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Kultur Zwei Ausstellungen im üppigen Barock
Nachrichten Kultur Zwei Ausstellungen im üppigen Barock
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18:43 18.06.2018
Passionsdarstellungen: Figuren und Kulissen des Heiligen Grabes in Neuzelle. Quelle: Foto: Stiftung Stift Neuzelle / Bernd Geller
Neuzelle

Im Kreuzgang hinter dicken Mauern ist man sicher vor so ziemlich allem: Kanonenkugeln, weltlichem Geschwätz und Temperaturen über 30 Grad. Hier halbiert sich die Hitze im Handumdrehen. Das ist ein Segen für Menschen, die nicht zum Baden nach Neuzelle (Oder-Spree) fahren, sondern zum Flanieren, zum Staunen oder zur Besinnung. Dieses Kloster ist ein Ort, um der Gegenwart den Stecker zu ziehen, der meist am Handy oder Laptop hängt. Digital ist besser, heißt es im 21. Jahrhundert. Im Kloster Neuzelle weiß man seit 750 Jahren: Massive Mauern sind noch ein bisschen besser. Sie bieten Ruhe. Ruhe ist eine Währung, der derzeit kaum aufzuwiegen ist.

Das nördlichste Zeugnis süddeutschen und böhmischen Barocks

Zwei Ausstellungen schauen zurück auf die Quellen dieser Ruhe, die nicht zwingend mit Stille gleichzusetzen ist. Ruhe ist eine Gemütsverfassung, Stille nur ein kurzer Aggregatzustand der Kommunikation. Im Kloster Neuzelle aber haben sie schon immer auf Beständigkeit geachtet. Man trifft hier auf das nördlichste Zeugnis süddeutschen und böhmischen Barocks in Europa und staunt über eine der wenigen vollständig erhaltenen Klosteranlagen in Deutschland. Schon bei der Gründung war das Zisterzienserkloster Neuzelle in der Niederlausitz dem Himmel nahe, denn es wurde nicht – wie sonst üblich – in einer Niederung, sondern auf einem Bergsporn angelegt. „Dem Himmel nahe“ ist konsequenterweise das Motto des Jubiläumsjahrs 2018, in dem man die Gründung vor 750 Jahren feiert.

Digitale Medienstationen

Bleiben wir im Kreuzgang, der die Sicherheit eines Kokons ausstrahlt. Nördlich der Klosterkirche schließt sich dieser restaurierte, mittelalterliche Gang an das Klostermuseum an, wo die Gründungszeit, auch die Zerstörung durch Hussiten, schließlich die Blütezeit im Barock bis hin zur Klosterauflösung 1817 dokumentiert werden – etwa durch das Weiheornat von Abt Martinus Graff, den er 1741 mit kostbarsten Seidenstickereien herstellen ließ. Der Stiftatlas von 1758 ist wiederum ein kartografisches Meisterwerk des 18. Jahrhunderts. Digitale Medienstationen nehmen der Aura von damals den Staub, sie verweisen mit den Mitteln der Gegenwart auf frühe Jahre. Die Filme, Audioführer und Detailkarten halten sich fern vom Lärm der krachenden Mittelalterfeste. Hier wird seriös gearbeitet. Man behält kühlen Kopf, doch weiß man, dass etwas eingestreuter Abenteuersinn gut tut bei der Aufbereitung in der Gegenwart.

Himmlisches Theater

Ein weiteres Abenteuer, das Neuzelle neben der Ruhe zu bieten hat, ist die Dunkelheit. Wer das zweite Museum der Klosteranlage betritt, das „Himmlische Theater“, steigt auf den ersten Metern in die Nacht. Es ist stockfinster, selbst Schulklassen, die eine flirrende Energie mitbringen, verstummen hier für einige Sekunden. Plötzlich, hinter der nächsten Tür, tritt man ins Licht. So stellt man sich buchstäblich die Erleuchtung vor. Zu sehen ist der wertvollste Klosterschatz von Neuzelle: die europaweit einzigartigen Passionsdarstellungen vom Heiligen Grab. In einem monumentalen, barocken Kulissentheater wird das Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi vor den staunenden Gläubigen inszeniert. 15 Szenen in fünf Bühnenbildern illustrieren üppig und mitreißend die biblischen Ereignisse.

Museen und Mönche

Das Kloster Neuzelle ist eine ehemalige Abtei des Ordens der Zisterzienser im Landkreis Oder-Spree.

Das Gründungsjahr des Klosters liegt im Jahr 1268, es jährt sich aktuell zum 750. Mal. Das Haus wurde 1817 von der Regierung Preußens säkularisiert, der Klosterbetrieb ist damals eingestellt worden.

Je eine katholische und eine evangelische Kirche führen ihre Arbeit im Barockensemble weiterhin fort. Der dauerhafte Zuzug von Mönchen ist aktuell noch in diesem Jahr geplant.

Die beiden permanenten Ausstellungen im Klostermuseum und Museum „Himmlisches Theater“ sind von Montag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Stiftsplatz 7, Neuzelle. Telefon: 033652/6102.

Der Neuzeller Passionszyklus ist auch technisch eine Meisterleistung – ein künstlerischer und geistlicher Schatz: Himmlisches Theater. 1753 war das Theatrum Sacrum des böhmischen Künstlers Joseph Seifrit wohl erstmals zu sehen.

Zwei dieser imposanten Bühnenbilder mit den jeweils dazugehörigen Szenen werden dauerhaft gezeigt. Dafür wurde im ehemaligen Kutschstall des Klosters ein Museum geschaffen, um diesen Szenen Raum zu geben. Nach langer Restaurierung wird überdies die Szene „Jesus vor Kaiphas“ ab Oktober im „Himmlischen Theater“ neu gezeigt. Die Szene beschreibt das Verhör von Jesus vor dem Hohepriester Kaiphas. Jesus bekennt sich dazu, Gottes Sohn zu sein und wird von Kaiphas wegen Gotteslästerung angeklagt und zum Tode verurteilt.

Ein Erlebnis

Zum restaurierten Bauensemble hat Neuzelle nun die substanziellen Werte der Museen zu bieten, die nicht uferlos, sondern konzentriert von den Ursprüngen des Ortes sprechen. Zur Pracht kommt nun die Pädagogik – nichts langweilt hier, weil bereits die Architektur des Ortes ein Erlebnis ist. Hinzu kommt der Überraschungseffekt: Niemand würde so viel Barock an der Oder erwarten. Man muss nicht mal zum Kreuzgang vordringen, um sich vor der lauten Gegenwart beschützt zu fühlen.

Von Lars Grote

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