Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Fernsehen Zwei Filme zum 80. Geburtstag von Christiane Hörbiger
Nachrichten Medien Fernsehen Zwei Filme zum 80. Geburtstag von Christiane Hörbiger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:05 08.10.2018
Ihre Romane werden plötzlich wirklich: Die erfolgreiche Autorin Madeleine „Mado“ Montana (Christiane Hörbiger) liest bei einem Vortrag aus ihrem Buch „Die Sehnsucht des Leuchtturmwärters". Quelle: Hubert Mican/ZDF
Mainz

Knack. Pause. Knack. Pause. Knack. Pause. Knack. Wer das schöne Fremdwort „Onomatopoesie“ nicht kennt, sollte es allein für dieses lautmalerische Geräusch im Werk von Christiane Hörbiger kennenlernen. Knack. Pause. Knack. Pause. Knack. Pause. Knack. So klang es 1996, als Hermann Goerings Nichte Freya von Hepp in Helmut Dietls legendärer Realsatire „Schtonk!“ ihr Korsett öffnete, um den herrschsüchtigen Hauptdarsteller sexuell zu besänftigen. Kaum ein Moment in Christiane Hörbigers langer Filmkarriere könnte deutlicher als dieser zum Ausdruck bringen, was sie ausmacht: Würde selbst in erniedrigenden Situationen.

Auch 63 Jahre nach ihrem Filmdebüt schafft es dieser Spross der bedeutenden Wiener Bühnenfamilie selbst im Moment größtmöglicher Erniedrigung noch, einen Restbestand an Grandezza zu bewahren. Genau das macht die Tochter der Theater-Legenden Attila Hörbiger und Paula Wessely so virtuos. Und deshalb werden ihr zum 80. Geburtstag am kommenden Sonnabend gleich zwei Filme im Hauptprogramm geschenkt.

Am Montag spielt die Jubilarin im ZDF-Krimi „Die Muse des Mörders“ eine abgehalfterte Bestseller-Autorin, deren Roman-Morde plötzlich blutige Realität werden. Die ARD-Komödie „Einmal Sohn, immer Sohn“ dagegen inszeniert sie am Freitag als Ikone der Frauenrechtsbewegung im Clinch mit ihrer spießbürgerlichen Familie. Beide Filme sind von begrenzter Qualität. Beide beweisen aber auch, wie Christiane Hörbiger das fade Allerlei öffentlich-rechtlicher 88-Minuten-Terrinen weiter zu würzen weiß. Unter der Regie ihres realen Sohns Sascha Bigler ist die Hauptfigur im Zweiten durchschaubar wie der Täter, dessen Identität nach drei Minuten klar ist. Christiane Hörbiger verkörpert den Kampf dieser Madeleine Montana um Anerkennung im Alter jedoch mit einer gravitätischen Souveränität, die sonst nur Hannelore Elsner noch so publikumswirksam hinkriegt.

Das Gleiche gilt für ihre Rolle als Lilo Maertens, eine Art Alice Schwarzer, die Freitag im Ersten wegen einer Augen-OP vom ungeliebten Sohn (Sebastian Bezzel) betreut werden muss und sich in dessen Kleinfamilienidyll vom Drachen zum Lamm entwickelt.

Dieser Schauspielleistung sollte man nicht nur wegen Hörbigers Zahl an Erdenjahren Ehrfurcht zollen. Respekt verdient auch ihr Mut zum altersgerechten Habitus. Nahezu frei von Eitelkeit konfrontiert sich die Veteranin des deutschsprachigen Films konsequent mit dem körperlichen wie geistigen Verfall der letzten Vorkriegsgeneration und wirkt dabei selten larmoyant.

Das war nach einer langen Phase wechselnd anspruchsvoller TV-Rollen von der Patriarchin im „Erbe der Guldenburgs“ bis zur Bezirksrichterin „Julia“ rings ums Oscar-nominierte „Schtonk!“ nicht selbstverständlich, aber folgerichtig. Schon in „Mathilde liebt“ thematisierte die damals 67-Jährige das Nischenthema Seniorensex mit schonungsloser Offenheit. Es folgten eindrückliche Charaktere mit Leiden von Demenz über Alkoholismus bis Obdachlosigkeit, bevor sie sich voriges Jahr auf „Die letzte Reise“ selbstbestimmten Sterbens im Ersten begab.

Selbstentblößungsrollen dieser Art dominieren ein Portfolio von ungeheurem Umfang. „Solange ich gesund bleibe“, sagte sie kurz vorm 80. Geburtstag, „macht mir das Alter nichts aus.“ Nur die Vorsicht, nicht stolpern zu wollen, sei gestiegen. „In dieser Beziehung merke ich das Älterwerden.“

Von Jan Freitag

Am Donnerstag strahlt die ARD zwei neue Folgen von „Babylon Berlin“ aus. Für alle, die jetzt erst zuschalten, haben wir die bisherigen Ereignisse zusammengefasst.

04.10.2018

Endlich auch in der ARD: Für die umjubelte historische Krimiserie „Babylon Berlin“ wird der „Tatort“-Sendeplatz freigeräumt. Am Donnerstag können Zuschauer erneut in die Zwanzigerjahre eintauchen.

04.10.2018

In „Gottschalks große 68er Show“ blickt Entertainer Thomas Gottschalk mit prominenten Gästen diesen Samstag auf 50 Jahre Flower-Power-Hits zurück – und macht Hoffnung auf eine „Wetten, dass...“-Neuauflage.

04.10.2018