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Fernsehen Andreas Prochaska: „Filme müssen atmen“
Nachrichten Medien Fernsehen Andreas Prochaska: „Filme müssen atmen“
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10:23 28.09.2017
Es war wahre Liebe: Maximilian (Jannis Niewöhner) und Maria von Burgund (Christa Théret) erleben eine der schönsten Romanzen des Mittelalters. Quelle: Foto: ZDF
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Hannover

Er ist der Mann fürs große Fernsehkino: Der österreichische Regisseur Andreas Prochaska versteht sich dabei aufs streckenweise finstere Mittelalter ebenso wie auf neuzeitliche Weltuntergänge. Nach dem Mantel-&-Schwertfilm „Maximilian“ macht er sich an die Fortsetzung von Lothar Buchheims Weltkriegsdrama „Das Boot“.

Herr Prochaska, welches Geräusch macht es, wenn man jemandem ein Schwert in den Hals rammt?

Andreas Prochaska: Glücklicherweise weiß ich das nicht. Wie kommen Sie da drauf?

Als in der Einstiegsszene von „Maximilian“ genau dies passiert, klingt es als schleife man das Schwert an einem Stein…

Sie können davon ausgehen, dass das Opfer ein Kettenhemd und auch sonst allerlei Metall am Leib trug, an dem dieses Geräusch erzeugt worden sein könnte. Andererseits haben Sie natürlich recht: Um bestimmte Wirkungen zu erzeugen, wird bisweilen ein wenig dramatisch überhöht.

Wie viele Kompromisse muss ein Regisseur, der sonst ohne Effekthascherei auskommt, da eingehen?

Es gibt schon Kompromisse, aber vor allem durch die Zwänge des Budgets, weniger dramaturgischer Art. Mein Ziel ist es, im Rahmen dessen, was zur Hauptsendezeit möglich ist, so kompromisslos wie möglich zu sein. Das ist gewiss eine Grätsche, aber wir wollen sie im Rahmen einer Zeit, in der ein Menschenleben wenig wert war, möglichst zumutbar vollführen.

Sie meinen das Mittelalter, in dem die Faktenlage dünn ist. Wie verbürgt ist die Liebesgeschichte vom Habsburgprinzen Maximilian und Maria von Burgund?

Die politische Rahmenhandlung ist so gut dokumentiert wie das Zustandekommen dieser Ehe. Dass sich beide anfangs nicht wollten, aber später bis zum tragischen Ende geliebt haben, ist historisch verbürgt. Wir hatten natürlich keine Zeitmaschine, um alle Details genau zu studieren, haben aber versucht, uns den Fakten weitestgehend anzunähern und dabei eine unterhaltsame Geschichte zu erzählen.

Ist Maximilian dabei eine reale Figur geblieben oder zur Fernsehfigur geworden?

Damals wurde Mittelhochdeutsch geredet, das man keinem Zuschauer zumuten kann. Insofern ist er der Gegenwart natürlich angepasst. Mir war es aber wichtiger, ein Gefühl für diese Zeit zu entwickeln. Und da wurde uns im Gegenteil vorgeworfen, dass die Bilder oft zu dunkel seien. Aber es war ja buchstäblich ein dunkles Zeitalter, und filmisch ist nichts scheußlicher als Räume im Kerzenlicht, die bis in den letzten Winkel perfekt ausgeleuchtet sind. So gesehen bleiben auch die Figuren angemessen im Zwielicht.

Inhaltlich wirkt der Film wie ein nationales Erweckungswerk über den Gründungsmythos des Habsburger Reiches.

Das mag sein, aber ich habe ihn nie als nationale Angelegenheit wahrgenommen. Für mich war Maximilian stets ein europäisches Thema.

Wie war die Resonanz in Österreich?

Meines Wissens nach gut. Und das, obwohl wir jetzt nicht die klassischen Publikumslieblinge auf der Besetzungsliste hatten. Jannis zum Beispiel kannte kein Mensch. Dennoch ist ein klassischer Lagerfeuereffekt eingetreten, denn die Einschaltquote wurde mit jedem Teil besser.

Haben sich Ihre Landsleute daran gestoßen, dass Österreicher Ende des 15. Jahrhunderts als Grobiane darstellt werden, die noch nicht mal Besteck benutzten?

Ich habe jedenfalls keine Beschwerdebriefe erhalten. Im Gegenteil – gerade weil der Maximilian zu seinen Gewohnheiten steht, wurde ihm das als reflexiv und selbstironisch ausgelegt.

Fügen Sie dem Historiengenre mit diesem Dreiteiler etwas grundlegend Neues oder nur neue Figuren hinzu?

Diese Mischung aus Liebe und Politik, Thriller und Drama auf hohem Niveau ist alles andere als alltäglich. Was meinen Sie denn?

Bei aller Schlachtenhektik ist die Ruhe, mit der die Kamera oft minutenlang ohne viel Ton durch den Wald fährt, neu.

Und genau das ist mir ungeheuer wichtig, weil ich atmosphärisch die Zeit zwischen den Dialogen so bedeutsam finde. Filme müssen atmen. Und das geht nicht, wenn man den Leuten permanent beim Quatschen zuhören muss. Diese Balance versuche ich auch bei der Fortsetzung von „Das Boot“ gerade immer wieder neu auszutarieren.

Das wiederum könnte für die Deutschen zum Erweckungsmythos geraten. Kriegsfilme bergen ja stets die Gefahr, Täter durch Emotionalisierung zu Opfern zu machen. Wie gehen Sie an dieses Thema heran?

Schon weil drei meiner Söhne im Alter der damaligen U-Bootsbesatzungen sind, versuche ich mich auf Augenhöhe mit den Figuren zu begeben. Es ist leicht mit den Informationen, die wir haben, Urteile zu fällen. Mich interessiert das Schicksal der Menschen in jener Zeit. Im Idealfall stellt sich der Zuschauer die Frage, wie sie oder er sich verhalten hätte.

Welche Rolle spielt der Regisseur des damaligen Welterfolgs bei Ihrer Fortsetzung – mischt er sich ein und falls ja, inwiefern?

Ich hatte ein sehr interessantes Telefonat mit Wolfgang Petersen und konnte mich mit ihm über seine Erfahrungen bei den Dreharbeiten vom Boot austauschen, ansonsten ist er nicht involviert.

Wird das Projekt die Materialschlacht, die man erwarten könnte?

Es ist auf jeden Fall meine aufwendigste Produktion, wobei die Charaktere im Zentrum stehen und nicht die Materialschlacht.

Und welche Epoche fehlt Ihnen jetzt noch im Portfolio?

Die Zukunft, also Science Fiction. Ich beschäftige mich seit langem mit einer Art postapokalyptischem Western, aber das dauert wohl noch ein wenig.

Von Jan Freitag / RND

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