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Fernsehen Diskriminiert RTL behinderte Zuschauer?
Nachrichten Medien Fernsehen Diskriminiert RTL behinderte Zuschauer?
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15:33 05.09.2017
Promisause mit Problem: Die RTL-Show „Dance, Dance, Dance“ steht in der Kritik. Quelle: Dance
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Köln,


Wenn diese Vorwürfe stimmen, hat RTL ein massives Problem: Bei der Aufzeichnung der neuen Folgen der Tanzshow „Dance, Dance, Dance“ in einem Kölner Studio will eine Augenzeugin beobachtet haben, wie Mitarbeiter eine junge Besucherin mit Down-Syndrom im Studio so umgesetzt hätten, dass sie aus dem Blickfeld der Kamera verschwand. Das berichtet die Besucherin, die am vergangenen Sonntag selbst im Publikum saß, in einem Facebook-Post, der bereits tausendfach geteilt und kommentiert wurde.

Eine Platzanweiserin habe drei Frauen im Publikum gebeten, von ihren Plätzen aufzustehen. „Die Damen hatten wirklich tolle Plätze mit einem super Blick auf die Bühne“, schreibt die Augenzeugin. Dann habe sie bemerkt, dass es sich bei den Frauen um eine Besucherin mit Down-Syndrom und ihre beiden Begleiterinnen gehandelt habe. Alle drei hätten sich an den Rand setzen müssen – mit „dem schlechtesten Blick, den dieses Studio zu bieten hatte“. Stattdessen hätten „drei sehr junge, attraktive Damen“ die frei gewordenen Plätze einnehmen dürfen.

„Sowas möchte man nicht im Fernsehen sehen“

„Bei längerem Beobachten ist uns dann aufgefallen, dass die ganzen schlechten Plätze mit Personen besetzt sind, die alle ein Handicap haben“, heißt es weiter – „alle hinter der Kamera“. Auf Nachfrage bei der Platzanweiserin hätten sie die Antwort bekommen: „Sowas möchte man nicht im Fernsehen sehen.“ Auch einen blinden Studiobesucher habe man umgesetzt. Sie sei „sehr wütend“ gewesen, schreibt die Frau.

Beim Sender versichert man, dass „niemand bei RTL oder auch im Auftrag von RTL andere Menschen auf die beschriebene oder andere Art diskriminieren“ dürfe. Der Sender hat eine anderslautende Erklärung für die Umsetzungen.

RTL: „Notausgang war schneller zu erreichen“

„Wir sind mit Produktion und Ticketingservice im Austausch – und haben auf diesem Wege auch mit den betroffenen Studiogästen gesprochen“, sagte RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Alle drei Parteien, vor allem aber auch die betroffenen Gäste, schildern den Vorgang übereinstimmend.“ Demnach seien zwei behinderte Studiogäste mit einer Betreuerin der Lebenshilfe Euskirchen gebeten worden, sich umzusetzen auf Plätze, „von denen der Notausgang im Fall aller Fälle leichter und schneller erreichbar ist“. Die neuen Plätze seien laut Beschreibung der Betreuerin besser als vorher gewesen, sagte die Sprecherin, „weil dicht dran an der Bühne – nah genug, um etwa auch noch Autogrammkarten zu bekommen“.

Mehrfach sei während der Aufzeichnung seitens der Produktion nachgefragt worden, „ob alles okay sei“. Schließlich seien die Gäste „auf eigenen Wunsch kurz vor Ende der Aufzeichnung aus dem Studio begleitet“ worden. Eickmeyer zitiert die Leiterin der Lebenshilfe-Einrichtung mit den Worten, die Besucher wären „froh, überall so gut behandelt zu werden wie bei diesem Studiobesuch“.

„Aussage wäre völlig inakzeptabel“

Nach eigenen Angaben nimmt RTL auf die Platzvergabe in TV-Studios keinen Einfluss. Dafür sei die Ticketingfirma zuständig, die von der Produktionsfirma mit der Organisation und Abwicklung der Ticketvergabe und der Platzierung der Gäste beauftragt werde. „Sollte tatsächlich so eine Aussage von einer Mitarbeiterin der Produktion oder Ticketing-Firma gefallen sein, ist das für uns völlig inakzeptabel“, sagte die Sprecherin. Eine Stellungnahme der Produktionsfirma Talpa Germany liegt noch nicht vor.

Es ist üblich, dass Platzanweiser bei TV-Aufzeichnungen sichtbare Lücken im Publikum mit Gästen füllen oder einzelne Besucher mit ungeeigneter Kleidung oder anderen Auffälligkeiten bitten, den Platz zu wechseln. Sollten die Mitarbeiter aber gezielt Behinderte aus dem Sichtbereich der Kamera entfernt haben, wäre das ein erheblicher Verstoß gegen die Menschenwürde und stünde auch in krassem Widerspruch zum RTL-Selbstverständnis, wonach Toleranz und „Anderssein“ begrüßenswert und wichtig seien.

„Behinderte Menschen gehören ebenso wie Menschen anderer Herkunft, Kultur und Religion in unser Leben“, versicherte der Sender gestern – „und somit auch in das Programm von RTL. Wer unser Programm verfolgt, kann die Vielfalt der Sendungen, aber auch der Protagonisten täglich sehen.“

Die neue Staffel der Tanzshow „Dance, Dance, Dance“ soll von Freitag an ausgestrahlt werden.

Von Imre Grimm/RND

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