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„Zensur ist im Fernsehen weit verbreitet“

Serdar Somuncu „Zensur ist im Fernsehen weit verbreitet“

Nach dem Eklat um Jan Böhmermanns Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan wird in den vergangenen Tagen darüber diskutiert, was Satire darf. Serdar Somuncu meint, dass Satire nicht alles kann, weil viele Fernseh-Beiträge aus Angst zensiert werden. Und er sagt, warum Kanzlerin Angela Merkel das Grundgesetz verhöhnt.

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Der deutsch-türkische Satiriker Serdar Somuncu

Quelle: Eventpress Stauffenberg

Berlin. Der deutsch-türkische Satiriker Serdar Somuncu hält Zensur im deutschen Fernsehen für weit verbreitet. Dem RedaktionsNetzwerk Deutschland sagte er: „Redakteure streichen oft nachträglich aus Ängstlichkeit und vorauseilendem Gehorsam Sequenzen. In meinen 30 Jahren als Satiriker ist noch so gut wie keiner meiner Beiträge zu 100 Prozent erschienen.“

Somuncu: Merkel verhöhnt das Grundgesetz

Somuncu zeigte sich empört darüber, dass die Kanzlerin Angela Merkel sich für ein satirisches Schmähgericht von Jan Böhmermann über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan entschuldigt hat: „Ich finde Böhmermanns Gedicht weder witzig noch besonders skandalös. Viel erschreckender finde ich, dass die Kanzlerin ein Grundrecht auf Satirefreiheit in Frage stellt, weil sie gegenüber Erdogan Verbindlichkeiten hat und er ihr die Flüchtlingsproblematik vom Hals schaffen soll.“ Das sei ein einmaliger Vorgang, mit dem sie das Grundgesetz verhöhne.

Mit Band in Potsdam

Serdar Somuncu ist 47 Jahre alt. Er wurde in Istanbul geboren, kam aber als kleines Kind mit seiner Familie nach Deutschland.

Der Comedian, Regisseur, Schauspieler und Musiker verarbeitet einen Teil seiner Erfahrungen als türkischstämmiger Bürger in Deutschland in seinem vor kurzer Zeit erschienenen Buch „Der Adolf in mir“. So sollte er zum Beispiel in der Schule nur wegen seines Aussehens eine „Ausländerklasse“ besuchen. Zwischenzeitlich war Somuncu obdachlos und erzielte erst nach mehreren Jahren in der Kulturszene erste Erfolge.

Die Lesungen aus „Mein Kampf“ von Adolf Hitler machten Somuncu bekannt. Dabei veralberte er das Buch und seine Thesen und deckte innere Widersprüche von Hitlers wirrer Argumentation auf. Später trug er auch Auszüge aus der Sportpalastrede des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels vor und rezitierte die jeweils aktuelle Ausgabe der „Bild“-Zeitung.

1500 Auftritte und mehr hatte er mit der Lesung von „Mein Kampf“ vor mehr als 250 000 Zuschauern in sechs Jahren. Er trat auch in Schulen und in ehemaligen Konzentrationslagern auf.

Nach Morddrohungen musste der Comedian mit kugelsicherer Weste auftreten und tourte mit Polizeischutz. Bei einem Auftritt im sächsischen Dippoldiswalde stürmten mehr als 20 teils vermummte Neonazis die Bühne.

In den vergangenen fünf Jahren trat Somuncu in seiner Rolle als Hassprediger in der meist ausverkauften Show „H2 Universe – Die Machtergreifung“ auf. Außerdem ist er regelmäßiger Gast der „heute-Show“ im ZDF.

Somuncu geht als Hassprediger auf Tour und las aus „Mein Kampf“

Dem RND sagte Somuncu, der auf seiner Tournee als „Hassprediger“ und mit Lesungen aus „Mein Kampf“ für Schlagzeilen sorgte: „Provokation um der Provokation willen ist nicht meine Art. Wenn sie aber eingebettet ist in eine Aussage, nehme ich die Folgen in Kauf. Man kann jedoch nicht jeden beleidigen, der einem vor die Flinte kommt, und das nachträglich mit Satire rechtfertigen.“

Satiriker ist inzwischen müde vom Hass

In einem MAZ-Interview sagte Somuncu kürzlich wenige Tage vor einem Auftritt in Potsdam, dass es nicht reiche, Pegida mit Satire und Witzen zu bekämpfen. „Mit denen muss man sich inhaltlich auseinandersetzen“. Außerdem spricht über seine Erfahrungen, als er aus „Mein Kampf“ vorgelesen hat und sagt, warum er müde vom Hass ist.

Das RND

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Von MAZonline

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