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Fernsehen „Die Leser sind die besten Regisseure“
Nachrichten Medien Fernsehen „Die Leser sind die besten Regisseure“
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10:45 27.03.2018
Sebastian Fitzek spielt in „Das Joshua-Profil“ selbst mit – und zwar einen Buchhändler. Quelle: RTL
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In Ihrem Roman „Das Joshua-Profil“ geht es um einen Thrillerautor, der selbst zum Verdächtigten wird. Hinter allem steckt eine Organisation, die sogenanntes „Predictive Policing“ anbietet: Sie errechnet auf der Basis von Nutzerdaten die Wahrscheinlichkeit kriminellen Verhaltens. Wie nah bleiben Sie an der Realität – könnte das, was Hauptperson Max Rhode passiert, auch Schriftsteller Sebastian Fitzek zustoßen?

Ich habe früher auf meinen Lesungen oft gewitzelt, dass ich hoffe, dem BKA ist bekannt, das ich ein Autor von Psychothrillern bin. Denn mein Beruf bringt es ja mit sich, dass sich in meinem Google-Suchverlauf Einträge wie „K.o.-Tropfen“, „nicht nachweisbare Gifte“ oder „elektronische Fußfesseln“ finden. Und tatsächlich sind Programme heutzutage sehr wohl in der Lage, Millionen von Daten einzelner Nutzer abzufangen und zu analysieren. Das wissen wir spätestens seit Edward Snowden und haben es jüngst wieder durch den Facebook-Skandal erfahren. Zudem sind auch in Deutschland Precrime-Programme im Testlauf. Also ja, theoretisch ist es möglich, dass auch mir so etwas passiert. Es ist zum Glück nicht sehr wahrscheinlich. Hoffentlich.

Inwiefern waren Sie an der Umsetzung für die RTL-Verfilmung beteiligt – hatten Sie Einfluss auf das Drehbuch oder Mitspracherecht bei den Hauptdarstellern?

Theoretisch hätte ich ein enormes Mitspracherecht gehabt. Praktisch habe ich aber aus zwei Gründen davon nur wenig Gebrauch gemacht. Zum einen bin ich weder Regisseur noch Drehbuchautor. Das sind Berufe, die einer enormen Erfahrung bedürfen, die ich im filmischen Bereich einfach nicht mitbringe. Zum anderen war ein grandioses Team am Werk, etwa mit dem oscarprämierten Regisseur Jochen Alexander Freydank und dem Grimme-Preis-Gewinner Jan Braren, der das Drehbuch schrieb.

Als Schriftsteller sind Sie oft Einzeltäter, die Hauptarbeit geschieht über Wochen und Monate einsam am Schreibtisch. Wie war es für Sie, die eigenen Inhalte auf einmal anderen zu überlassen und Ihre Ideen im Team verändern zu lassen?

Ich möchte an dieser Stelle ganz offen klarstellen, dass wir von Anfang an die Entscheidung getroffen haben, nicht zu versuchen, dem Publikum „bessere Bilder“ vorsetzen zu wollen. Leserin und Leser sind für das eigene Kopfkino immer die besten Regisseure und Caster. Und ein 400-Seiten-Thriller, gerade wenn er so komplex ist wie „Das Joshua-Profil“, lässt sich nun mal nicht eins zu eins in einhundert Minuten quetschen. Buch und Film weichen daher deutlich voneinander ab. Aber es ist dem Team dennoch gelungen, das, was mir am Buch wichtig war, zu erhalten und den Figuren treu zu bleiben.

Den Gerüchten nach sind Sie für aufmerksame Fans als Cameo im Film zu entdecken. Wie sieht es mit der Alternativkarriere Schauspieler aus, übernehmen Sie in den nächsten Verfilmungen einfach selbst die Hauptrolle?

Um Gottes Willen. Ich bin kein Schauspieler. Als mir aber eine Mini-Rolle als Buchhändler (dem schönsten Beruf der Welt) angetragen wurde, musste ich zugreifen. Ich habe dabei jedoch gelernt, dass ich weder dem Beruf des Buchhändlers noch dem des Schauspielers gerecht werden könnte. Ich bleibe lieber meinen dunklen Gedanken treu, die ich zu Papier bringe.

Seit 2006 haben Sie 16 Romane veröffentlicht, Sie begeistern die Fans inzwischen weltweit mit kreativen Ideen und spannenden Wendungen, Ihre Thrillershows begeistern jährlich Tausende Leser, auch ein weiteres Buch („Passagier 23“) wird bereits verfilmt. Welche großen Ziele stehen noch auf Ihrer Liste?

Ich habe aufgehört, mir große Ziele zu setzen. All das, was ich von langer Hand geplant hatte, meine großen Lebensziele, sind gnadenlos gescheitert. Weder bin ich Tennisspieler, Schlagzeuger noch Tierarzt oder Strafverteidiger geworden. Andererseits hatte ich nie auf dem Schirm, verheiratet zu sein und gleich drei Kinder zu haben. In meine Ehe bin ich so naiv hineingestolpert wie in meine Autorentätigkeit, und beides zählt nun zu den schönsten Entwicklungen meines Lebens.

Ihre Hauptfiguren mussten mit den Jahren schon so viel leiden, als kleiner Spoiler – viele haben es nicht überlebt. Wie sieht eigentlich der größte Albtraum der Privatperson Sebastian Fitzek aus?

Mein größter Alptraum ist, dass ich eines Tages aufwache und feststelle, dass ich schon seit Jahren der einzige Mensch auf der Welt bin, der sich in eine Traumwelt geflüchtet hat, um die Einsamkeit zu ertragen.

Zur Person

Sebastian Fitzek (geb. 1971) ist Deutschlands erfolgreichster Krimiautor. Seit 2006 hat der ehemalige Radiojournalist 16 Romane veröffentlicht, die sich über zehn Millionen Mal verkauft haben und weltweit übersetzt wurden. Er lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Berlin. „Das Joshua-Profil“ ist nach einer Kinoadaption seine erste Romanverfilmung für das deutsche Fernsehen, die Umsetzung des Romans „Passagier 23“ ist bereits in Arbeit.

„Das Joshua-Profil“ RTL, Freitag, 30. März um 20. 15 Uhr

Von Karla Paul

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