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17:51 05.02.2018
Glamour und Intrigen: Der „Denver-Clan“ heute ... Quelle: Foto: Netflix
Berlin

Der Inbegriff eines Wirtschaftsbosses sah in den Achtzigerjahren so aus: Krawatte, Koffer, graues Haar. Wie Blake Carrington. Im ZDF lenkte der Patriarch einen Konzern von imposanter Wucht. Inmitten der Rocky Mountains scheffelt er seine Milliarden zur Not am Rande der Legalität. Dennoch steht Blake Carrington für Berufsethos und Verantwortungsgefühl – zumindest seiner Verwandtschaft gegenüber. In seiner „Dynasty“, wie „Denver-Clan“ in den USA heißt, ist Blut sogar dicker als jenes Öl, das ihn reich macht.

Der Denver-Clan im Original aus den Achtzigern. Quelle: dpa

Als der CBS-Straßenfeger „Dallas“ mit dessen ABC-Kopie „Denver“ vor rund 40 Jahren das Prinzip Seifenoper abendtauglich machte, entstand auch ein Typus von Unternehmer, der perfekt ins Gefüge dieser hedonistischen, zugleich stockkonservativen Dekade der Achtzigerjahre passt: kompromisslos, konsumgeil, glamourös, aber auch gottesfürchtig, pflichtbewusst, nibelungentreu. Willensstarke Kardinaltugendhaftigkeit – das kam mit etwas Verspätung auch im Deutschland der angehenden Ära Kohl gut an. Nur: Was haben „Dallas“ und „Denver“ dann im Hier und Jetzt zu suchen?

Netflix meint: viel. Deshalb hat der Streamingdienst dem Kleinkanal CW (sechs Jahre nach der Fortsetzung von J.R. Ewings Bosheiten auf TNT) das Remake von „Dynasty“ abgekauft.

Das Netflix-Remake:

Und während die Serie aus dem unterkühlten Denver ins hitzige Atlanta umzieht, sind die Hauptfiguren nahezu identisch – auch wenn sie wie üblich im boomenden Fach der Se- und Prequels strikt auf Gegenwart gebürstet sind: Aus dem gravitätischen Familienunternehmer Blake Carrington (John Forsythe) wird 35 Jahre später der draufgängerische CEO gleichen Namens (Grant Show).

Und aus seiner flatterhaften Filmtochter Fallon (Pamela Sue Martin) wird ein promiskuitives Alphatier (Elizabeth Gillies). Gab es Randgruppen im noblen Skiort nur als Dienstboten, ist Blakes Schwiegersohn Jeff Colby (Sam Adegoke) farbig und schwerreich. Deutete Al Corley die Homosexualität des Erstgeborenen Steven im konservativen Amerika der Achtziger höchstens in ein paar zarten Gesten an, darf ihn James Mackay nun beherzt schwul spielen.

Hier ist das Original zu sehen:

Dieselben Charaktere im vergleichbaren Machtgefüge – das hat gute Gründe. Drei, um genau zu sein. Zum einen sind Esther und Richard Shapiro, die alten Erfinder des Formats, als ausführende Produzenten abermals hauptverantwortlich.

Zum anderen verlangt es die Normalbürger heute wie gestern danach, den Superreichen beim Superreichsein zuzusehen.

Der wichtigste Grund hingegen ist die Anziehungskraft der Achtziger. Wie jedes Massenkonsumgut von Popmusik bis Mode klaubt auch das Fernsehen die Krümel der Goldenen Ära des Leitmediums zusammen und backt daraus zeitgenössische Kuchen. So wird das mondäne Schulterpolsterambiente von einst einer Frischzellenkur unterzogen; ästhetisch allerdings erinnert sie an Bildgalerien selbsternannter Rich Kids, denen man auf Instagram beim Verprassen des elterlichen Barvermögens zusehen darf.

Das Dallas-Remake aus dem Jahr 2012:

Kein Wunder, dass die fürstliche Villa der Carringtons jetzt einem Barbie-Schloss im Fotoshop-Feenwald weicht. Obwohl der Wille zur popkulturellen Anpassung in jeder hastigen Schnittfolge deutlich wird, wirkt die Adaption in der Gegenwart sonderbar fehl am Platz.

Nach dem ersten Eindruck kann sich „Dynasty 2018“ nämlich ebenso wenig wie „Dallas 2012“ so recht entscheiden, ob es nun nostalgisch oder doch innovativ sein will. Die Showrunner Josh Schwartz und Stephanie Savage („Gossip Girls“) mühen sich spürbar, das Remake für die Generation Netflix verwertbar zu machen. Dabei erinnert freilich der Look vielfach so sehr an das Bling-Bling vulgär-kapitalistischer Rap-Videos, dass man sich rasch ins Original zurücksehnt.

Wer indes bei Youtube die Pilotfolge vom Januar 1981 anklickt, könnte ein bisschen überrascht sein, wie sehr der Glamour von einst aus dem Flatscreen von heute staubt. Joan Collins als machthungriges Sexmonster Alexis ist noch eine Staffel vom ersten Auftritt entfernt, als Blakes Verlobte Krystle (Linda Evans) mit Haar-Helm im Darth-Vader-Stil Verlobungsgeschenke sichtet und Entrüstung erntet, weil der Eheratgeber „Joy of Sex“ darunter ist.

Viel Beige, kaum Glanz, dafür ein Kaminfeuer, das beim Kampf zweier Clans um Macht, Geld, Sex zu jeder Jahres- wie Tageszeit brennt. Kein Geräusch könnte die Verwurzelung von „Dallas“ und „Denver“ in ihrer Zeit besser illustrieren als dieses Knistern im gedeckten Ambiente wuchtiger Polstermöbel.

Traditionelle Modernisierer wie Blake Carrington oder Bobby Ewing versuchten darin unterm neoliberalen Beschuss von Thatcher über Kohl bis Reagan ihre Werte zu wahren.

Das Original des Denver-Clans steht für zwei Faktoren des Unterhaltungsfernsehens, die bis heute erfolgreich sind: Fieslinge als Serienstars und Cliffhanger als Suchtfaktoren.

Von Jan Freitag

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