Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 12 ° stark bewölkt

Navigation:
Darum ist "Game of Thrones" so erfolgreich

Fantasy-Saga Darum ist "Game of Thrones" so erfolgreich

Der Winter ist da! Die Fantasy-Saga "Game of Thrones" neigt sich dem Ende zu, Staffel 7 startet heute auf Sky. An der Verfilmung der Romane von George R. R. Martin ist einfach alles episch. Doch was genau macht die Serie so erfolgreich?

Voriger Artikel
AfD will sich in Polit-Talkshow einklagen
Nächster Artikel
Fünf Millionen neue Kunden für Netflix

Der König der Weißen Wanderer spielt in der neuen Staffel eine entscheidende Rolle.
 

Quelle: HBO

Hannover. Meuchelmörder mit goldenen Masken strömen in die Arena. Schnell haben sie die Königin Daenerys Targaryen umzingelt und bedrohen sie mit ihren Speeren. Da fliegt ein Drache ins Bild, der massige Körper taucht die Arena in Schatten. Er verschlingt einen der Maskenmänner, andere grillt er in einem Feuerball. Der Drache stößt verstörende Kreischgeräusche aus. Doch dann klettert die Drachenflüsterin Daenerys auf seinen Rücken. Das Fabeltier und die Herrscherin erheben sich zusammen und lassen Verwüstung und Chaos unter sich. Diese Szene aus der Blockbusterserie „Game of Thrones“ ist der Inbegriff dessen, was mit dem Ausdruck „epic“ gemeint ist, der im Internet immer öfter zu lesen ist. Bei dem Begriff „episch“ denken die Nutzer von Facebook, Twitter und Co. heute nicht mehr (nur) an Homers Epen. „Epic“ ist vielmehr ein Synonym für „extrem genial“. Und „Game of Thrones“, dessen vorletzte Staffel am 16. Juli anläuft, hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Epik heute wieder eine positive Konnotation hat. Die Romane des US-Schriftstellers George R. R. Martin wurden weltweit mehr als 70 Millionen Mal verkauft; der Autor gilt als legitimer Tolkien-Nachfolger. Die auf seinen Büchern basierende Fernsehserie „Game of Thrones“ hat seit der ersten Episode im Jahr 2011 in der Populärkultur eine ähnlich bahnbrechende Wirkung erzielt wie Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmungen.

Im Mittelpunkt der Saga steht der Kampf um die Vorherrschaft in der mittelalterlichen Welt von Westeros. An „Game of Thrones“ ist einfach alles episch, das meinen zumindest die Fans in ihren Internetkommentaren: Die Gehälter der Stars, die für die beiden letzten Staffeln 2,3 Millionen Euro pro Folge bekommen sollen, was sie zu den bestbezahlten Seriendarstellern macht, noch vor denen der „Big Bang Theory“. Die Titelmelodie, dieses dräuende Schicksalslied, in dem man die Kriegstrommeln hört, aber auch den Aufbruch in ein neues Zeitalter. Der Teaser zur neuen Staffel, der innerhalb eines Tages 61 Millionen Mal angeklickt wurde. Und dann spielt in der siebten Staffel auch noch Popsänger Ed Sheeran mit – episch!

Nun neigt sich die Geschichte dem Ende zu. Wie sieht das Erbe aus? Das Epos hat einen Typus des Erzählens begründet, der heute vom Science-Fiction-Spektakel „Westworld“ bis zur geplanten deutschen Mammutserie „Hotel Babylon“ auf allen Bildschirmen zu finden ist. „Fast jeder zweite Deutsche mit Internetzugang kennt Vertreter dieses neuartigen Typs TV-Serie“, sagt der Marketingwissenschaftler Thorsten Hennig-Thurau, der für die Universität Münster die Studie „Phänomen Neue Drama-Serien“ erarbeitet hat. Darunter verstehen die Wissenschaftler moderne, anspruchsvolle Reihen wie „House of Cards“, „Sherlock“ oder „Homeland“ – im Gegensatz zu konventionellen Serien wie „Grey’s Anatomy“. Die neuen Serien werden laut Studie von Menschen aus allen Gesellschaftsschichten geschaut. „Ihre größten Fans sind jüngere Männer mit hohem kulturellem Kapital, die in Großstädten wohnen“, sagt Hennig-Thurau. Die Studienteilnehmer wählten „Game of Thrones“ auf Platz eins der Qualitätsserien.

