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„Tatort“ – Künftig weniger Experimentalkrimis

Medien „Tatort“ – Künftig weniger Experimentalkrimis

Überraschungen ja, Publikumsbefremdung nein. Die ganz extremen Krimis sollen in der Reihe „Tatort“ Ausnahme bleiben. Dabei gab die Episode „Fürchte dich“ am Sonntag, 29. Oktober ihrem Titel recht. Der Ausflug ins Gruselgenre war wohltuend – dennoch sollte der Sonntagabend in der ARD kein Tummelplatz für Gelichter aus der Twilight Zone werden.

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Spuk zur Krimistunde: Im jüngsten „Tatort“ aus Hessen ließ der „Amityville Horror“ grüßen. Grenzüberschreitende Krimis wie „Fürchte dich“ sollen indes die Ausnahme bleiben.

Quelle: dpa

Berlin. Spuk im „Tatort“ – des Guten zuviel? Bei Deutschlands beliebtester TV-Reihe gibt es neue Maßgaben – beim „Tatort“ soll es ein Limit für „experimentelle“ Filme geben. Der ARD-Koordinator Fernsehfilme, Jörg Schönenborn, bestätigte der Deutschen Presse-Agentur entsprechende Informationen von „Tatort-Fundus.de“. Man wolle auch künftig Filme, die besonders seien und überraschten, teilte Schönenborn mit. „Darüber hinaus können wir uns zweimal im Jahr auch „experimentelle“ Krimis vorstellen.“

„Fürchte dich“ – eine hessische Geisterstunde

Wie den vom Sonntag, 29. Oktober. Der eigentlich gar nicht experimentell war, sondern sich bloß im Genre verirrt hatte. „Fürchte dich“ führte uns ins Haus von Kommissar Brix (Wolfram Koch) und seiner Vermieterin Fanny (Zazie de Paris). Ein seltsamer alter Mann will das Gebäude in Brand setzen und schielt zu ihm hoch, als manifestiere sich im Dachfenster das Böse wie einst im Gruselfilm „Amityville Horror“. Auf dem Dachboden findet der Kriminaler unter den Dielen das Skelett eines Mädchens. Und von diesem Augenblick an scheinen die Mächte aus der Twilight Zone Flamenco zu tanzen.

Oder doch nur Englischen Walzer. Zwar bedient sich Regisseur Andy Fetscher bei den Methoden des Hollywood-Horrorfilms, aber ein deutscher Kommissar kommt als Ghostbuster nicht allzu authentisch rüber. Und Jumpscares made in Hessen sind eben nicht so wirksam wie die selbigen aus den US-Traumfabriken. Die Behauptung des KommissardarstellersKoch, er werde sich die nächste Zeit nicht mehr auf Dachböden trauen, lässt eine zart besaitete Seele erkennen.

Zuschauer laufen Sturm, wenn das Genre gesprengt wird

Über „besondere ,Tatorte’“ wie diesen werde sich in der Senderrunde „Koordination Fernsehfilm“ frühzeitig abgestimmt, „damit die Filme entsprechend geplant“ und „sinnvoll platziert“ werden könnten, hieß es von Schönenborn, der WDR-Fernsehdirektor ist und nebenamtlich ARD-Fernsehfilmkoordinator.

Aus „Tatort“-Redaktionen der ARD ist zu vernehmen, dass Zuschauer vor allem dann Sturm laufen, wenn ein Sonntagskrimi das Genre sprengt und die Erwartungen an einen klassischen Krimi nicht erfüllt.

Außergewöhnliche Themen und Umgebungen wie vor einigen Wochen bei den Münchnern zum Beispiel die Pornobranche seien dabei weniger ein Problem als vielmehr Grenzüberschreitungen in der Form: wenn also beispielsweise Übersinnliches passiere oder aber am Schluss kein Täter überführt werde.

Es geht nicht um einen Wettstreit der abgedrehtesten Ideen

Volker Herres, der Programmdirektor des Ersten, hatte bereits nach dem vieldiskutierten Laien-, Dialekt- und Impro-„Tatort“ mit dem Titel „Babbeldasch“ der „Bild am Sonntag“ (5. März) gesagt: „Zum „Tatort“ gehören immer wieder auch einmal mutige Experimente. Das ist okay, solange es nicht in einen Wettlauf der Redaktionen mündet, wer den abgedrehtesten Film produziert.“

Die neun Landesrundfunkanstalten - WDR, NDR, SWR, MDR, BR, HR, RBB, SR und Radio Bremen - haben jeweils ihre Redaktion für den „Tatort“ und eigentlich Freiheit für die eigenen Krimis. Nun scheint von oben mehr eingegriffen zu werden. „Tatort-Fundus.de“ zitiert zu der neuen Vorgabe, dass es nur noch zwei experimentelle Krimis pro Jahr geben solle, eine mit ARD-Fernsehspielen leitend befasste Person: Wer als Dritter anmelde, habe schlicht „Pech gehabt“.

Beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) in Köln ist mit Gebhard Henke der „Tatort“-Koordinator angesiedelt, der dafür sorgen soll, dass sich etwa Inhalte aufeinanderfolgender Krimis nicht zu sehr ähneln.

Der klassische Ermittlerkrimi bleibt DNA des „Tatort“

Henke teilte der Deutschen Presse-Agentur mit: „Wir hätten sicherlich angesichts der über 1000 Stücke nicht das Niveau halten können, wenn wir nicht Innovation und das Austesten der Grenzen ermöglicht hätten. Der klassische Ermittlerkrimi ist und bleibt aber die DNA des Tatorts.“

Der Variantenreichtum und die Beliebtheit des Krimiformats verdanke sich zum einen dem Bekenntnis zum Ermittlerkrimi mit wechselnden Teams und zum anderen dem Austesten der Grenzen des Krimigenres durch neue und ungewöhnliche Erzählweisen der Autoren und Regisseure.

„Dabei wollen wir den Zuschauern überwiegend klassische Ermittlerkrimis anbieten und von Zeit zu Zeit einen experimentellen „Tatort“ einstreuen“, sagte Henke. „Die Frage, was experimentell ist und was nicht, kann man nur im Einzelfall diskutieren.“ Dafür gebe es keine verbindliche Definition.

Von rnd/dpa

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