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Zeitreise ins Rokoko – historisch fundiert

Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin) Zeitreise ins Rokoko – historisch fundiert

Eine Reise zurück ins Rokoko bereitet die Musikakademie Schloss Rheinsberg für Pfingsten vor. Es gehe nicht darum, sich lustige Perücken aufzusetzen, sondern um eine historisch fundierte Zeitreise mit Musik und Mode, sagt der künstlerische Leiter Frank Matthus.

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Vorfreude: Frank Matthus, Monika Kuta und Helma Heldt im Spiegelsaal des Schlosses Rheinsberg.

Quelle: Christina Koormann

Rheinsberg. In einem ihrer sieben maßgeschneiderten Roben aus reiner Seide sieht Monika Kuta aus, als sei sie durch ein Zeitfenster aus der Epoche des pompösen Rokoko ins Jahr 2017 gefallen. „Dies ist eine Robe à la francaise“, erklärt sie – zu erkennen an der großen Watteaufalte, die von den Schultern bis auf den Boden hinunterfällt.

Eine Stunde lang dauert es, bis Outfit, Haare und Make Up sie wie eine feine Dame des 18. Jahrhunderts erscheinen lassen. Beim Ankleiden braucht sie Hilfe, denn alleine ist es zu schwer. „Deshalb hängt es immer von der Anzahl meiner Zofen ab, die mir beim Anziehen helfen, wie schnell ich fertig bin“, sagt sie.

Eine Zeitreise in die Epoche des Barock

Von 1736 bis 1740 verbrachte der damalige Kronprinz Friedrich II. glückliche Jahre auf Schloss Rheinsberg, feierte und genoss das Leben bei Hofe. Doch wie kleidete man sich zu dieser Zeit, welche Sitten und Manieren waren üblich? Hinsichtlich der „Gewandung“ gibt Kuta in ihrem eindrucksvollen Kleid bereits einen kleinen Vorgeschmack. Aber sie weiß noch viel mehr über das Zeitalter des Rokoko und möchte dies in stilechter Umgebung mit Herzblut an die Öffentlichkeit weitergeben:

Am Sonntag, den 4. Juni, als Teil der Rheinsberger Musiktage zu Pfingsten, lädt die künstlerische Leiterin des aufwendigen Pilotprojekts „Fête à la Rococo“ gemeinsam mit dem künstlerischen Direktor der Kammeroper Schloss Rheinsberg, Frank Matthus, ein zu einer Zeitreise in den Barock, auf der Persönlichkeiten in authentischen Gewändern die Geschichte wieder lebendig werden lassen.

Der Schlosspark wird zum Schauplatz des 18. Jahrhunderts

Im Schlosspark wandelt die feine Hofgesellschaft und erfreut sich an höfischen und ländlichen Tänzen, Grazien zeigen Theaterstücke und musizieren. Im Akademiehof spielen Solisten der Kammeroper Schloss Rheinsberg und des Rostocker Klarinetten-Trios Arien und die Sechs Notturni von Mozart.

Auch im Schloss erleben die Besucher im Spiegelsaal, in der Bildergalerie, im Ritter- und im Billardsaal das Leben bei Hofe: In szenischen Führungen präsentieren sich feine Damen, die Tanz und Gesang lernen, junge Herren, die mit Cembalo und Flöte Menuette spielen, preußische Offiziere, die Kriegstaktiken diskutieren und Figuren, die bei Handarbeiten und Kartenspiel plaudern. „Es wird auch eine Ankleideszene geben“, verrät Monika Kuta.

„Wir wollen das Lebensgefühl des Rokoko zeigen“

Mit einem Barockmusikkonzert soll der Tag zu Ende gehen: Um 19.30 Uhr spielen Instrumentalisten der Berliner Philharmoniker als Concerto Melante auf historischen Instrumenten Musik von Telemann, Händel und Goldberg. Laut Monika Kuta „ein runder Tag im Rokoko.“

„Der restaurative Gedanke soll dabei mit dem inszenatorischen Charakter des Theaters verbunden werden“, erklärt Frank Matthus. „Es ist nicht: Ich setze mir jetzt mal eine Perücke aus Watte auf und finde das lustig.“ Es gehe um Authentizität, in der Vorbereitung stecke großes historisches Wissen und viel Sorgfalt bis ins kleinste Detail. „Wir wollen das Lebensgefühl des Barock und Rokoko zeigen, den Zeitgeist, die Kleidung und den Lebensstil“, sagt Monika Kuta.

Im Rokoko spielten Erwachsene gerne „Blinde Kuh“

Seit neun Jahren ist die Schlossführerin, die an mehreren Schlössern der Hohenzollern arbeitet, in der Rekonstruktionsszene tätig und hat zahlreiche barocke Feste miterlebt. „Wir wollen nicht einfach nur ein bisschen ähnlich sein wie zu Zeiten des Barock, sondern diese Zeit richtig leben“, erklärt die Dame im Kleid. Über Jahre hinweg hat sie viel Wissen gesammelt und kennt viele Anekdoten und kuriose Details. „Wussten Sie zum Beispiel, dass Erwachsene wahnsinnig gern „Blinde Kuh“ spielten?“, fragt sie und lacht.

Mit einem abwechslungsreichen Programm soll der „Besuch bei Kronprinz Friedrich“ für die Besucher an Pfingsten zu einem besonderen Erlebnis werden. Vor zwei Jahren entstand die Idee für die „Fête à la Rococo“, geplant als Fest im Schlossgarten und im Rheinsberger Schloss. Für den besonderen Tag haben die Veranstalter mitwirkende Gruppen aus Deutschland und Polen gewinnen können; etwa die Rekonstruktionsgruppe Cour de Cassel, die Theatergruppe Vier Grazien sowie die Tänzer der Varsavia Valante.

Wo, wenn nicht in Rheinsberg, soll diese Epoche besser wieder aufleben?

Insgesamt 40 Menschen bringen den Rokoko zurück nach Rheinsberg. „Wo soll diese Epoche in dieser Form gezeigt werden, wenn nicht hier in der Friderizianischen Wiege?“ fragt Monika Kuta. Für die Unterstützung der Stiftung Schlösser und Gärten und der Schlossbereichsleiterin Helma Heldt sind Matthus und Kuta sehr dankbar. „Wir hoffen, dass wir das Projekt und die Zusammenarbeit zwischen den polnischen und deutschen Akteuren in den nächsten Jahren noch ausweiten können“, sagt die künstlerische Leiterin.

Karten für die bisher einmalige „Living History“-Veranstaltung gibt es in drei Preiskategorien bei der Tourist-Information Rheinsberg unter der Nummer 033931 – 34940 oder online unter www-kammeroper-schloss-rheinsberg.de. Außerdem in den Besucherzentren „Historische Mühle“ und „Am Neuen Palais“ in Potsdam Sanssouci und Theaterkassen erhältlich.

Von Christina Koormann

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