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Medien „Germany’s Next Topmodel“: Heidis „Meetchen“ im Schnee
Nachrichten Medien „Germany’s Next Topmodel“: Heidis „Meetchen“ im Schnee
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06:44 15.02.2019
„Da guckt man wenigstens hin“: Heidi Klum schickte die „Meetchen“ in Folge zwei der neuen Staffel in den Schnee von Sölden. Quelle: dpa
Sölden

Vier Minuten ist die Folge von „Germany’s Next Topmodel“ erst alt, da wurde bereits geheult, gezittert, gekreischt und geknuddelt. Und die wichtigste Erkenntnis der gesamten Sendung hatte eine der Aspirantinnen auch schon sehr hübsch zusammengefasst: „Die Mädchen, die optisch besser aussehen, sind öfter im Bild als die, die nicht aussehen.“ Ist nicht wahr?! So kann man die ganze Sache gut zusammenfassen.

Da sind sie also alle wieder, die „Meetchen“. Die Zicke. Das Mauerblümchen. Die Vorstadtpflanze. Die Üppige. Die Metrosexuelle. Die Migrantin. Und die, die nur aus Versehen dabei ist. Zitternd vor Ehrgeiz, immer an der Kante zur Unterzuckerung. Klum ist in der vierzehnten Staffel endgültig Alleinherrscherin im Hühnerstall: Sie hat keine feste Jury mehr – sie ist die Jury. An ihrer Seite sitzen wechselnde Gastjuroren. Lena Gercke und Stefanie Giesinger gehören dazu, außerdem die Mode-Fotografen Ellen von Unwerth und Rankin, Moderator Thomas Gottschalk und der Designer Wolfgang Joop.

„Heiiiidiii, Heiiidiii!“

In Episode zwei ging es nach Sölden in den Schnee. „Das war wundervoll, als die Heidi auf dem Balkon stand und gejodelt hat“, sagt eine. Nein, war es nicht. Zwischendurch gröhlt man „Heiiiidiii, Heiiidiii!“ – obwohl die ja eher in die Schweiz verortet gehört als nach Österreich. Aber was soll’s? 13 Jahre alt ist Germany’s Next Topmodel inzwischen. Als die Show an den Start ging, war Fußball-WM in Deutschland und Saddam Hussein noch am Leben. Texas Lightning traten beim Eurovision Song Contest an, Heidi Klum und Seal waren noch nicht mal zusammen – und viele der GNTM-Zuschauer von heute noch nicht geboren. Es ist für sehr viele Menschen immer noch aufregend genug, Heidi Klum dabei zuzusehen, wie sie Minderjährige in „sexy Skiklamotten“ durch die Berge jagt.

Lesen Sie hier: Als Junge geboren: Tatjana will Heidi Klums Topmodel werden

Äußerlich ist alles wie immer in Staffel 14: Willig lassen sie die Aspirantinnen durch diverse Quatschszenarien scheuchen, denn am Ende winkt vielleicht keine Modelkarriere, aber die Chance auf einen winzigen Schritt hinaus aus der Bedeutungslosigkeit. Der Boulevardzirkus hungert beständig nach neuen Gesichtern wie Modelanwärterinnen nach Cheeseburgern und Pommes. Was macht da so ein kleines bisschen fröhliche Schikane und gegenseitige Aufhetzung?

Zwischen Unterzuckerung und zickiger Konkurrenz

Das ist ja das Erstaunlichste am Modelberuf: dass er noch immer und immer wieder als Traumjob gilt. Modeln – das heißt im Alltag: stundenlanges Warten, Aufgabe der Intimsphäre, keinerlei Mitgestaltungsrechte, Degradierung zum lebenden Kleiderständer, übergriffige Fotografen, zickige Konkurrenz – und Unterzuckerung. Trotzdem drängen beständig tausende junger Mädchen ins Business – seit immerhin schon 13 Jahren befeuert von der Geschäftsfrau aus Bergisch-Gladbach mit den eiskalten Augen.

Wieder werden sich „die Meetchen“ nackt im Sand wälzen. Sie werden ratlos von Kränen herabbaumeln, sich schicksalsergeben mit Farbe beklecksen und von Vogelspinnen bekrabbeln lassen. Sie steigen in Zeitlupe aus Swimmingpools, machen „schöne Beine“ und lächeln eifrig, während Klum argwöhnisch über Abweichungen vom Normverhalten wacht. Brust raus, Bauch rein, Hirn aus. Es sind Bilder, die weiterhin wie geschaffen sind als Rahmenprogramm für Werbespots von Lippenstiften, „Gillette Venus Spa Breeze“-Rasierern oder Deosprays.

Nur „Professionalität“ verheißt Glück

Die Spielregeln sind jedem klar. Es ist und bleibt ein Lästerfestival, mit einem kleinen, aber feinen Unterschied: Nicht abgezockte Reality-Haubitzen sind die Objekte in diesem kleinen Schamuniversum, sondern minderjährige Mädchen. Kinder. Mädchenkörper sind entmenschlichte Requisiten in dieser Welt. Sachen. Umso verheerender bleibt die Botschaft der Sendung, die in Zeiten von #MeToo wie aus der Zeit gefallen wirkt: dass nämlich kein Mensch auf der Welt, und sei er noch so klug, attraktiv und liebenswert, einfach schön ist, so, wie er ist.

Nur die Industrie habe Mittel, wahre Schönheit zu generieren, lautet das Credo von Klum – die trotz gegenteiliger privater Erfahrungen offenbar weiterhin dem Irrtum erlegen ist, dass beständiges Streben nach „Professionalität“ Glück verheißt. Und solltest du, mein liebes Fräulein, den Gesetzen der milliardenschweren Beautyindustrie nicht folgen, dann geht’s ruck, zuck zurück in dein altes Leben mit Geigenunterricht und Kartoffelschälen, statt per Hubschrauber dorthin zu fliegen, wo der Glamour wohnt.

GNTM ist viel dafür gescholten worden, die Prinzessinnensehnsüchte von durch die Pubertät taumelnden Kindern auszubeuten. Klum lernte schnell aus der Kritik und passte sich an, sie kann das, es ist das Prinzip ihres Lebens. Sie hat auch die „große Schwester“ drauf, kein Problem als soziales Chamäleon.

In Episode zwei überwog noch die Rolle der großen Schwester. „Wenn die Mädchen Bock haben, habe ich auch Bock“, sagt die Chefin. Aber kein Zweifel: Die Inquisitorin wird noch zum Vorschein kommen. „Wer gewinnen will, muss leiden“, sagt Anwärterin Enisa am Ende. Darum geht es am Ende. „Da guckt man wenigstens hin“, sagt Klum, als Teresia textilarm über einen Metallsteg balanciert. Es ist das Motto ihres Lebens.

Von Imre Grimm

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