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Kultur Zweite Schau im Museum Barberini eröffnet
Nachrichten Kultur Zweite Schau im Museum Barberini eröffnet
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12:25 17.06.2017
Edward Hopper malte diese „Einfahrt in die Stadt“ 1946 im Stile der Neuen Sachlichkeit. Quelle: Phillips Collection
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Potsdam

„Von Hopper bis Rothko“ – Der Titel der neuen Ausstellung im Museum Barberini ruft zwei amerikanische Säulenheilige der Moderne auf, die auch in Europa in aller Munde sind. Sie stehen für „das große Reale“ und „das große Abstrakte“. Allein ihre Namen wirken wie ein Magnet. Am Ende könnten die Besucher aber enttäuscht sein, denn beide genreprägenden Maler spielen im Potsdamer Auftritt der Phillips Collection Washington (USA) nur eine Nebenrolle.

Edward Hoppers „Sonntag“ ist auf manchen Plakaten größer als im Original, denn es misst nur 74 mal 86 Zentimeter. Der Gründer der Sammlung, Duncan Phillips (1886-1966), musste für das Bild, das im Raum „Menschenbilder in der Stadt“ hängt, Mitte der 1920er Jahre nur 600 Dollar berappen. Der zweite Hopper „Anfahrt in eine Stadt“ (1946) überrascht insofern, weil die toten Industriegemäuer an die proletarische Malerei von Otto Nagel denken lassen. Eine weitere Stadtlandschaft im Dunstkreis der aufkommenden Neuen Sachlichkeit ist das Bild von John Sloan „Sechs Uhr, Winter“ (1912). Es zeigt eine Hochbahn, unter der eine Menschenmenge wogt. Doch offenbar sind es keine deprimierten Proleten, die früh zur Schicht gehen. Vielleicht sind es sogar bürgerliche Passanten, die sechs Uhr abends im Großstadtgedränge stecken.

Wer nah genug an das eine Minibild von Mark Rothko (60 mal 30 Zentimeter) tritt, kann der Kombination aus Orange und Gelb auf einer Hartfaserplatte (1968) sicher etwas abgewinnen. Wer aber noch nie vor einem großformatigen Rothko-Original gestanden hat, wie sie etwa in der National Gallery of Art in Washington hängen, kann sich kaum vorstellen, wie tief und spirituell Rothko-Bilder wirken können.

Mit 68 Werken von 50 Künstlern möchte diese Ausstellung in Potsdam Amerikas Weg in die Moderne nacherzählen. Das ist ein lohnendes Unterfangen, denn noch ist diesseits des Atlantiks kaum bekannt, dass es bereits vor der Popart und Andy Warhol nennenswerte Künstler in den USA gab, die den europäischen Impressionismus, Expressionismus und Realismus hinter sich ließen.

Prominent ist sicher auch der abstrakte Expressionist Jackson Pollock, der im Barberini nur mit einer kleinformatigen, fast rührenden Anfängerarbeit („Komposition“, 1938) vertreten ist. Statt eines Beispiels für Jacksons orgiastische Aktionsmalerei hängen hier andere sehenswerte Beispiele. Alfonso Ossorio lieferte mit „Mutter und Kind“ (1951) auch eine spontane, dichte Lackfarben-Tropfmalerei, die aber noch ein Bildzentrum aufweist. Und das Bedürfnis nach kraftvollen Querformaten, wie sie Pollock schuf, wissen Robert Motherwell mit „Wer liebt, glaubt“ (1962) und August V Tack mit „Sehnsucht (1931) zu stillen.

Wer den ersten Raum im Barberini-Erdgeschoss betritt, ist vielleicht überrascht, wie weit die Ausstellung zeitlich ausholt. Hier herrscht noch tiefes 19. Jahrhundert. Es brauchte seine Zeit, bis sich die Amerikaner von Europa emanzipierten. Das Porträt von „Miss Amelia von Buren“ (1891) von Thomas Eakins zeigt mit fast fotorealistischer Akkuratesse eine pompös gekleidete Dame. Die „Rosen“ von Julian Alden Weir sind ein altmeisterliches Stillleben. Und der „Triumphbogen im Washington Square Park“ (1890) von Childe Hassam ist noch in starkes Pariser Impressionisten-Licht getaucht. Genial in diesem Raum ist aber eine dunkle Korrespondenz, die sich zwischen einer nostalgischen Landschaft („Albaner See“ von George Inness, 1869) und einer tiefenpsychologisch aufgeladenen Abstraktion („Bucht im Mondlicht“ von Albert Pinkham Ryders, 1880) herstellt.

Überhaupt: Pure Lebensfreude war offenbar in der USA Anfang des 20. Jahrhunderts kein Thema. Melancholie, Einsamkeit und Nüchternheit in gedeckten Farben herrschten lange vor. Leuchtende Farben und übermütige Gesten kommen erst mit dem Willen zur formalen Abstraktion in den 1960er Jahren auf.

Phillips Collection, Washington D.C

„Von Hopper bis Rothko“ ist die zweite Ausstellung im Museum Barberini. Das Haus wurde im Januar eröffnet. Privater Stifter ist der der Software-Milliardär Hasso Plattner.

Die erste Ausstellung widmete sich den französischen Impressionisten. Mehr als 320 000 Besucher kamen. Mehr als 30 000 Jahreskarten wurden verkauft. Und die Museums-App wurde 35 000 Mal heruntergeladen.

Zum ersten Mal kooperiert das Museum Barberini mit einer anderen Einrichtung. Die 68 Werke von 50 Künstlern wurden von der Phillips Collection in Washington D.C. nach Potsdam entsandt. Einige davon sind erstmals in Deutschland zu sehen.

Bereits 1921, acht Jahre vor dem Museum of Modern Art, eröffnete der Kunstkritiker und Mäzen Duncan Phillips (1886-1966) in Washington ein privates Museum für nordamerikanische Kunst. Er selbst sammelte Bilder der europäischen klassischen Moderne, die er in seinem Museum erstmals auf Augenhöhe mit den amerikanischen Künstlern dieser Epoche zeigte.

Aber der aufgeschlossene Besucher kann bereits bei den Avantgardisten zwischen den Kriegen großartige Entdeckungen machen. Hier hängen zum Beispiel fünf mystische Gemälde von Arthur Dove, die das Pendeln zwischen den beiden Polen Realität und Abstraktion auf den Punkt bringen. Wer sich die Jahreszahlen unter den berückend starken Kompositionen mit Titeln wie „Rote Sonne“, „Rose und Stumpf“ oder „Sandfrachter“ anschaut, kann aber nicht feststellen, dass es den hierzulande unbekannten Maler in eine bestimmte Richtung trieb. Er lotet tief, sebst wenn er dekorativ wurde.

Unter dem Stichwort „Figuration. Neuformulierung des Realen“ kommen die Arbeiten von Georgia O’Keeffe und Richard Diebenkorn besonders gut zur Geltung. Die Bilder in den neu gestrichenen Räumen sind alle locker gehängt.

Dass es gar nicht so leicht sein wird, das große Haus in großen thematischen Bögen zu bespielen, dürfte Direktorin Ortrud Westheide mittlerweile deutlich sein. In sieben weiteren Räumen finden nämlich parallel zu dieser Schau noch drei weitere, kleinere Ausstellungen satt: Künstler in der DDR, Skulpturen von Rodin und moderne indianische USA-Kunst nach 1960.

Von Karim Saab

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