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Kultur Zossener Jungstar im Wettbewerbsfilm
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18:15 13.02.2017
Tristan Göbel: In „Tschick“ sehr wild, auf der Berlinale sehr brav. Quelle: Verleih
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Potsdam

Im Lada hat Tristan Göbel, der Junge mit den langen Haaren aus einem Dorf bei Zossen, seinen Ruhm geholt. Dieser geklaute Lada war ein großer Spaß, bis der Tank alle war. Doch die Kinosäle sind trotzdem voll gewesen, als Göbel, nun 14 Jahre alt, im vergangenen Herbst im Film „Tschick“ in Richtung Walachei aufbrach. Fatih Akin hatte das gefeierte Buch des verstorbenen Wolfgang Herrndorf verfilmt, und mittendrin der Junge, der auf das Babelsberger Filmgymnasium geht. Gleich bei diesem hochgelobten Stück mitmischen, nicht schlecht für den Teenager Göbel.

„Tschick“-Regisseur Akin hatte den Goldenen Bären mit „Gegen die Wand“ im Jahr 2004 gewonnen. Nun ist wieder Berlinale, doch Akin ist nicht dabei. Dafür Tristan Göbel! Das Temperament seiner neuen Rolle entfernt sich maximal von dieser ausufernden „Tschick“-Party, denn Regie führt jetzt Thomas Arslan, ein bedächtiger Filmemacher, ein skrupulöser Beobachter. Der Zossener Göbel jedenfalls spielt eine ruhige Figur, sehr zurückgenommen, fast unterkühlt.

„Helle Nächte“ von Arslan ist einer der drei deutschen Filme, die am aktuellen Berlinale-Wettbewerb teilnehmen. Am Montag hatte die 86 Minuten kurze Vater-Sohn-Geschichte „Helle Nächte“ Premiere. Die Rolle von Sohn Luis übernimmt Göbel, der für seine Rolle in Christian Schwochows 2014 erschienenem Kinofilm „Westen“ beim Festival des deutschen Films in der Rubrik Filmkunstpreis die Ehrung „Besondere Auszeichnungen der Jury für ein Schauspielerensemble“ erhielt.

Regisseur Thomas Arslan, bei der Berlinale zuletzt mit dem Western „Gold“ dabei, filmt in „Helle Nächte“ ähnlich unprätentiös wie Maren Ade in ihrem Erfolgsfilm „Toni Erdmann“, allerdings gänzlich humorfrei – sieht man einmal von der üblichen Teenager-Altklugheit von Luis ab.

Zusammen mit seinem gallebitteren Vater Michael (Georg Friedrich) fährt Luis nach Norwegen. Luis’ Opa, also Michaels Vater, ist gestorben. Michael sieht in dem Trip eine Chance, dem Sohn wieder näherzukommen, der bei der Mutter aufwächst – wenn Michael es schon verpasst hat, sich mit seinem Vater zu versöhnen. (Generationen-)Konflikte in der rauen Natur Nordnorwegens sind also programmiert. So weit, so vorhersehbar.

Und damit beginnt das Problem von „Helle Nächte“: Arslan entkernt seinen spartanischen Film so weit, dass Substanz verloren geht. Die Interaktion zwischen den Figuren wird auf ein Minimum reduziert. Kommunikationsunfähigkeit herrscht vor im nordnorwegischen (Beziehungs-)Nebel. Die latente Aggressivität zwischen Vater und Sohn geht regelmäßig in Schweigen über – jedenfalls bis kurz vor Schluss, wenn nach langen Autofahrten durch karge Bergwelten plötzlich doch Nähe im weichen Tundragras möglich sein soll.

Seltsam leblos wirkt dieser Film, und das gilt auch für die Hauptdarsteller, von denen wir schon ganz anderes gesehen haben: Friedrich war eben noch in Josef Haders vielgelobter Tragikomödie „Wilde Maus“ der Freund von der Achterbahn, Göbel düste als einfühlsamer Kumpel von „Tschick“ in Fatih Akins Roadmovie durch die ostdeutsche Prärie.

Die Suche nach neuen, gegenwartsbezogenen Sensationen läuft in Berlin aber bereits auf vollen Touren, bislang mit bescheidenem Erfolg. Die illustre Reihe „Berlinale Special“ präsentiert vornehmliches historisch gut Abgehangenes über die zerbröselnde DDR („In Zeiten des abnehmenden Lichts“ von Matti Geschonneck), über das jüdische Weiterleben in Deutschland nach dem Holocaust („Es war einmal in Deutschland“ von Sam Garbarski) oder über einen Heroen der Arbeiterbewegung („Der junge Karl Marx“ von Raoul Peck).

Wo bleibt eigentlich das wilde deutsche Kino, das bei der Berlinale zuletzt vor zwei Jahren mit dem in einer einzigen Einstellung gedrehten Banküberfall-Thriller „Victoria“ Furore machte?

Von Stefan Stosch

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