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Fernsehen 25 Jahre „Ein starkes Team“: Undercover-Einsatz für Florian Martens als Otto Garber in „Erntedank“
Nachrichten Medien Fernsehen 25 Jahre „Ein starkes Team“: Undercover-Einsatz für Florian Martens als Otto Garber in „Erntedank“
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06:23 14.03.2019
Seit der ersten Folge dabei: Kriminalhauptkommissar (KHK) Otto Garber (Florian Martens) und seit 2016 KHK Linett Wachow (Stefanie Stappenbeck). Quelle: Foto: Katrin Knoke/ZDF
Berlin

Es ist nicht überliefert, wie Florian Martens nach der Lektüre des Drehbuchs reagiert hat, aber vermutlich hat er sich in diesem Moment sehr auf die Dreharbeiten zur 78. Episode des ZDF-Dauerbrenners „Ein starkes Team“ gefreut.

Erntedank“ ist ein Jubiläumsfilm, die Reihe ist im März 1994 gestartet, weshalb sich gewisse Vergleiche zu den Anfangsjahren aufdrängen. Damals, als Political Correctness hierzulande in jeder Hinsicht noch ein Fremdwort war, durfte Martens seinen Kommissar Otto Garber als Rohdiamanten verkörpern, der seine Zigaretten, wie sich der Schauspieler erinnert, beim Vietnamesen unter der Brücke gekauft und im Verhör auch mal zugeschlagen hat, wenn ihm der Kragen geplatzt ist. Im Lauf der Jahre habe die Figur immer mehr Ecken und Kanten verloren. In „Erntedank“ ist wieder der alte Otto unterwegs, rauchend und saufend, und das sogar auf Spesen, denn das Drehbuch (Johannes Rotter) schickt ihn als Undercover-Ermittler unter die Schrebergärtner.

Otto Garber lässt es zum Jubiläum ruhig angehen

Schon Garbers erste Szene wirkt, als hätten Produktion und Redaktion Martens anlässlich des Jubiläums etwas Gutes tun wollen: Der Kommissar hat Urlaub, ist beim Angeln und darf ein paar amüsante Slapstickeinlagen zum Besten geben. Das Idyll endet abrupt, als das Telefon klingelt: Ein ehemaliger Kollege ist ermordet worden. Albert Kramm, schon früher als Stinkstiefel und Kollegenschreck verschrien, hat offenbar auch als Rentner weiter den Blockwart gegeben und seinen Kleingartenverein Berolina als Vorsitzender mit harter Hand geführt. Wer gegen die Regeln verstieß, musste eine saftige Zwangsspende entrichten.

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Der Schauplatz ist übersichtlich, weshalb die Zahl der Verdächtigen überschaubar ist, und da fast alle Beteiligten etwas zu verheimlichen haben, tun sich hinter der idyllischen Fassade alsbald Abgründe auf. Alle Vereinsmitglieder hatten gute Gründe, sauer auf Kramm zu sein, zumal der Mann offenbar auch vor Erpressung nicht zurückschreckte. Weil die Schrebergärtner eine verschworene Gemeinschaft sind, hat Teamchef Reddemann (Arnfried Lerche) die Idee, Garber verdeckt ermitteln zu lassen, was dem Film guttut: Es gibt nicht mehr ganz so viele Revierszenen, und Martens hat eine Menge Spielmaterial. Das reicht zwar noch nicht, um aus „Erntedank“ eine innerhalb der Reihe überdurchschnittlich gute Episode zu machen, sorgt aber immerhin für eine gewisse Kurzweiligkeit.

Sehenswert ist „Erntedank“ wegen Florian Martens

Die Geschichte folgt ansonsten dem erwartbaren Krimimuster: Anfangs vergießen die Laubenpieper viele Krokodilstränen, aber dann kommt Garber nach und nach ihren verschiedenen Geheimnissen auf die Schliche. Auf diese Weise wird jeder mal zum Hauptverdächtigen, allen voran der Sohn des Opfers: Markus Kramm (Sebastian Hülk) ist nach einem Einbruch vom eigenen Vater verhaftet und kürzlich aus dem Gefängnis entlassen worden.

Sehenswert ist „Erntedank“ nicht wegen des konventionellen Stils oder des wenig überragenden Spiels des Ensembles, sondern wegen Martens, der das große Spek­trum seiner Rolle sichtlich auskostet. Es wird kein Zufall sein, dass ihm auch der witzige Schluss gewidmet ist, wie ein Dankeschön an den letzten verbliebenen Darsteller aus der Anfangszeit der Reihe.

Abgesehen davon vermittelt Martens gerade in den Schrebergartenszenen, wie sehr Garber hier in seinem Element ist, wenn auch nicht des Gärtnerns wegen, denn das misslingt ihm gründlich. Es gibt nicht mehr viele Schauspieler, die den sogenannten kleinen Mann ähnlich glaubwürdig verkörpern können wie der Berliner, der in der Schrebergartenkolonie prompt authentischer wirkt als die anderen Kleingartendarsteller. Das gilt erst recht für ultrakurze Dialoge wie diesen: „Bier?“ „Immer.“

Von Tilmann P. Gangloff

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