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Getrennte Kreisläufe, verschiedene Zielgruppen

„Babylon Berlin“ Getrennte Kreisläufe, verschiedene Zielgruppen

ARD und Sky machten „Babylon Berlin“ zum Hit. Zu sehen ist er in der ARD auch in Zukunft immer erst ein Jahr später. Ein Schaden fürs Erste? Degeto-Geschäftsführerin Christine Strobl verneint und sieht die Zukunft in weiteren Produktionen mit Partnern. Die ARD-Filmtochter Degeto arbeitet momentan noch, vor der Premiere im Ersten, an einer Fortsetzung der erfolgreichen, historischen Krimiserie.

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Man muss sich neuen Erzählformen öffnen: Degeto-Geschäftsführerin Christine Strobl freut sich über den Erfolg von „Babylon Berlin“ und sieht im Partner Sky keine Konkurrenz.

Quelle: dpa

Hannover. Noch ist die erste Staffel von „Babylon Berlin“ für die ARD in zeitlich weiter Ferne, da wird schon weiter an der historischen Serie gearbeitet – die Drehbuchentwicklung der dritten Staffel ist schon in Auftrag gegeben. Für Christine Strobl geht der Ersterfolg für den Kooperationspartner Sky in Ordnung.

Frau Strobl, jede Jubelmeldung, die Sky über die Nutzung von „Babylon Berlin“ verbreitet, ist doch zum Schaden für den Kooperationspartner ARD – denn es handelt sich doch um Zuschauer, die bei der Ausstrahlung im Ersten nächstes Jahr fehlen werden.

Das glaube ich nicht, wir freuen uns mit Sky zusammen – ganz im Ernst, weil es zeigt, dass die Serie begeistert. Ich glaube nicht, dass es eine direkte Wechselwirkung zwischen Sky-Abonnenten und dem ARD-Zuschauer gibt.

Ist das ein anderes Publikum?

Wer über ein Sky-Abonnement verfügt, schaut „Babylon Berlin“ im Zweifel dort, und der ARD-Zuschauer ohne Sky-Abo guckt es bei uns. Wir haben Erfahrungen mit dem Publikumsverhalten zum Beispiel bei Spielfilmlizenzen. Wenn ein Film bei Sky erfolgreich ist, kann er trotzdem bei uns auch sehr erfolgreich sein. Als Beispiel nenne ich „Ziemlich beste Freunde“, der bei Sky bis dahin der erfolgreichste Film war und auch bei uns einen Marktanteil von 28 Prozent hatte. Deswegen bin ich ziemlich überzeugt davon, dass es sich um relativ getrennte Kreisläufe mit verschiedenen Zielgruppen handelt.

Getrennte Kreisläufe? Sky hat mehr als fünf Millionen Abonnenten. Wenn das noch mehr werden, müssten das dann ja doch Leute sein, die der ARD irgendwann abhanden kommen...

Im Moment ist es nicht so. Wenn wir etwas merken, dann sind es eher Verschiebungen innerhalb der ARD zwischen dem Ersten und den dritten Programmen.

Aber dass „Babylon Berlin“ im Ersten im Herbst 2018 in Quoten-Regionen vorstößt wie die „Charité“ mit rund acht Millionen zu Beginn der Ausstrahlung ist ja kaum noch anzunehmen.

Wir müssen zwei Sachen trennen. Erstens: Glauben wir an den Erfolg von „Babylon Berlin“ im öffentlich-rechtlichen Fernsehen? Und zweitens: Wie sind die Rechteverteilungen der Zukunft? Wir reden über eine Serie, die serielles Erzählen noch einmal auf andere Füße stellt und den Vergleich mit internationalen Serien nicht scheuen muss. Wir glauben damit einen Publikumswunsch zu bedienen, den man vielleicht im Ersten bisher vermisst hat und den wir mit „Babylon Berlin“ bedienen können. Ich bin davon überzeugt, dass wir uns dieser Erzählweise öffnen müssen, weil wir in Deutschland ja nicht auf einer Insel leben, die keinen Funkkontakt zur Außenwelt hat. Vor allem jüngere Leute sehen Netflix oder Amazon in Originalsprache und vergleichen sie mit unserem Angebot, und wenn wir moderne Erzählformen nicht selbst interpretieren, verlieren wir einen Teil unserer Zuschauer.

Aber schon bevor „Babylon Berlin“ bei Sky über den Sender gegangen ist, steht die Fortsetzung fest?

Der Vertrag zur Drehbuchentwicklung für die dritte Staffel wurde abgeschlossen, wir gehen jetzt an die Arbeit und hoffen natürlich auf eine nahtlose Fortsetzung.

Kann man den Vierteiler „Das Verschwinden“ von der Programmierung sonntags nach dem „Tatort“ als Testlauf für „Babylon Berlin“ verstehen?

Nein - wir wollen „Babylon Berlin“ um 20.15 Uhr ausstrahlen.

Dienstags etwa?

