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Fernsehen Klaas über seine Rolle in der Serie „Jennifer“
Nachrichten Medien Fernsehen Klaas über seine Rolle in der Serie „Jennifer“
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15:15 01.01.2018
Ist gerade in ein Dorf bei Berlin gezogen: Klaas Heufer-Umlauf knüpft in der Serie „Jennifer“ an seine Filmfigur „Container Ingo“ an. Quelle: NDR
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Herr Heufer-Umlauf, sind Sie als Oldenburger eigentlich eher Landei oder Stadtkind?

Also mit Bauernhof direkt gegenüber und als nächstem Bauwerk die Autobahnbrücke bin ich schon ein Landei. Aber eben ein stadtnahes. Als Kind mit dem Trecker übern Hof, als Teenager mit dem Rad nach Oldenburg, dazu die Sauffeste ringsum. Kenn ich alles.

Sie wissen also, wie das Landleben funktioniert?

Ich weiß, wie beides funktioniert. Wobei ich bei „Jennifer“ gar nicht so sehr ans Land denke. Unser Neu Wulmstorf bei Hamburg ist ja nicht die Wir-spielen-aufm-Heuboden-Landidylle, wie ich sie als Kind selbst erlebt habe, sondern eher das Klischee vom ereignislosen Durchfahrtort, in dem die Hauptstraße auch Hauptstraße heißt und der einen Dönershop, eine Sparkasse, einen Penny plus Friseur hat. Wir erzählen da gar nicht so sehr meine eigene Provinz.

Zeigen Sie ein realistisches oder ein überzeichnetes Bild?

Eher Ersteres. Denn im Verhältnis zu meiner eigenen Bullerbü-Kindheit steckt in der Provinz von „Jennifer“ eigentlich sogar noch mehr Realismus. Aber bei aller unromantischen Trostlosigkeit der Kleinstadt entsteht dort oft trotzdem eine Dynamik, die es den Bewohnern schön macht.

Wo leben Sie selbst heute?

Ich bin gerade in ein Dorf bei Berlin gezogen. Das ist auf den ersten Blick nicht allzu schön. Ich hab aber festgestellt: Die Leute sind gegen meine Erwartungen alle wahnsinnig nett und greifen sich bei jeder Gelegenheit unter die Arme. Als mal ein verwirrter Opa bei mir im Garten stand, hab ich die Nachbarin angerufen, die ihn kannte und sofort nach Hause gebracht hat.

In „Jennifer“ dagegen sind die Bewohner allesamt Prolls mit schlechter Grammatik, die sich vor allem um sich selbst sorgen und damit für viel Stress sorgen.

Das hat halt auch mit den Umständen zu tun. Zwei Friseure auf so engem Raum wären doch überall problematisch. Und wenn dann noch ein alter Player in diesen Mikrokosmos eindringt, sind Konflikte – obwohl sich die Leute auf dem Land mangels Alternative eher noch zusammenraufen – halt programmiert.

Der alte Player ist Ihre Filmfigur Ingo A., ein gelernter Friseur, der als gescheitertes One-Hit-Wonder zu seinen Wurzeln zurückkehrt.

Wobei Ingos Rückkehr aus dem Castingshow-Kosmos in seinen alten Beruf für ihn eher eine Verbesserung darstellt. Das Mantra seiner Generation, man könne alles schaffen, wenn man es nur wirklich wolle, hat bei ihm eine große Tragik.

Kam Lars Jessen bei der Besetzung fast naturgemäß auf Sie als gelernten Friseur im Showgeschäft?

Nee, die Grundidee eines Rückkehrers war zuerst da, ich kannte Lars und fand die Serie sowieso toll, da haben wir diese Idee weiterentwickelt zu dem, was sie jetzt ist. Aber dass ich vor 100 Jahren mal Friseur gelernt habe, kommt dem Ganzen natürlich zugute. Im Backstagebereich des Salons kam dann auch alles schnell wieder hoch.

Backstagebereich?

Na, dieses Kabuff namens Büro, wo es entweder Ärger oder Geld gab. Der Geruch von Wasserstoffperoxid und Deoxysribonukleinsäure legt jedenfalls alte Traumata frei. Ich erinnere mich noch gut, wie man als Azubi von neun bis acht oft elf Stunden auf 15 Quadratmetern gefangen war und der Chef sagte, verteilt euch mal, und man sich über sechs Meter hinweg durch den leeren Raum unterhielt – das war absurdes Theater. Umso erstaunlicher, dass ich bei keiner Drehbuchzeile gedacht hab, so läuft das da nicht. Das läuft da nämlich genau so.

Ein bisschen beschreiben Sie den Friseursalon da jetzt auch als Showbühne, oder?

Absolut, eine gute Schule. Schon weil das Reden einen so großen Bestandteil des Berufs ausmacht. Es gibt ja generell mehr Friseure als nötig. Man sagt, einer auf 1000 Einwohner reicht. In Oldenburg war es sogar ein bisschen mehr. Da muss man sich abheben. Ich war fachlich nie besonders gut, kam aber bestens mit Leuten klar, die teils wesentlich älter waren als ich. Sich über Stunden mit Menschen, die nicht zum Umfeld eines 17-Jährigen zählen, zu befassen – das hilft mir heute enorm in meinem Job.

„Jennifer“ ist für Sie die erste Hauptrolle eines fiktionalen Formats. Betrachten Sie das als Startrampe für ein zweites Standbein als Schauspieler statt Moderator?

Ach, ich hatte ja schon vorher ein paar Filme gemacht, bisschen Theater gespielt, Krimskrams halt. Aber so richtig Schauspielen – das sollen mal schön andere machen. Grundsätzlich stelle ich jedenfalls keine strategischen Überlegungen an, ob das jetzt eine neue Bühne für mich ist, merke aber schon, wie viel Spaß das hier macht. Es muss allerdings passen, was gerade zeitlich schwer ist. Wenn ich jetzt drei Jahre lang keinen weiteren Film drehe, bin ich daher nicht traurig, freue mich aber, wenn es anders läuft. Ich bin da sehr lernbereit.

Von Jan Freitag/RND

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