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Zeugen einer Erstbesteigung

Roncalli-Weihnachtscircus Zeugen einer Erstbesteigung

Im 14. Jahr kommt der „Roncalli-Weihnachtscircus“ ins Berliner Tempodrom, er gastiert dort bis zum 2. Januar. Vor 40 Jahren gegründet, hat er sich etabliert als Traumfabrik, die ihren Clowns ins Land der Poesie schickt. Selbst das Halsbrecherische hat hier eine lyrische Note. Man staunt – aus gutem Grund, wie der Blick auf die Höhepunkte der Show beweist.

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Eddy (l.) und Antoli treiben die Komik ins Groteske.

Quelle: Bertrand Guay

Berlin. Roncalli führt kein Leben in engen Zelten, wo es nach Tieren riecht und hinterher die Kinder auf den Ponys reiten. Roncalli ist ein Unternehmen, das die Halsbrecherei zum Geschäftsmodell erhoben hat, doch weiterhin viel Poesie in sein Programm rührt. Es gibt Seifenblasen und Einräder, es treten Damen auf, die sich – wie aus Knete – um die eigene Taille knoten. Pferde kommen, die aufrecht auf den Hinterbeinen laufen. Das ist allgemeine Konvention im Zirkus, doch bei Roncalli ist das auch eine Form von Zauberei, die nicht verschleißt.

Den Zirkus, der von Bernhard Paul und André Heller gegründet würde, gibt es seit 40 Jahren – seine Überlebensgarantie: Er geht mit der Zeit. Im 14. Jahr stellt er das in Berlin zum Jahreswechsel unter Beweis. Noch bis zum 2. Januar ist der „Weihnachtscircus“ im Tempodrom an Berlins Anhalter Bahnhof zu sehen.

Das Tempodrom findet bei Roncalli endlich zu seiner Bestimmung, es ist ein Spitzbau, eine Arena, die sich nur mit Mühe der Konzertform fügt. Mit der frontalen Bühne kann dieses Haus nichts anfangen, denn es braucht die Manage, die Magie des Kreises, um den es seine Sitze baut. Der Zirkus ist das Wunschkind des Gebäudes.

Man staunt mit offenem Mund

Roncalli zeigt kein Rührstück wie manch kleiner Wanderzirkus, dem man Hals- und Beinbruch wünscht, weil jedes Loch im Zelt den finanziellen Untergang bedeuten kann. Der Zirkus imponiert und überwältigt, das ist ja sonst die Rezeptur der Rockkonzerte. Roncalli aber schafft es, in die überlebensgroße Akrobatik auf dem Trampolin oder den Ringen unterm Zirkusdach so etwas wie die Andacht einzuflechten, die sonst Schubert in seinen Streichquartetten buchstabiert. Man sitzt mit offenem Mund – tut das als aufgeklärter Mensch, der aus den Fernsehshows so manche Sensation gewohnt ist. Und fühlt sich doch als Zeuge einer Erstbesteigung, die jederzeit scheitern kann. Natürlich scheitert sie nicht.

Es gibt Paolo Carillon, den Clown, der ein blinkendes Herz aus seiner Eisenbrust hervorholt, eine Geste wie vom Terminator. Er wirft Seifenblasen, so dicht, als tauche er in ein sehr kaltes, frisches Wasserbecken ein. Antoli und Eddy wiederum treiben die Clownerie ins Groteske. Einer steht, der andere flucht, allein das Stehen führt den anderen schier in den Wahnsinn. Ein Hochschaukeln der alten Loriot-Schule – übersetzt ins 21. Jahrhundert.

Ein Einradfahrer hält ein halbes Dutzend Kugeln in der Luft, lässt sein Rad im Kreise rollen, steigt wieder auf, jongliert weiter. Akrobaten springen auf dem Trampolin, laufen wie auf Wolken – fordern die Schwerkraft heraus. Und siegen.

INFO Roncalli-Weihnachtscircus bis 2. Januar. Tempodrom, Möckernstraße 10, Berlin-Kreuzberg. Karten in der MAZ-Ticketeria unter 0331/2840284.

Von Lars Grote

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