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Jan Böhmermann – der Hetzkeks

Ausstellung in Düsseldorf Jan Böhmermann – der Hetzkeks

Die erste Ausstellung des Moderators verbindet Satire, Kunst und Aktivismus. Wir haben uns schon einmal umgesehen – und ein Quiz zu Deutschlands umtriebigstem Komiker vorbereitet.

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"Deuscthland": Die erste Austellung des Satirikers Jan Böhmermann ist in Düsseldorf zu sehen.

Quelle: dpa

Düsseldorf.  Am Einlass gleich eine Gewissensfrage: Stellt man sich bei der fingierten Passkontrolle brav bei „Deutscher“ an oder bei „Ausländer“? Die bürokratisierte Selektion im interaktiven Stil des Theaterduos Signa ist ein stimmiger Auftakt zu einer Ausstellung im NRW-Forum Düsseldorf, die plakativ mit der großen Verunsicherung in diesem Land spielt. Die drückt sich schon in dem gewollten Schreibfehler im Titel aus: „Deuscthland“. Es handelt sich um die erste museale Schau des Moderators Jan Böhmermann, der hier bis Februar 2018 gemeinsam mit der Bildundtonfabrik ausstellt.

Der 36-Jährige, der gerade den Vertrag mit dem ZDF für seine Sendung „Neo Magazin Royale“ verlängert hat, sprengt immer wieder die Grenzen des Bildschirms, etwa mit seinen viralen Musikvideos. Nach Fernsehen, Youtube und Twitter kommt nun das Museum als neue Bühne hinzu.

Das Ausstellungsplakat besteht aus einer Persiflage des ikonischen Fotos, das 1992 während der fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen entstand: Es zeigt einen Mann mit eingepinkelter Jogginghose und dem WM-Trikot der deutschen Nationalmannschaft, die Hand zum Hitlergruß gestreckt. Böhmermann musste 2015 rund 1000 Euro an den Fotografen Martin Langer zahlen, weil er das Bild ohne Erlaubnis getwittert hatte. Der Moderator stellte das Foto mit seinem Sidekick William Cohn nach, Cohn zeigt statt des Hitlergrußes den Mittelfinger. Ein höchst symbolisches Bild, bei dem viel mitschwingt: Böhmermanns Dauerthema Fremdenhass und die Bloßstellung von Neonazis, die Deutungshoheit über das Deutsche, aber auch die für den Moderator typische Rotznasenhaltung.

Schon als Böhmermann für seine Sendung einen Kandidaten bei der RTL-Sendung „Schwiegertochter gesucht“ einschleuste und so die menschenverachtenden Praktiken der Kuppelschau entlarvte, war das eine Art Konzeptkunst. In Düsseldorf wird diese nun fortgesetzt.

Die Mini-Schau bewegt sich wie das „Neo Magazin Royale“ zwischen schnellem Wortwitz (es gibt einen Hetzkeks-Automaten) und tiefgründiger Gesellschaftskritik. So spielt der Entwurf eines „Reichsparks“ als historischem Vergnügungspark in der Art des konsumkritischen Straßenkünstlers Banksy mit Mechanismen der Unterhaltungsindustrie. Mit Virtual Reality wird hier eine Wildwasserfahrt durch Stalingrad und Dresdener Bombennächte fingiert.

Impressionen aus dem „Reichspark“

Impressionen aus dem „Reichspark“: Mit VR-Brillen könne Besucher eine Wildwasserfahrt durch Stalingrad genießen.

Quelle: B. Babic

In einer Pseudo-Wahlkabine muss man per Knopfdruck eine existenzielle Entscheidung treffen (schuldig oder unschuldig, West oder Ost, Keks oder Kuchen) - eine Kamera knipst den Wähler und lädt das Bild gleich bei Twitter hoch, eine Travestie des anonymen Wahlaktes.

„Ist das schon Satire oder schon Revolution?“, fragt Böhmermann im Beitext zur Ausstellung und verwischt programmatisch die Grenzen zwischen Kunst, Satire und Aktivismus. Die jüngste Aktion des Zentrums für Politische Schönheit - der Nachbau eines Holocaustdenkmals auf dem Nachbargrundstück von Björn Höcke - könnte glatt als Außenspielstätte der Ausstellung durchgehen. In Düsseldorf gibt es immerhin den Sessel, auf dem der AfD-Politiker 2015 bei Jauch saß. Er steht für den Moment, da Hassbotschaften talkshowfähig wurden.

Harald Schmidt hat seine Show einmal als „Documenta für Arme“ bezeichnet, für den Schriftsteller Rainald Goetz ist eine gelungene Satiresendung eines der wichtigen Kunstwerk der Gegenwart, wie er in „Abfall für alle“ schreibt. Und Böhmermann hat in seiner kreativen Reaktion auf die Staatsaffäre um sein Erdogan-Gedicht dezidiert Mittel der Messe Bildende Kunst verwendet, als er in seiner Sendung von einem Szenario ins nächste wechselte. Dieses Kapitel wird in Düsseldorf dokumentiert, der Teil der Halle heißt provokant „Rechtsfreier Raum“.

Ein Moderator, der auf Beuys macht? Böhmermann kommt der zu erwartenden Skepsis mit Selbstironie zuvor. Ein Promovideo zeigt ihn mit Künstlerhut, Pinseln und starrem Gesichtsausdruck, neben ihm eine Staffelei mit einem Obst-Stilleben. Und am Ende karikiert er die Gepflogenheiten der musealen Kunstvermittlung, wenn er einen zerknitterten Zettel an die Wand hängt. Mit einem Smiley, einem Herz und dem Titel „Mantra. Kugelschreiber auf Notizzettel“.

Die Ausstellung lässt sich als Intervention verstehen, wenig subtil, aber wirksam und gut platziert in dieser Zeit, da Deutschland zu zerreißen droht. Positiver Nebeneffekt: Junge Böhmi-Fans werden ins Museum gelockt und schauen sich vielleicht auch die zeitgleich eröffnete Schau junger Fotografie im NRW-Forum an. Die ergänzt mit Themen wie der minutiösen Rekonstruktion von Familiengeschichten oder der Fremdheit in der Heimat das Deutshcland-Bild.


Die Ausstellung ist bis zum 4.Februar geöffnet.

Infos unter: www.nrw-forum.de/ausstellungen/deuscthland

Von Nina May/RND

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