowakei.

In diesem politischen Umfeld direkt nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Zátopeks nicht nur als Pionier des Langstreckenlaufs zum Helden, sondern auch als Mann mit Haltung. Er setzte sich unter hohem Risiko für seinen aus politischen Gründen aussortierten Trainingskollegen Stanislaw Jungwirth ein. „Ich fahre entweder mit Standa, oder ich fahre gar nicht“, teilt er den Genossen mit. Und setzt sich durch.

Diese Momente spitzt der Comic zu und wird nebenbei zum kompakten Sport- und Politkrimi. Weil das Buch Hintergründe aufzeigt und suggeriert, dass Zátopek bei seiner Rückkehr für Befehlsverweigerung bestraft werden sollte. Allein sein Status als Dreifach-Goldjunge habe ihn vor dem harten Zugriff der kommunistischen Führung geschützt. So ziehen drei Läufe vorüber, die nicht nur über Medaillen entscheiden. Überlagert wird die Story, die von Ereignis zu Ereignis springt, von einer Liebesgeschichte. Der Läufer heiratet die Speerwerferin Dana Zátopková. In Helsinki gewinnen sie, ein Kitsch-Regisseur hätte es sich nicht besser ausdenken können, fast zeitgleich Gold.

Der dokumentarische Comic, der mit einem hilfreichen Glossar die wichtigsten Personen vorstellt, konzentriert sich auf die Jahre des sportlichen Erfolgs. Doch auch danach blieb sich der Läufer mit Offizierslaufbahn, dessen Leben bereits zum Gegenstand eines Romans wurde, treu. Er unterstützte den Prager Frühling und musste in der Folge im Uranbergwerk und als Müllmann arbeiten. Erst 1974 wurde der Läufer, der später zum tschechischen Athleten des Jahrhunderts gewählt werden sollte, rehabilitiert.

info: Jaromir Svejdik/Jan Novák: Zátopek. Graphic Novel. Aus dem Tschechischen von Mirko Kraetsch. Verlag Voland & Quist, 209 Seiten (farbig), 24,90 Euro.

Von Dimo Riess

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