Ich werde heute keinen Wochentag nennen, weil die Diskussion nicht abgeschlossen ist. Ich glaube an eine wöchentliche Programmierung, aber nicht am Dienstag. Vielleicht gehen wir auch mit der Auswahl des Sendetags mal neue Wege – viele haben mich im Fall von „Terror“ nach Ferdinand von Schirach vor dem Montag als Ausstrahlungstermin gewarnt und geraten, nicht in die direkt Konkurrenz gegen den starken ZDF-Krimi zu gehen. Aber es war einer der größten Erfolge, die wir mit einem solchen Programm je hatten.

„Das Verschwinden“ nicht von der Programmierung, aber von der Erzählweise als Testlauf für „Babylon Berlin“? Die Quotenentwicklung des Vierteilers war gerade gegen Ende nicht gut.

Wir sind mit der Akzeptanz der vierteiligen Miniserie um 21.45 Uhr absolut zufrieden. Darüber hinaus haben wir bei „Das Verschwinden“ bisher 800 000 Nutzungen in der Mediathek – im Vergleich dazu liegt der „Tatort“ bei etwa 200 000. Es ist und bleibt ein Stoff mit einer gewissen Düsternis, und sicher gilt, dass wir mit diesem Angebot auch bewusst und gezielt Nutzer der Mediatheken ansprechen, die vielleicht Teil 3 und 4 dort ansehen. Wir haben ganz sicher mit diesem Angebot qualitativ einen Maßstab gesetzt. Solche Qualitätsproduktionen wollen wir uns auch in Zukunft einmal im Jahr leisten.

Um plump mal zwischendurch zu argumentieren: Angesichts eines Gesamtbudgets von 400 Millionen Euro pro Jahr sollte einmal im Jahr so eine Produktion ja auch drin sein...

Wenn ich mal plump zurückgeben darf: Von den 400 Millionen Euro haben wir eine inhaltliche Verantwortung für 160 Millionen Euro. Aber auch da bin ich der Meinung, dass diese Erzählform einmal dabei sein muss. Das nächste Projekt, das in dieser Reihe ansteht, sind „Die Toten von Mirow“, die wir zusammen mit dem NDR realisieren wollen, vermutlich ist der Ausstrahlungszeitpunkt eher 2019.

Würden Sie eine Zusammenarbeit wie mit Sky noch einmal machen?

Meine feste Überzeugung ist, wenn wir international konkurrenzfähig sein wollen, müssen wir solche Partnerschaften - wie beim Einkauf von Spielfilmlizenzen üblich - mit unterschiedlichen Playern, der Förderung, mit dem Weltvertrieb, aber auch mit Pay-TV-Anbietern eingehen. Die Rundfunkbeiträge steigen nicht, aber die Budgets vergleichbarer Serien im internationalen Geschäft schon.

Wäre so eine Koproduktion auch mit einem Partner möglich, der der ARD näher steht – zum Beispiel mit dem ZDF oder RTL?

Grundsätzlich müssen wir auch darüber nachdenken, müssen aber darauf achten, dass wir dann nicht um die gleichen Zuschauerkreise buhlen. Ich würde es aber trotzdem für die Zukunft nicht ganz ausschließen, zum Beispiel wenn es um die ganz großen Projekte geht wie vielleicht 100 Jahre Mauerfall. Aber der natürliche Partner ist einer, der andere Zuschauerkreise bedient.

Dann doch vielleicht Netflix oder Amazon?

Wir haben gut mit Sky zusammengearbeitet. Bei Amazon und Netflix wüsste ich nicht einmal, wo ich in Deutschland anrufen sollte.

Der Freitagabendfilm im Ersten wird von der Degeto geliefert - wäre es nicht sinnvoll, die Wiederkennbarkeit durch Dachmarken zu steigern?

Der Film „Kilimandscharo – Reise ins Leben“ wie am 17. November ist die Geschichte eines Menschen, der sich ein großes Ziel vornimmt und es gegen alle Widerstände am Ende schafft – das beschreibt ganz gut, was wir da erzählen wollen. Wichtig ist uns am Freitag nicht irgendeine Dachmarke, sondern dass wir in einer bestimmten zugewandten Tonalität erzählen, damit sich das Versprechen „Endlich Freitag im Ersten“ für den Zuschauer einlöst. Wenn Sie so wollen, haben wir „Endlich Freitag im Ersten“ quasi zur Dachmarke erklärt, weil es ein Lebensgefühl beschreibt. Zur Verstetigung haben wir begonnen, mit der „Eifelpraxis“, dem „Hotel Heidelberg“ und der „Praxis mit Meerblick“ mehr Reihen zu etablieren.

Aber sonst dominieren Krimis...

Wir zeigen in der Woche im Ersten nur an 1,5 Hauptabendplätzen Krimis. Wenn ich zu meinem Buchhändler gehe, besteht der erste Büchertisch auch aus Krimis. Habe ich das zu verurteilen? Der Deutsche liest und sieht gerne Krimis.

Daher wird der Donnerstag künftig mit mehr Krimis bestückt?

Nein, es werden nicht mehr. Es kommen nur andere dazu, weil wir einige nicht fortführen, es bleibt bei 24 Erstausstrahlungen im Jahr. Neu in der Entwicklung sind der „Amsterdam“- und der „Prag-Krimi“. In Prag gehen wir mit Roeland Wiesnekker, in Amsterdam mit Hannes Jaenicke an den Start.

Von Carsten Rave

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