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Fernsehen Wenn das Fernsehen das Kino plündert
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16:27 23.01.2018
Am Ende war Mama eine Leiche: „Bates Motel“ mit Vera Farmiga und Freddie Highmore erzählt die Vorgeschichte des Kinoklassikers „Psycho“. Quelle: foto: A&E
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Berlin

Kennen Sie den Film „L.A. Confidential“? Cops, Gangster, Drogen und die wahnsinnig blonde Kim Basinger als Hollywooddiva Veronica Lake in der Stadt der Engel? Aus der Geschichte wird derzeit eine Fernsehserie „entwickelt“. Sie erinnern sich auch an „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ mit der schönsten Grabrede aller Zeiten und dem immer blinzelnden blutjungen Hugh Grant – verliebt in Andie MacDowell? Wird derzeit zur Fernsehserie. Gleiches gilt für die Militärklamotte „Ich glaub, mich knutscht ein Elch“. Und sogar Fritz Langs Stummfilm „Metropolis“ mit der tödlichen Roboterfrau – dem Vorbild von „Star Wars“-Goldmann C-3PO – erlebt im Fernsehen eine Wiederauferstehung.

Fernsehen brachte das Lichtspiel nach Hause

Am Anfang war das Lichtspiel, die neue Zauberbühne, auf der seit Ende des 19. Jahrhunderts plötzlich alles möglich war. Der Film brachte seinen Zuschauern Cowboys, Indianer, den Mann im Mond, Vampire, Monster gefahrlos von Angesicht zu Angesicht. Man schaute in längst vergangene Zeiten, sah, wie es Richard Löwenherz, Kleopatra oder gar Jesus erging. Oder erlebte sensationelle Typen wie Tarzan, der im Dschungel an Lianen schwang.

Dann eroberte Anfang der Fünfzigerjahre das Fernsehen die Haushalte der Amerikaner, später auch die der Deutschen – eine lustige kleine Kiste, deren Bild sich nach dem Ausschalten zu einem winzigen Punkt verjüngte. Überwältigung fiel hier schwerer. Doch es gab einen unschätzbaren Vorteil: Der Zerstreuungswillige konnte sich auf dem Sofa in Feinripp unterhalten lassen. Und die Serie war das (schon vom Kino bekannte) Kurzformat, das ihn in wöchentlich gesendeten Happen an den jeweiligen Sender binden sollte. Die Genres wurden der Einfachheit halber auch gleich übernommen – Western, Thriller, Krimis, Komödien.

Fernsehen holte sich schon immer Stoff vom Kino

Manchmal wurden sogar die Helden geborgt: Tarzan, Zorro, Robin Hood, Lassie. Der kluge Collie etwa brach 1943 und 1946 im Kino Elizabeth Taylor das Herz und wurde dann ab 1954 Fernsehhündin. 588 Episoden in Serie – ein tierischer Erfolg. 1964 machte man auch den Filmdelfin Flipper zum TV-Star. Zu allen Zeiten wurde Kino vom Fernsehen adoptiert – von Robert Altmans „M.A.S.H.“ (1970) bis Roland Emmerichs „Stargate“ (1994). Aber nie so wie heute, wo das sogenannte Qualitätsfernsehen auf steter Suche nach hochwertigen Stoffen ist.

Das Prinzip leuchtet ein: Vertraute Figuren und eingeführte Marken haben höhere Erfolgschancen, weil sie vom Start weg über eine stattliche, oft nostalgisch gesinnte und zuschaubereite Fangemeinde verfügen. Sie benötigen auch keine langwierige, risikoreiche Einführung mehr. „Das Schweigen der Lämmer“ (1989) hatte mit Hannibal Lecter das faszinierendste Filmmonster seit Ewigkeiten, also versuchte der Zuschauer es gern mal mit der Serie „Hannibal“. Und – Hand aufs Herz – schon immer hat uns interessiert, wie Norma­­ ­Bates, die Ladymumie aus Hitchcocks „Psycho“ (1960), als Mutter des Serienmörders Norman Bates so war. Neugierig stiegen wir in „Bates Motel“ ein – und wurden mit einer Serie belohnt, die eindrucksvolles Personal und erzählerische Tiefe aufwies.

Fernsehen feiert nicht immer Kinoserientriumphe

Das Kalkül geht nicht immer auf. Die Serienversion von Spielbergs Sci-Fi-Film „Minority Report“ hielt nur eine Staffel. Die Idee einer Serie zu Martin Scorseses gruseligem Thriller „Shutter Island“ verschwand vorab wieder in der Versenkung. Die Vampirserie „From Dusk Till Dawn“ wäre fast gefloppt, weil sich die Macher zu Anfang wie Klebstoff an die Filmvorlage hefteten.

Freier ist besser. Die Fox-Serie „Fargo“ setzte auf die gleiche Atmosphäre ländlicher US-Kauzigkeit, den gleichen schwarzen Humor wie der Film der Coen-Brüder, erzählte aber ihre eigenen schrägen Kriminalgeschichten. Und HBOs Sci-Fi-Serie „Westworld“ hat sich von ihrem Film philosophisch emanzipiert. Rückte 1973 im Kinooriginal ein durchgedrehter Robotcowboy der Vergnügungssucht der Amerikaner mit dem Colt zu Leibe, so erzählt HBO heute in „Westworld“ lieber von künstlicher Intelligenz im Wildwest-Themenpark, die sich lebendig fühlt und ihren Schöpfern und den Gästen des Parks urplötzlich auf gefährlicher Augenhöhe begegnet.

Fernsehen erlaubt längst auch cineastische Überwältigungsbilder

Die Fernseher sind groß geworden, von 88-Zoll-Diagonalen träumte die Generation Lassie nicht mal. Und so ist es dann auch ganz großes Kino, was die Serien in HD-Brillanz auf den Bildschirmen bringen. Die Inszenierungsweise macht dem Kino harte Konkurrenz. Die Action der TV-Variante von „Lethal Weapon“ – hat Leinwandqualität. Die Landschaften von „Westworld“ sind so prachtvoll wie in den Western von John Ford, und die Kamera überwältigt mit 360-Grad-Schwenks im Monument Valley, bei denen man unweigerlich den Vergleich mit Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Filmen zieht. Aus deren Vorgeschichte (streng genommen eine Literaturverfilmung) Amazon derzeit auch eine Serie destilliert.

Wie auch aus „Galaxy Quest“. In der Kinokomödie von 1999 wurden Schauspieler einer alten Sci-Fi-Serie von Aliens ins All gebeten, um ihnen gegen einen Weltraumtyrannen beizustehen. Pech der Außerirdischen: Sie hielten die Altstars für echte Raumfahrthelden, ihre erfundenen Abenteuer für Dokus. Die Konzepte Fiktion, Film und Serie lagen außerhalb ihres Begreifens. Es wäre definitiv kein Planet für HBO, Netflix und Amazon.

Von Matthias Halbig / RND

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