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11:19 27.04.2018
Gemeinsam im U-Boot: Joachim Jakobson und seine Frau Kirsten tauchten mit der Lula in bis zu 1000 Metern Tiefe hab, um sensationelle Bilder von einem Haigelage aufzunehmen. Quelle: ARD
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London

Rund 750 Meter unter der Wasseroberfläche von einem halben Dutzend Haiweibchen als Fresskonkurrenz angesehen zu werden, sei „grenzwertig“, findet Joachim Jakobsen. Dabei mit 39 Grad Fieber um zwei Uhr nachts im Druckkörper eines kleinen U-Bootes zu sitzen und zu erleben, wie sich das hungrige Hairudel einen Pottwalkadaver von zehn Metern Länge einverleibt, sorgt selbst bei einem mit allen Meereswassern gewaschenen Forscher wie dem 61-jährigen Kölner für Atemnot. „Während der fünf Stunden, die wir unter den schlingenden Sechskiemerhaien verbracht haben, musste ich doch hin und wieder an der Sauerstoffanlage inhalieren“, berichtet der Tierfilmer auf die ihm eigene trockene Art. „Und natürlich haben wir uns immer wieder gefragt, wo sind wir hier eigentlich?“

Die Lula taucht bis in 1000 Meter Tiefe hinab

Um genau zu sein, befanden sich Joachim Jakobsen und seine 48-jährige Frau Kirsten während dieser „Begegnung der dritten Art“ im Inneren ihres 7,5 Meter langen Tiefsee-U-Bootes Lula 1000, mit dem die Wissenschaftler seit fünf Jahren die geheimnisvolle Unterwasserwelt des Atlantiks erkunden. Auf bis zu 1000 Meter Tiefe kann das auf der Azoreninsel Faial lebende Forscherpaar mit der Lula gehen. 100 bar drücken dabei auf die Edelstahlhülle des U-Bootes. Auch die 1,40 Meter große und 14 Zentimeter starke Plexiglaskuppel muss diesem Druck standhalten. Zum Vergleich: Für Taucher wird der Druck schon ab 50 Metern Tiefe kritisch.

Als Gast an Bord hatten die Jakobsens in jener Nacht, die ihnen einen der „ganz großen, tiefen Eindrücke des Lebens“ bescherte, einen Naturfilmer der BBC, dem ebenfalls „die Schweißperlen auf der Stirn standen“. Das Zusammentreffen mit den Sechskiemerhaien, Tiefseekreaturen, die fast nie an die Oberfläche schwimmen, war nämlich keineswegs einem Zufall geschuldet, sondern der Neugier und Risikofreude der deutschen Wissenschaftler wie auch der Kooperation, die sie mit der BBC eingegangen waren.

Die BBC war von den Unterwasseraufnahmen begeistert

Die hochauflösenden Unterwasseraufnahmen, die ihre extrem lichtempfindlichen Kameras seit 2013 von bislang unbekannten Tiefseelebewesen liefern, hatten das Interesse des britischen Senders geweckt. Die Jakobsens ließen sich für die Neuauflage der höchst erfolgreichen Dokumentation „Blauer Planet“ gewinnen und lieferten dem BBC-Kameramann in ihrem Tauchgebiet vor den Azoren die spektakulären Aufnahmen des Pottwal-Festmahls.

Zu sehen sein werden diese in der zweiten Folge von „Der blaue Planet II“. Zusammen mit weiteren nie zuvor realisierten Bildern, die den Jakobsens gelungen sind. Etwa von der nächtlichen Migration unterschiedlicher Meeresorganismen, die Nacht für Nacht aus bis zu 800 Meter Tiefe in höhere Wasserschichten schwimmen, um am Morgen wieder tiefer zu tauchen.

Grösster Wunsch:Eine Begegnung mit dem Riesenkalmar

Die Dokumentation unbekannten Unterwasserlebens ist die Hauptaufgabe, der sich das Ehepaar verschrieben hat und für die es mit zahlreichen internationalen Forschungsinstituten, Universitäten und Produktionsgesellschaften kollaboriert. Ihr größter Wunsch bei jedem Tauchgang ist indes immer, endlich auf Architeuthis zu treffen. Den Riesenkalmar von bis zu 18 Metern Länge, der sich bislang allen Filmversuchen entzogen hat, der sich aber in den Azorengewässern aufhalten muss. Davon hat die Jakobsens nicht zuletzt die riesige Tintenwolke überzeugt, durch sie gleich bei ihrem ersten Tauchgang geschwommen waren.

Zum BBC-Dreh der hungrigen Haiweibchen erklärt Joachim Jakobsen: „Wir wussten, dass kürzlich ein junger Pottwalbulle gesunken war. Er wird einen Kampf gegen einen Rivalen verloren haben. Pottwale raufen manchmal ziemlich.“ Und dass Sechskiemerhaie „dort unten gründlich aufräumen“, war der gebürtigen Bad Oldesloerin Kirsten Jakobsen und ihrem Kölner Ehemann ebenfalls klar.

Immer wieder schoben die Aasfresser das U-Boot weg

Der ignorierte das Fieber, das ihn schon seit einiger Zeit plagte, und machte die Lula in froher Erwartung startklar. Was sie wenig später erleben sollten, übertraf jedoch jede Vorstellung. „Die Haie schwammen in einem Meter Entfernung an uns vorbei und rollten mit ihren handtellergroßen Augen“, sagt Jakobsen. „Die Plexiglaskuppel ist so geformt, dass sie unter Wasser unsichtbar wird. Also versuchten die vier bis fünf Meter langen Tiere immer wieder nach unseren Händen zu schnappen, die sie im Inneren des U-Bootes wahrnahmen, und überprüften dabei ausgiebig die Stoßfestigkeit des Materials.“

Immer wieder schoben die Aasfresser das Boot, das unter Wasser schwerelos ist, mehrere Meter in die Höhe, um unmissverständlich klar zu machen, dass sie nicht daran dachten ihre Beute zu teilen.

Erst nach drei Stunden hatten die gierigen Kiemerhaie, die oft nur ein- bis zweimal im Jahr fressen, den Fremdling aus Edelstahl akzeptiert und widmeten sich ausschließlich ihrem Gelage: „In fünf Stunden hatten sie 20 Prozent des toten Wales verschlungen. Als wir 24 und 48 Stunden später noch einmal runtergingen, fraßen sie immer noch, wenn auch langsamer“, erklärt der Tierfilmer, der zusammen mit seiner Frau in den Folgewochen das völlige Verschwinden des Kolosses dokumentierte: Nachdem die Kiemenhaie satt waren, kamen kleinere Haie, Krabben, Shrimps, Fische und schließlich Würmer, die die Knochen zersetzten.

Traurigkeit über das Ende eines Pottwals

Die haben die Jakobsens inzwischen an ein Forschungsinstitut in Rom geschickt, wo sie weiter untersucht werden. „Ein wenig traurig war es schon zu sehen, wie so ein wunderschöner, nicht sehr alter Wal gefressen wird“, philosophiert der Forscher. „Aber alles hat seinen Sinn im Leben wie auch im Meer.“ Und vielleicht erlebt er es ja doch noch einmal, wie Architeuthis einen seiner riesigen Saugnäpfe auf die Frontscheibe der Lula presst. Angst davor hat Jakobsen jedenfalls keine: „Der Riesenkalmar ist so weich, ein Treffen mit ihm wird nicht gefährlicher ausfallen als das mit den hungrigen Haidamen.

Von Susanne Böllert/RND

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