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07:58 11.12.2018
Heiko „Schotty“ Schotte (Bjarne Mädel) grübelt bei einer Currywurst über die Kunstszene nach: Nicht nach seinem Geschmack. Quelle: Foto: Thorsten Jander/NDR
Hamburg

Filzgleiter! Schon das Wort! Was soll das überhaupt heißen: Filzgleiter? Da kann schon mal ins Grübeln geraten, wenn der Schädel ohnehin zum Spintisieren neigt. Wie bei Heiko „Schotty“ Schotte. Da sitzt der Tatortreiniger samt Kumpel (Olli Schulz) in einem beigefarbenen Unglückswohnzimmer. Oben suppt noch das Blut durch die Decke, unten diskutieren die zwei Bagaluten über Filzgleiter als Metaphern auf das große Ganze. Sind Filzgleiter nicht im Prinzip komprimierte Schafe? Und was, bitteschön, sind Kratzer im Parkett anderes als Narben im Leben eines Hauses?

Bjarne Mädel: „Wie der Abschied von einem guten Freund“

Schotty ist zurück. Vier neue Fälle der preisgekrönten Reihe „Der Tatortreiniger“ zeigt der NDR vor Weihnachten (ab Dienstag, 18. Dezember, 22 Uhr, NDR). Vier mal noch dringt Schotty als Repräsentant der Normalität unter makabren Umständen in fremde Welten ein und schrubbt weg, was weg muss. Das ist die gute Nachricht. Aber: Es werden die letzten vier Folgen sein. Das ist die schlechte Nachricht. Nach 31 Episoden und sieben Jahren ist dann Schluss mit den komischen Kammerspielen, mit diesen wundersam-makabren Miniaturen, die durch die Augen eines redlichen Malochers mit Interesse am Höheren immer auch die Gegenwart spiegelten.

„Es ist wie der Abschied von einem guten Freund“, sagt Schotty-Darsteller Bjarne Mädel. „Bei ,Stromberg’ war ich nach 10 Jahren Wahnsinn im Grossraumbüro ganz froh, dass Schluss war mit Ernie, auch bei ,Mord mit Aussicht’ hatte ich für mich das Gefühl, als Figur „auserzählt“ zu sein.“ Bei Schotty sei das anders. „Ich trage die Entscheidung von unserer Autorin Mizzi Meyer und unserem Regisseur Arne Feldhusen voll mit“, sagt Mädel. „Aber es ist wirklich schwer, jetzt aufzuhören. Ich hätte gerne noch ein paar Jahre weiter geputzt.“

Autorin Mizzi Meyer: „Aufhören, so lange noch alle traurig sind“

Warum also das Ende? Es ist vor allem Autorin Meyer, die „aufhören will, so lange noch alle traurig sind, dass es aufhört“. Alle 31 Fälle stammen aus ihrer Feder. Bei allen hat Arne Feldhusen Regie geführt. „Wir wollen Schotty nicht auslutschen, dafür lieben wir ihn viel zu sehr“, sagt sie. Es gebe genügend Beispiele für Serien, die „vorbei sind, und trotzdem weitergehen“. Sie habe gespürt, dass „es immer schwieriger wird, Geschichten zu suchen, die noch mal eine neue Welt erzählen“. Also: Feierabend für Schotty.

Tatsächlich hat Schotty diverse Spielarten des Lebens kennengelernt. Prostitution. Schriftstellerei. Nazis. Homosexuelle Zauberer. Veganismus. Eine „Wattolümpiade“. Keimphobie. Kannibalen. Religiösen Wahn. Sadistische Firmenberater.

Im Kern ging es in den Geschichten dieses unerschütterlichen Blutwegmachers mit geöltem Pferdeschwanz ja gar nicht um Blut, Mord und Probleme mit den Hydrostößeln beim Maserati Quattroporte. Es ging um Sinn. Um Philosophie. Denn Witz und Wahrheit sind Geschwister. „Schotty denkt live“, sagt Mädel. „Er überwindet Vorurteile und Klischees, in dem er ganz offen und arglos sagt, was er denkt.“

Die ersten „Tatortreiniger“-Folgen liefen im Nachtprogramm

Die ersten Folgen hatte der NDR noch im vorweihnachtlichen Nachtprogramm versendet. Und sich damit den Vorwurf eingefangen, originelles Fernsehen im Programm-Nirwana zu versenken. Es wirkte, als sei der makabre Stoff dem öffentlich-rechtlichen Kosmos nicht geheuer. Diese Abgründe! In Wahrheit erkannte man die Strahlkraft des Formats sofort – die seltsame Platzierung hatte allein abrechnungstechnische Gründe. 2012 gab’s dann eine „Tatortreiniger“-Offensive.

Die Arme des NDR blieben „weit geöffnet“ für das „Tatortreiniger“-Team, sagt Fernsehfilm-Chef Christian Granderath. „Man bekommt nicht alle Tage Drehbücher von dieser Qualität.“ Man habe mit einem Kinofilm zu locken versucht, mit allerhand Vorschlägen, aber „nun zelebrieren wir gemeinsam unsere Traurigkeit“. Und die Serie einem neuen Autorenteam überantworten? Undenkbar.

Die letzte Folge namens „Einunddreißig“ ist ein zauberhaftes Resümee geworden, eine bizarre Liebeserklärung an die Figur. Schotty landet in der Lobby eines seltsamen, Gebäudes, bevölkert von Menschen in senfgelben Kostümen und einem rätselhaften Concierge.

Der „Tatortreiniger“ bekommt ein brillantes, würdiges Finale

Es folgt ein anspielungsreiches Feuerwerk von Gastauftritten früherer Weggefährten, darunter Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau (die schon in der ersten Folge „Ganz normale Jobs“ dabei waren). Wo ist Schotty hier gelandet? Warum kennen ihn alle? Und was haben sie vor? Es ist ein brillantes, würdiges Finale.

Von Imre Grimm/RND

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