Diese vereinen den Anspruch eines Kinofilms mit der nachhaltigen Wirkung eines periodischen Mediums. Von Folge zu Folge nisten sich die Figuren mehr im Bewusstsein ein. Die Zuschauer können sich so ganz in einer Welt verlieren – und dabei im Fall von „Game of Thrones“ zugleich Rückschlüsse auf die eigene Wirklichkeit ziehen. Denn die Serie führt Lesern und Zuschauern die dunkle Seite der eigenen Existenz vor Augen. Im Englischen nennt man das „gritty realism“, wobei „gritty“ für „düster“ steht, aber auch für „mutig“. Dieses zweifelhafte Heldentum birgt Identifikationspotenzial für ein Publikum, das der im Fantasy-Genre vorherrschenden Schwarz-weiß-Malerei überdrüssig geworden ist. Die ambivalenten Figuren handeln im Rahmen der eigenen Weltanschauung ethisch nachvollziehbar.

George R. R. Martin nutzt zudem das Spiel mit den Medien: Zunächst hatten die Romanleser noch Vorwissen gegenüber den Serienzuschauern. So soll ein Mathematiklehrer in den USA seinen pöbelnden Schülern einmal damit gedroht haben, zu spoilern, wer als Nächstes sterben wird. Doch der Vorsprung ist aufgebraucht, inzwischen hat die Serie die Bücher überholt. Martin zögert die Veröffentlichung der neuen Bände bewusst hinaus, um die Spannung zu erhöhen.

Bücher und Serie sind Vorreiter eines inzwischen etablierten Typs des Geschichtenerzählens, knüpfen aber an tradierte Muster an. Neben Tolkien ist Shakespeare ein großes Vorbild für Martin. Die zahlreichen amourösen Abenteuer der triebgesteuerten Charaktere erinnern an die Liebeskomödien des britischen Barden. Die Geschichten um Machtkämpfe und Intrigen orientieren sich an dessen Königsdramen, selbst die drei Hexen aus „Macbeth“ manifestieren sich in der rothaarigen Zauberin und Verführerin Melisandre. Daneben prägen Anklänge an das Nibelungenlied und die historischen Rosenkriege die Fantasy-Saga. Der Harvardprofessor Sean Gilsdorf, der ein Mythenseminar zur Serie leitet, spricht von „archetypischen Figuren wie dem König, der Hausherrin, dem Abenteurer“. Er sieht viele Bezüge zur mittelalterlichen Literatur. „Wenn ich mit meinen Studenten Versepen aus der Zeit lese, dann sagen die oft: ,Das ist ja wie bei Game of Thrones.‘ Dabei ist es genau andersrum.“ Mit dieser Mischung aus überlieferten Motiven und moderner Ausgestaltung knüpfen Autor und Serienmacher an das kulturelle Gedächtnis an und bedienen zugleich die Rezeptionsgewohnheiten der Internetgeneration.

Unter Epik im klassischen Sinn versteht man seit der Antike neben Dramatik und Lyrik eine der drei großen Gattungen der Literatur. Wer sich umgangssprachlich über die „epische Breite“ von Büchern oder Filmen auslässt, gruselt sich meist eher vor einer gewissen Länge. „Game of Thrones“ aber steht für eine neue Lust am Fabulieren und ist der Beweis, dass opulentes Erzählen auch in Zeiten vermeintlich immer kürzer werdender Aufmerksamkeitsspannen gefragt ist. Beispiele für diese Dramaturgie sind die erst nach und nach enthüllte Herkunft von Publikumsliebling Jon Schnee – der Bastard entpuppt sich als Erbe mit Herrschaftslegitimation – sowie der über sechs Staffeln gespannte Spannungsbogen zum Geheimnis des wortkargen Hünen Hodor. Martin und Co. befriedigen so das Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit und bedienen die Hoffnung, dass Bestimmungen im langen Lauf der Dinge schon offenbar werden. Selbst, wenn diese bei „Game of Thrones“ nicht selten darin besteht, zu sterben und somit vielleicht eine neue Fehde heraufzubeschwören. Im Hinblick auf Symbolhaftigkeit und Archaik ist „Game of Thrones“ tatsächlich so etwas wie eine moderne Form der antiken Epen wie Homers „Odyssee“ oder „Ilias“.

Episch ist in. Gleich fünf Spin-off-Serien sind geplant, um das Bedürfnis der Fans nach martialischen Katharsis-Momenten und saftigen Erotikszenen auch nach dem Ende von „Game of Thrones“ zu befriedigen. Die fantastische Welt von Martin mit ihren verschiedenen Klimazonen und ihrer reichen Historie bietet für solche Auskopplungen ebenso großes Potenzial wie Tolkiens Mittelerde, das neben „Herr der Ringe“ auch Schauplatz des „Hobbits“, der Sagensammlung „Silmarillion“ und – gerade erst als Auskopplung erschienen – der Liebesgeschichte „Beren und Lúthien“ ist. Tolkien erfand Sprachen für Elben und Zwerge, für „Game of Thrones“ wurde die Sprache des wilden Reitervolks der Dothraki aus gutturalen Urlauten komponiert. Dafür gibt es im Sommersemester an der Universität von Berkeley sogar ein Linguistikseminar.

