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„Tatort“ – Bodenständige Schwarzwaldcops

Medien „Tatort“ – Bodenständige Schwarzwaldcops

Ein Mädchen wird tot im finsteren Tann aufgefunden. Ein Junge wird vermisst, ein drittes Kind schweigt sich aus. In der ARD meldet sich das neue „Tatort“-Team aus dem Schwarzwald mit einer düsteren „Hänsel und Gretel“-Geschichte zum Dienst (Sonntag, 1. Oktober, 20.15 Uhr, ARD).

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Das neue Gespann für Krimifans: Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) und Franziska Tobler (Eva Löbau) wollen den Sonntag spannend ausklingen lassen.

Quelle: SWR

Hannover. Puderzuckerwolken liegen in der Luft, Schneebahnen auf den Tannen am Hang. Menschen stapfen durchs kalte Weiß, ducken sich in ihren Schal hinein. Nur ein kleines Mädchen friert nicht mehr: Es liegt tot im Wald, mit einem Loch in der Brust. So beginnt der erste „Tatort“ aus dem Schwarzwald, angesiedelt diesmal in dem fiktiven Dorf Goldbach, das der Folge den Titel gibt. Und es passt irgendwie: die Schwärze der Schluchten, das Grelle des Schnees.

Allzu rascher Klimawechsel im dunklen Wald

Doch schon in der nächsten Szene ist es plötzlich 15 Grad wärmer, die Hänge grün, der Zuschauer verwirrt: War nicht gerade noch Winter? Nur einmal noch stochern Polizisten unmotiviert in einem übrig gebliebenen Schneehaufen in Schneemannbauchgröße, als würde sich darunter der vermisste Junge finden, der mit dem Mädchen im Wald war. Der merkwürdige Anschlussfehler wirkt so, als hätte der Ex-Fernsehcomedian Harald Schmidt doch noch mitgewirkt an diesem ARD-Krimi um Waffenhandel und Darknet, das offenbar bis in die Provinz reicht.

Schmidt wurde erst als neues Ensemblemitglied vorgestellt, sagte dann aber doch frühzeitig ab. Vielleicht ist das die Erklärung, weshalb das übrig gebliebene „Tatort“-Personal so wenig mit ihren neurotischen und krisengeschüttelten Kollegen aus anderen Städten gemein hat. Schmidt wäre halt für den obligatorischen Glamourfaktor zuständig gewesen. In der Typologie der „Tatort“-Kommissare nehmen seine verhinderten Kollegen daher folgende Rolle ein:

Tyologie der „Tatort“-Kommissare

Die Bodenständigen: Die neue Schwarzwaldkommissarin trägt Jeans, ein unauffälliges Sakko und eine Hutfrisur. Sie wird nicht laut oder verzweifelt an sich selbst. Das einzig Außergewöhnliche ist die schöne Stimme, der Singsang verrät die Herkunft der Darstellerin vom Theater. Eva Löbau spielt die Franziska Tobler als eine engagierte Kriminalistin, die einfühlsam mit dem dritten Kind der Geschichte spricht, einem Jungen, der über das Schicksal seiner Spielkameraden schweigt.

Tobler ist aber auch nicht so langweilig, dass es schon wieder auffällig wäre. Auch ihr Privatleben scheint herrlich unkompliziert, sie wird nach Feierabend von einem Mann abgeholt und wacht morgens neben ihm auf. Keine Anzeichen darauf, dass er verheiratet ist oder der mutmaßliche Mörder. Auch ihrem Kompagnon Hans-Jochen Wagner, der als Friedemann Berg seinem Namen alle Ehre macht, mangelt es nicht an Bodenhaftung. Den Chefpart, für den ursprünglich Schmidt vorgesehen war, spielt Steffi Kühnert unaufgeregt zwischen Politik und Moral. So lenken Leid und Lieb der Kommissare nicht vom Fall ab. Dieser jedoch hätte durchaus mehr Spannung vertragen können.

Die Neurotikerin: Meret Becker ist als Hauptkommissarin Nina Rubin ewig hin- und hergerissen zwischen ihrem Job und ihrer zerfallenden Familie. Besonders deutlich wurde das in der Episode, als sie während der Bar Mizwa ihres Sohnes zu einem Fall gerufen wird und ständig zwischen Feier und Tatort hin- und her eilt. Die Stadtneurotikerin aus Berlin handelt stets anders, als sie sich selbst gerne handeln sehen würde. Anstrengend!

Die WG-Bewohner: Eigentlich spielt Fanny (Zazie de Paris) als Stubennachbarin von Wolfram Koch alias Kommissar Brix nur eine Nebenrolle, doch der Blick des Zuschauers auf den Frankfurter Kommissar wird maßgeblich durch diese Figur geprägt: Wer mit einer Transe zusammenlebt und eine so liebevolle Freundschaft mit ihr pflegt, hat schon einmal einen Bonus in Sachen Sympathie und Unkonventionalität. Seine von Margarita Broich gespielte Kollegin wohnt zwar nicht mit im Haus, doch mit ihrer ruppig-herzlichen Art würde sie auch gut mit in die WG passen.

Der Ballermann: Es ist schon eine Weile her, seit Til Schweiger als Nick Tschiller den „Tatort“ zum Actionstreifen machte. Der fünfte Fall soll erst Anfang 2018 laufen. Nick Tschiller ist so etwas wie das Gegenteil von Tobler und Berg. Dass spektakuläre Stunts und coole Sprüche nicht alles sind, zeigen die Einschaltquoten. Der „Bergdoktor“ fand letzthin mehr Zuschauer als Schweiger.

Von Nina May / RND

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