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Luther: „Der Glaubenskrieger“

Film zum Reformationstag Luther: „Der Glaubenskrieger“

Maximilian Brückner verfeinert in dem Fernsehfilm „Zwischen Himmel und Hölle“ (Montag, 20.15 Uhr, ZDF) das mediale Lutherbild. Am Feiertag selbst ist das Programm voll mit Sendungen zum großen Reformator.

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Kontrahenten: Martin Luther (Maximilian Brückner, links) trifft auf dem Wormser Reichstag Erzbischof Albrecht (Joachim Król).

Quelle: Foto: ZDF

Mainz. Der Trick, mit Angst Politik zu machen, ist weniger neu, als mancher Populist denkt. Das Copyright auf diese Form der Machtergreifung hat demnach weder Donald Trump noch Viktor Orban, geschweige denn Björn Höcke oder Alexander Gauland. Eingereicht wurde es von der Religion, bevor der Katholizismus den Machtfaktor Furcht zur Perfektion trieb. Wie ihm dies gelang, zeigt die heutige Krönung eines Themenschwerpunkts zum 500. Reformationstag: Mit Blitz und Donner garniert ein Kirchenagent (diabolisch: Armin Rohde) zu Beginn des ZDF-Dramas „Zwischen Himmel und Hölle“ die Drohung vom Fegefeuer, dem man allein per Ablass entkomme.

Das Volk gibt Geld, auf dass der Petersdom wachse

Beeindruckt vom Budenzauber gibt der Pöbel sein letztes Geld, auf dass dem Papst der Petersdom erwachse und dem Bischof fettes Fleisch zum Mittag. In Gottes Namen. Doch den führt auch einer vom selben Glauben, aber andrem Holz im Schilde: Martin Luther. Nachdem der telegene Mönch zuletzt im Ersten von Devid Striesow eher feist verkörpert wurde, ist nun der feinere Maximilian Brückner dran. Zum Jubeltag stellt ihm das Zweite statt der üblichen 90 Minuten fast das Doppelte an Primetime zur Verfügung, um das Bild des Reformators zu verfeinern. Das Ergebnis: Es gerät noch opulenter, noch authentischer, noch vielschichtiger als die Dutzende Biopics mit Darstellern von Robert Shaw über Ben Becker bis Stacy Keach.

Bevor er seine 95 Thesen am Kirchentor zu Wittenberg befestigt, spielt der Film-Luther daher eine Partie Rugby im Schlamm, Schiedsrichterbeleidigung inklusive. Die Kulisse, der Alltag, das Elend – Regisseur Uwe Janson will die Zeit spürbar in ihrer Komplexität zeigen und zugleich quotentaugliches Historytainment. Also auch einen Mittelalter-Promi, den Ulrich Thein 1983 noch zum Defa-Sozialisten gemacht hat und Ralph Fiennes 20 Jahre später zum sexy Grübler. Brückner hingegen interpretiert seinen Luther als emotionalen Glaubenskrieger, dem beim Wormser Reichstag die Stimme versagt, bevor er mit Gleichgesinnten die Menschheit umkrempelt.

Die Darstellung kommt dem Superstar Luther am nächsten

Gut, wie Martin Luther und Thomas Müntzer (Jan Krauter) mit ihren Frauen Katharina von Bora (Frida-Lovisa Hamann) und Ottilie von Gersen (Aylin Tezel) durchs weltliche Reich des gottlosen Klerus reisen, wurde natürlich angemessen modernisiert. Es spricht folglich niemand Niederdeutsch und das Mittelalter bleibt bei aller Akribie doch vergleichsweise rein. Dennoch: während die Luthers der Film- und Fernsehgeschichte bislang eher Wunschvorstellungen als geschichtswissenschaftsfest waren, kommt diese Darstellung dem Superstar der deutschen Geschichte vermutlich am nächsten. Im Jubiläumsjahr steht halt selbst dem Unterhaltungsfernsehen der Sinn nach Bandbreite.

Buntes Programm um den großen Reformator

Deshalb beschränkt sich das ZDF nicht auf den topbesetzten Hochglanzfilm, sondern flankiert ihn mit einem umfassenden Rahmenprogramm. Zur besten Sendezeit etwa konzentriert sich „Das Luther-Tribunal“ dabei am Feiertag auf „Zehn Tage im April“, wie der Untertitel des Dokudramas den Versuch der katholischen Kirche umschreibt, in Worms ihre Macht zu sichern. Roman Knižka gibt den Titelheld hier zwar ein wenig privatfernsehtaugli-cher, und all die filmischen Mätzchen zwischen den Historikeraussagen sind eher Effekthascherei als zielführend. Aber so wird Geschichte heutzutage verabreicht. Für kreativen Tiefgang sorgt demnach der ZDFinfo-Schwerpunkt ab 11. November, in dem Filme wie „God’s Cloud“ vom Einfluss Luthers auf unsere Zeit berichten. Kindgerecht verarbeitet wird das Thema hingegen am am 31. Oktober ab 15 Uhr beim Kika, bevor „Das Projekt der 1000 Stimmen“ um 22 Uhr im ZDF ein „Pop-Oratorium“ zeigt, bei dem allerlei Chöre die Reformation vertonen.

All den Sendungen im ZDF-Kosmos (von den größeren Kanälen widmet sich nur 3sat Luthers Epoche, allerdings mit Filmen wie „Der Name der Rose“ oder „Die Pilgerin“) ist vor allem eines gemeinsam: So wie der Revoluzzer einst die Angst seiner Mitmenschen besiegt hat, vermag es seine Botschaft vom freien Gewissen auch heute. Das wäre mal eine Lehre aus dem Reformationsoverkill im Jubeljahr 2017.

Von Jan Freitag / RND

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