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Zwei Ladies und ein Zeitproblem

Konzerte Zwei Ladies und ein Zeitproblem

Wer sich am heutigen Konzert-Dienstag nach Berlin begibt, der steht vor der Qual der Wahl: Besucht man Lucinda Williams, die ausgerechnet an ihrem 63. Geburtstag ihr Gastspiel gibt, oder die junge Österreicherin Clara Luzia? Die eine brilliert mit ihrer sehr persönlichen Ausdeutung von Folk, Blues und Country. Die andere mit einem sehr unabhängigem Stilmix.

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Lucinda Williams spielt sich selbst ein Ständchen zum Geburtstag.

Quelle: David McClister

Potsdam. Potsdam Längst und längst angemessen füllt sie größere Hallen: Lucinda Williams. Dass die Songwriterin – nie wirklich kommerziell erfolgreich, doch stets ein Liebling der Kritiker - in eigener Sache nie untätig war, zeigt ihr inzwischen zwölftes Album „The Ghosts of Highway 20“. Außerdem hat sie sich mit ihrer sehr exzellenten eigenen Ausdeutung von Folk, Blues und Country in den USA die Hacken abgetourt. Unterwegs, unbehaust und unverstanden vielleicht. Bisweilen verloren in den Weiten Amerikas, ohne menschliche Wärme und Nähe.

Tanzen mit den Geistern vom Highway

Und so tanzt sie mit den Geistern vom Highway 20. Allein zwölf von 14 Liedern verfasste die in Louisiana geborene Sängerin. Auch ihre Heimat durchquert der Highway. Der eigentlich ein Interstate, eine Fernstraße, ist und über zweieinhalbtausend Kilometer durch die Südstaaten führt.

Das L-Wort fällt fast nie

So fließt wieder einmal viel Erfahrenes in die Stücke ein. Das Wort Liebe fällt so gut wie nie. Doch Lucinda Williams, die am Konzerttag ihren 63. Geburtstag feiert, kennt allerdings viele, auch beängstigende Seelenzustände: Trägt ihre Reflexionen mit wissendem, brüchigem Timbre vor. Und die Begleiter lassen ihre tiefsinnigen, doch ermutigenden Songs erst so richtig atmen. Schwebende, fein fließende, gleitende bisweilen aufbrausend ausufernde Girlanden bildende Gitarren, bedient von ausgewiesenen Könnern wie Greg Leisz, Bill Frisell oder Val McCallum. Ein Schmaus.

Clara Luzia war schon im Alpin-Western zu hören

Der intimere Rahmen ist dagegen das Biotop von Clara Luzia: Die Österreicherin mag das L-Wort ebenso wenig in den Mund nehmen. Eher geht es um Aufmüpfigkeit und Rache. Wie schon im Alpin-Western „Das finstere Tal“, das die junge Frau mit dem Stück „Sinnerman“ anreicherte. Auf ihrem Album „Here’s To Nemesis“ geht es um den Zorn, der Menschen trifft, wenn sie nicht aufeinander achtgeben. Daher warnt Clara, den Abgrund immer im Auge zu behalten.

Elektrobeats plus Westernakkorde

Musikalisch beherrscht sie ganz unterschiedliche Stimmungen: rockig-flockigen Mädchen-Indie-Pop aus Mitte der 80er Jahre mit britischem Flair. Im bittersüßen Stück „Wounds & Scars“ indes pocht ein dunstiger Elektrobeat zu gedehnten Western-Akkorden.

Niemals Wiederholungen

Niemals Wiederholungen: Clara Luzia.

Quelle: Sarah Haas

Plötzlich ist Clara Luzia die nicht ganz so schläfrige Schwester von Lana Del Rey – und oops, verschlägt es sie, gedrängt von giftigen Gitarren, an die „West Coast“. Das L-Wort fällt im langsamen „Magic“ zwar nicht, doch für die Magie der Liebe findet hat die lebenshungrige Clara ein einleuchtendes Bild. „Nun sehe ich das Licht. Die Glorie, die von dir strahlt.“ Zwei Ladies und ein Zeitproblem: Bitte Sie jetzt!

Lucinda Williams tritt um 20 Uhr im Kesselhaus der Kulturbrauerei auf, Clara Luzia zur selben Zeit im Privatclub.

Von Ralf Thürsam

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