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Bastian Pastewka jetzt auf neuer Plattform

Amazon Prime Bastian Pastewka jetzt auf neuer Plattform

Bastian Pastewka kehrt am Freitag als ulkige Sitcom-Version seiner selbst auf den Bildschirm zurück. Allerdings nicht mehr bei Sat1, sondern bei Amazon.

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Zusehends verwilderter Serien-Basti: Pastewka in seinen Paraderollen.

Quelle: Sat1

Berlin. Bastian Pastewka, so viel lässt sich nach den vergangenen zehn Jahren seines Fernsehschaffens feststellen, ist der größte Glücksfall deutscher Comedy seit, tja – seit es dieses Genre gibt. Bastian Pastewka, so viel muss man der Vollständigkeit halber hinzufügen, hat in den vergangenen zwei, drei Jahren jedoch einen Fetisch entwickelt, den er seinen Drehbuchautoren schleunigst wieder abgewöhnen sollte. Er heißt Walter White.

Für Unkundige: Walter White war ein biederer Chemielehrer, der in „Breaking Bad“ zum Drogenbaron mutierte und die US-Serie zu einem Megaerfolg machte. Als Bastian Pastewka 2016 erstmals vom lustigen ins ernste Fach gewechselt ist, orientierte sich sein biederer Druckereibesitzer, der im ZDF-Fünfteiler „Morgen hör ich auf“ zum Geldfälscher mutierte, so deutlich an Walter White, dass die Qualität der Kopie fast ins Vergessen geriet. Und jetzt tut er es schon wieder.

Am Freitag wechselt die Sitcom „Pastewka“ nach drei Jahren Pause von Sat.1 zu Amazon Prime, also vom deutschen Privatsender in die Streamingwelt. Wie Walter aus Albuquerque hat auch Bastian aus Köln einen Pakt mit dem Bösen geschlossen, auch wenn es nur eine TV-Show ist. In ihr nämlich sondert er als tuntiges Spottobjekt bei Annette Frier so viel homophoben Ballermannhumor ab, bis es selbst dem Berufszyniker mit beginnender Midlife-Crisis zu viel wird. Er plant also die Kündigung, trennt sich stattdessen ungewollt von Dauerfreundin Anne und flieht im Wohnmobil durch die rheinische Tundra, was auch wegen der schlecht sitzenden Unterhose des Hauptdarstellers an „Breaking Bad“ erinnert.

So arbeitet sich die hiesige Unterhaltung mal wieder – absichtlich oder unterbewusst – am kreativen Output der globalen Konkurrenz ab. Fernsehen als Copy-and-Paste-Shop. Doch was sonst Anlass zur Fremdscham gibt: Bei der Serie, die Larry Davids Impro-Sitcom „Curb Your Enthusiasm“ imitiert, ist das total egal. Gut zwölf Jahre nach der Premiere hat „Pastewka“ auch beim Paketdienst-Kanal nichts von seiner alten Frische verloren. Im Gegenteil. War der Humor einst schon von einer Wahrhaftigkeit, die auch international ihresgleichen suchte, hebt ihn der Streamingdienst visuell aufs nächsthöhere Niveau.

Wie die Titelfigur zum Auftakt nach würdelosem TV-Auftritt im Mankini das Weite sucht, während zwei Kulissenschieber ein Alpenpanorama nebenher tragen – das ist nicht nur stimmig inszeniert, sondern auch hochwertiger als im drögen Ambiente zuvor.

Was auch daran liegen könnte, dass der Namensgeber noch mehr Verantwortung trägt. „Ich habe mich mit der Autorengruppe zusammengesetzt und geschaut, was eigentlich das Thema der ersten sieben Staffeln war“, sagte Pastewka bei einer Präsentation in Hamburg. Resultat: „Wir wollten die Serie wieder ernster nehmen.“ Fraglos ein Seitenhieb auf Sat.1.

„Die hätten ruhig zu mir kommen können und sagen, Basti, das ist uns alles zu arzifarzi, und du bist zu alt“, klagt der Hauptdarsteller, „das wäre mal eine Haltung gewesen“. Stattdessen lag die letzte Staffel fertig rum, bevor sie freitagsnachts versendet wurde.

Bei Amazon hingegen wehe ein frischerer Wind. „Sonst hätten wir‘s vielleicht selber gemacht.“ Fünfminütige Internetversionen, „billiger, aber mit Liebe“, so Pastewka. Dank Jeff Bezos‘ Gelddruckmaschine geht „Pastewka“ hochglänzend weiter. „Als hätten wir nach vier Jahren Pause ‘ne alte Band zusammengebracht“, erinnert sich der doppelte Pastewka an die Wiedergeburt mit neuem Autorenstamm, aber Matthias Matschke, Sonsee Neu, Cristina do Rego, Bettina Lamprecht oder Dietrich Hollinderbäumer als alte Serienfamilie. Und die darf nun in fortlaufender Handlung statt in abgeschlossenen Episoden agieren.

Stets im Fokus: der sichtlich sportliche Original-Pastewka als zusehends verwilderter Serien-Basti. „Ich war Anfang 30, als wir anfingen“, sagt er im Rückblick. 15 Jahre älter habe er „als Figur und vielleicht auch privat andere Probleme und Motive“.

Midlife-Crisis bedeute ja auch, „dass man sich von einer Generation entfremdet, der man sich nicht mehr zugehörig fühlt.“ Umso erstaunlicher, dass „Pastewka“ auch deren Tonfall trifft. Dank vier Frauen zudem, die ihren drei Männern in jeder Hinsicht überlegen sind und so auch soziokulturell den Puls der Zeit fühlen. Mit Walter White und Larry David hat das dann irgendwann nur noch am Rande zu tun. In einer der besten deutschen Sitcoms aller Zeiten.

Von Jan Freitag/RND

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