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Fernsehen „Star Wars“ – der Kampf wird auch im Netz geführt
Nachrichten Medien Fernsehen „Star Wars“ – der Kampf wird auch im Netz geführt
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15:59 14.10.2018
Querschüsse aus Moskau? Während Oberschurke Kylo Ren (Adam Driver) im Kino schwerste innere Konflikte wälzte, machten Trolle (vermutlich auch russische) seinen Film „Die letzten Jedi“ zu Unrecht runter. Quelle: Foto: Disney
Hollywood

Die Kritiker waren überrascht. Im Großen und Ganzen war man sich einig gewesen: „Star Wars: Die letzten Jedi“ ist ein guter Film und Rian Johnson, der Regisseur, hatte einen anständigen Job gemacht. Trotzdem schienen viele Fans den Film regelrecht zu hassen. Denn während auf der Leinwand die Rebellen gegen die faschistoide „Erste Ordnung“ kämpften, tobte im Netz eine ganz andere Schlacht – weit über die ersten Wochen nach der Veröffentlichung im Dezember vergangenen Jahres hinaus.

Medienwissenschaftler nahm sich die „Star Wars“-Kontroverse vor

Auf der einen Seite standen die Fans, die die achte „Star Wars“-Episode in den sozialen Medien lobten und sie gegen Anfeindungen verteidigten. Ihnen gegenüber fanden sich die, für die „The Last Jedi“ „einfach nur schrecklich“ war. „Ich bin mir nicht sicher, ob ,Star Wars’ nach #LastJedi gerettet werden kann. @rianjohnson hat das Franchise komplett zerstört. Wirklich traurig!“, entrüstete sich einer auf Twitter. Sogar eine Petition mit der Forderung, „Die letzten Jedi“ noch einmal neu zu drehen, wurde gestartet.

An den Kinokassen dagegen schlug sich „Die letzten Jedi“ mehr als ordentlich. Woher also kam der Unmut, der Hass der Fans? Vielleicht, vermuteten einige Kritiker, lag es daran, dass sich „Die letzten Jedi“ nicht wirklich um die Fan-Theorien geschert hatte. Vielleicht daran, dass die Gräben zwischen den Erwartungen der alteingesessenen und denen der neueren Fans zu tief waren. Oder waren die Witze schlicht zu flach? Das kann alles sein. Aber es ist wohl nicht die ganze Geschichte.

Morten Bay ist selbst ein großer „Star Wars“-Fan. Und während er darauf wartete, seine Dissertation einreichen zu können, hatte er plötzlich Zeit „für eine kleine Studie“. Also nahm er sich die „Star Wars“-Kontroverse vor. „Eigentlich wollte ich untersuchen, wie einige Leute ihre Position zu dem Film mithilfe von Fehlinformationen verteidigen“, sagt der Medienwissenschaftler von der University of California in Los Angeles. Doch dann tauchte in den Daten plötzlich noch etwas ganz anderes auf. Bay entdeckte, dass die vermeintliche Fan-Wut auf „Die letzten Jedi“ gar keine reine Fan-Debatte war.

Nur die Hälfte der Regie-Kritiker waren enttäuschte Fans

Für seine Studie untersuchte Bay alle Tweets, die zwischen Dezember 2017 und Juli 2018 an Rian Johnson gerichtet wurden und sich mit „Die letzten Jedi“ beschäftigten. Von den 206 Accounts, die sich negativ über „Star Wars“ äußerten, konnte er aber nur etwa die Hälfte dem Fan-Lager zuordnen – also Menschen, die einfach mit der achten Episode unzufrieden waren.

Die andere Hälfte dagegen hatte für ihre Kritik an Johnsons Film ganz andere Motive. Ihr Vorgehen kannte Bay schon – von seinen Studien zur russischen Einflussnahme auf den US-Wahlkampf 2016. Wie Bay zeigt, beschränkt sich dieses Vorgehen nicht nur auf politische Debatten, sondern greift auf die Popkultur über. „Man sieht, dass sowohl Trolle als auch normale Amerikaner in der Diskussion um ,The Last Jedi’ diese Methoden anwenden“, sagt Bay.

Als Troll bezeichnet man jemanden, der es darauf anlegt, andere Menschen wütend zu machen, zu beleidigen oder auch zu manipulieren. Anhand von Kriterien, die andere Wissenschaftler schon für solche Fälle entwickelt haben, konnte Bay 16 Twitterer bestimmen, bei denen es sich sehr wahrscheinlich um russische Trolle handelte. Das würde bedeuten: Auch im großen „Star Wars“-Streit findet sich russische Einflussnahme.

Das linke Franchise „Star Wars“ wird von rechts angegriffen

Zu sagen, dass die Debatte gänzlich aus Russland gesteuert wurde, wäre aber übertrieben. Denn auch 17 US-Trolle haben wütend an Rian Johnson getwittert. Dazu kommen noch elf Bots. Das sind Software-Roboter, die Inhalte auf Twitter verteilen. Auch sie werden inzwischen nicht nur zur Marketingzwecken, sondern auch immer häufiger im politischen Kontext eingesetzt – und anscheinend auch, um den Eindruck zu erwecken, ein Kinofilm sei eine völlige Katastrophe.

Doch größer ist die Gruppe der Menschen, die sich zwar in die Debatte einmischen, aber nicht, weil ihnen der „Star Wars“-Film am Herzen liegt. Stattdessen konzentrieren sie sich ausschließlich auf den Konflikt. Mit ihren Tweets an Johnson verfolgen sie häufig eine rechte politische Agenda.

Star Wars“ sei deshalb auch so ein geeignetes Ziel, weil das Franchise schon immer politisch eher links zu verorten war und gerade „Die letzten Jedi“ sich auch um mehr Diversität bemüht hatte, sagt Bay. Er ist sich aber sicher, dass diese Methoden nicht nur bei „Star Wars“-Filmen angewendet werden, sondern auch bei anderen Kontroversen in der Popkultur.

Was bedeutet das also? Bei vermeintlich großen Internet-Aufregerthemen sollte man vorsichtiger sein. Und: „Die letzten Jedi“ war wirklich ein guter Film.

Von Anna Schughart / RND

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