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Van Morrison – Blues für Sieger

Pop Van Morrison – Blues für Sieger

„Roll with the Punches“ (Veröffentlichung: Freitag, 22. September) heißt das neue Album des nordirischen Sängers Van Morrison. Der hat den Blues – so kraftvoll wie lange nicht mehr. Eine Rückkehr von „Van, The Man“ zu alter Form.

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Einer der großen der Popmusik: Van Morrison hatte schon in den Sechzigerjahren mit seiner Band Them den Blues. Sein neues Album ist sein bestes seit langem.

Quelle: picture alliance / dpa

Hannover. Der Boxer auf dem Bild wird gleich hart auf die Bretter knallen. Der Haken sitzt, und der ihn austeilt, sieht nicht aus, als ließe er seinen Gegner im Ring nochmal auf die Beine kommen. „Roll with the Punches“ steht als Titel auf dem Cover des Albums. Du musst die Dinge nehmen wie sie kommen, heißt das. Das gilt vielleicht für schwächelnde Prügelknaben, aber nicht für Plattenkäufer. Man kauft keine Niederlagen.

Wer mit dem Kopf bluest, der vermasselt’s

Van Morrison hat den Blues, hat ihn auf seinem 37. Studioalbum mindestens so gut wie ihn die Rolling Stones auf ihrem „Blue & Losesome“-Album aus dem Vorjahr hatten. Frisch und soulful klingt der Mann aus Belfast bei den 15 Stücken, so als wäre tatsächlich eine neue Bluesurständ am Brodeln. Fünf der Songs stammen aus Morrisons eigener Feder, die restlichen zehn sind aus dem Schaffen amerikanischer Originale wie Little Walter oder Lightnin‘ Hopkins. Alles ist wie aus einem Guss. Das Geheimnis des Künstlers: „Den Blues analysierst und sezierst du nicht, du machst ihn einfach.“ Wer mit dem Kopf bluest, der vermasselt‘s.

Zwar steht Morrison bis heute (anders als Kollege Jagger) auf der Bühne, als wäre er das Montagsmodell aus der Porzellanfigurenmanufaktur, aber er singt so ekstatisch, dass die Existenz der Seele im Menschen keines weiteren Nachweises bedarf. Kaum einer der weißen Troubadoure kriegt das so gold- und gluttönend hin, entspricht in seiner Phrasierung dem Gemüt eines Songs so genau. John Lee Hooker hat ihn darob mal den „besten weißen Bluessänger“ genannt. Aber auch die besten lassen Spannung. Vieles aus Morrisons Schaffen war zuletzt mittelmäßig, vor allem seine „Duets“ (2015), genannte Aufbereitung alter Songs, die Zwiegesänge mit Kollegen wie George Benson, oder Mick Hucknall enthielt, war langweilig – eine arg polierte Selbstbeweihräucherung.

Tausend Tonnen Schwermut

Die Leute, von denen die Aufnahmen von „Roll with the Punches“ erzählen, sind unterwegs, um zu zeigen „wie weit weg von Gott“ sie kommen können, sie gehen an „stürmischen Montagen“ über „einsame Avenues“, sie schauen skeptisch auf die „fiese alte Welt“ und haben „zu viel Ärger“ am Hals. Jeder Moment des Daseins fühlt sich wie ein Kampf an, jeder Song, ob er nun eher in Richtung Jazz weist („Too much Trouble“) oder fast schon Rock ist („Fame“) erzählt aus einem Leben, das aus den Fugen ist und repariert werden muss: „Ich weiß, dass du mich nicht mehr liebst“, singt Morrison in Bo Diddleys „I can Tell“. Hinter der banalen Botschaft warten im Blues tausend Tonnen Schwermut.

Wie auch in Sam Cookes „Bring It On Home To Me“, wo der Liebhaber erst gelacht hat, als sie wegging, inzwischen aber längst im Jammertal der Verlassenen angelangt ist und alles tun würde käme sie nur wieder, sogar seinen Geiz überwinden, ihr Geschmeide und Geld geben und ihr verzeihen, dass sie nächtens ohne ihn aus war. Cooke sang das 1962 poppig kontrolliert, Morrison lässt jedes Wort schwingen. „I’ll giveyou jewelry, an‘ moneynomeymoneymoney toooo …“

Produziert hat Morrison selbst, Gäste waren auch wieder zu Besuch, aber Leute wie Georgie Fame und Chris Marlowe gehören zur Familie (und Band), und ihnen wird kein roter Teppich ausgerollt. „Alright, Jeff“ winkt Van in „Bring It On Home To Me“, und dann lässt Jeff Beck seine Gitarre eine Weile wunderschön singen.“ Die neue Scheibe von Van Morrison singt von den Leuten, die am Boden liegen. Selbst ist sie definitiv ein Sieger.

Von Matthias Halbig / RND

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