Splitter zu „Game of Thrones“

Immer mehr Fans benennen ihre Kinder nach den Figuren der Saga, nach dem tapferen Mädchen Arya oder dem scharfzüngigen Zwerg Tyrion.

Die Drehorte in Nordirland und Kroatien haben sich in Pilgerstätten verwandelt.

Der berühmteste Satz aus der Serie lautet „Du weißt gar nichts, Jon Schnee“. Ygritte, die toughe Wildlingsbraut, sagt ihn zu ihrem späteren Liebhaber Jon Schnee.

Die Band Coldplay hat mit den Seriendarstellern eine Musicalparodie gedreht. Daenerys-Darstellerin Emilia Clarke rappt „Ey, ey ey, I’m a Rastafarian Targaryen“, Nikolaj Coster-Waldau singt als Jamie Lannister eine Schnulze über Inzucht.

In der Serie soll es mehr Tote als in „The Walking Dead“ geben. Ein Fan hat einen „Videobeweis“ ins Netz gestellt und kommt auf 151 000 Leichen – darunter auch Massenkämpfe.

Der Pay-TV-Sender Sky zeigt die neuen Episoden parallel zur US-Ausstrahlung jeweils in der Nacht von Sonntag auf Montag auf Sky On Demand, Sky Go und Sky Ticket, sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch. Im Free-TV läuft die Serie auf RTLII, wohl im kommenden Frühjahr.

Der Trailer zur neuen Staffel zeigt in düsteren Bildern, wie sich die Fraktionen auf den großen Entscheidungskampf um den Eisernen Thron vorbereiten. Die schöne Drachenflüsterin Daenerys Targaryen erklärt im Trailer das Spiel der Herrschaftsgeschlechter um den Thron: „Lannister, Targaryen, Stark, Baratheon, Tyrell sind alle Speichen eines Rades: Mal ist die eine oben, mal der andere. Und die auf dem Boden werden zermalmt.“ Für den Philosophieprofessor John Donaldson von der University of Glasgow orientieren sich die verfeindeten Parteien an Ideen der Spieltheorie, die auch im realen Leben eine Rolle spielen. Er sagt: „Spieltheorie war sehr bedeutend im Kalten Krieg, weil Russland und die USA im Hinblick auf Nuklearwaffen auf den Gegner schielten, weil eine Handlung eine Kettenreaktion auslösen könnte.“ Donaldson leitet ein Seminar, in dem anhand von „Game of Thrones“ debattiert wird, ob es einen gerechten Krieg gibt.

Der erste Band von Martins Romanreihe „Das Lied von Eis und Feuer“ wurde 1996 in den USA veröffentlicht, der Verlag hoffte auf bescheidene 5000 verkaufte Exemplare. Aus der ursprünglichen Trilogie wurden im Original fünf Bände (in der deutschen Übersetzung sind es zehn), die Abstände dazwischen immer länger. Auf die letzten beiden Bände „The Winds of Winter“ und „A Dream of Spring“ warten die Fans bereits seit sechs Jahren. Wenn sie zu sehr drängeln, droht der Autor schon mal damit, einen weiteren Sympathieträger über die Klinge springen zu lassen. Letzen Endes ist also auch die Entstehungsgeschichte der Saga – ziemlich episch.

Von Nina May / RND

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Fernsehen
1da51022-a2ca-11e7-b31e-601f64d80b64
Sozialdemokraten im Abstiegskampf

Das Jahr 2000 war eine glorreiche Zeit für Sozialdemokraten. Sie stellten 10 Regierungen in 15 EU-Staaten. Doch von dieser Dominanz ist nichts mehr übrig. Heute fahren sie reihenweise einstellige Ergebnisse bei nationalen Wahlen ein. Höchste Regierungsämter rücken in weite Ferne.

Sollte die SPD in der Regierungsverantwortung bleiben?

DAX
Chart
DAX 12.605,00 +0,08%
TecDAX 2.402,25 -0,31%
EUR/USD 1,1790 -0,48%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

LINDE 168,12 +2,42%
VOLKSWAGEN VZ 140,45 +2,19%
E.ON 9,37 +1,89%
Henkel VZ 112,46 -1,01%
MÜNCH. RÜCK 175,89 -0,63%
FRESENIUS... 67,82 -0,47%

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 139,09%
Commodity Capital AF 108,36%
Allianz Global Inv AF 105,47%
Crocodile Capital MF 94,34%
Apus Capital Reval AF 91,72%

mehr

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte