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Kultur Zur Strecke bringen, was man liebt
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08:27 21.01.2013
POTSDAM

. Zuweilen wird durch die hüfthohe Doppelschwingtür des Saloons ein Mensch ins Freie gestoßen.

Regisseur Niklas Ritter beschränkt sich auf wenige Akzente, um in der Reithalle des Potsdamer Hans-Otto-Theaters Wildwest-Stimmung zu beschwören. Die Bühne von Bernd Schneider besteht aus Strohballen und einfachen Holzverschlägen. Gegeben wird ein Stück von John Steinbeck, unter dessen Titel „Von Mäusen und Menschen“ man sich wenig vorstellen kann. Ein treffender Titel für diesen Abend wäre: „Die Stille vor dem Schuss“. 1962 erhielt der sozialkritische Schriftsteller („Früchte des Zorns“) den Nobelpreis. Nach Lage der Akten, die vor wenigen Wochen geöffnet wurden, trug der Amerikaner keinen Favoritensieg davon, sondern ging in der Jury als fauler Kompromiss durch.

Die anrührende Geschichte von Lennie und George, zwei Wanderarbeitern in den 1930er Jahren, wird in Potsdam von zwei Schauspielern behutsam nacherzählt. Ihr asymmetrisches Verhältnis wird nicht mit einer neuen Deutung befrachtet. Florian Schmidtke spielt den geistig Minderbemittelten, der aber mit Bärenkräften gesegnet ist, wohltuend ohne Übertreibung. Dass Ausraster seine Herzensgüte durchkreuzen, er dann zur Strecke bringt, was er im Grunde liebt – diese Schlusspointe darf er in aller Seelenruhe vorbereiten. Auch George, sein liebevoll reflektierender, väterlicher Freund, wird von Axel Sichrovsky durch keinerlei Marotte überzeichnet. Da auch zwei andere, milde Mannsbilder die Handlung prägen, geht es in diesem Amerika zu Zeiten der Großen Depression zunächst sehr herzlich zu. Dem Regisseur ist es gelungen, die beiden Charakterschauspieler Eddie Irle (als Farmer) und Peter Pagel (als alter Mann Candy) an die ganz kurze Leine zu nehmen. Kraftvoll verleihen sie ihren Figuren durch zurückhaltendes Spiel eine nonverbale Tiefe.

Nur der Gegenpol, der dämonische Farmer-Sohn Curley, bleibt blass. Jan Breustedt ist wie Anton Weil (Carlson) Schauspielstudent, beide können mit dem Charisma der Ensemble-Schauspieler nicht mithalten. Da Regisseur Ritter die gewalttätigen, handgreiflichen Szenen nicht durch robustes Körpertheater darstellen lässt, sondern ins gestisch Abstrakte kehrt, geht die größte Wirkung von den stillen Momenten aus.

John Steinbeck hat das Stück mit nur einer Frauenfigur ausgestattet. Elzemarieke de Vos verleiht dem unglücklich verheirateten „Mädchen“, das am Ende Verderben bringt, wenig Laszivität.

Dieses Stück überliefert den rüden Zeitgeist der 30er Jahre. John Steinbeck hat gesagt: „Manchmal denke ich, Mann und Frau sollten nur im Bett zusammenkommen. Das ist der einzige Ort, wo ihr natürlicher Hass aufeinander etwas zurücktritt.“ Doch nicht die Geschlechterfrage, sondern jene nach unwertem Leben wirft das Stück auf. Während der deutsche Staat damals die Euthanasie praktizierte, greifen Amerikas einsame und bewaffnete Helden in gleicher Absicht zur Selbstjustiz.

Nächste Aufführungen: 25. Jan., 19.30 Uhr, 27. Jan., 17 Uhr. Reithalle, Schiffbauergasse, Potsdam. Karten unter 0331/98118. (Von Karim Saab)

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