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Nachrichten Medien Darum kann „Late Night Berlin“ ein Erfolg werden
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16:35 11.03.2018
„Es darf auch gerne mal ein Politiker kommen – wenn es nicht Alexander Gauland ist“: Klaas Heufer-Umlauf will als Gastgeber in „Late Night Berlin“ auch Haltung zeigen. Quelle: dpa
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Potsdam

Nein, als junger Hüpfer kann man keine Late-Night-Show machen. Late Night. Die Königsdisziplin. Das Alpha und Omega des Entertainments. Der Heilige Gral des Fernsehens. „Man muss schon eine gewisse...“ – ja, was? Klaas Heufer-Umlauf sucht das richtige Wort. „Reife“ will er nicht sagen. Das klingt nach Bohnerwachs und Hüttenkäse. Erfahrung? Haltung? Persönlichkeit? „Man muss ein gewisses Alter haben“, sagt er schließlich. Er ist jetzt 34. Er macht Fernsehen, seit er 22 ist. Aber Fernsehjahre sind wie Hundejahre. Eigentlich ist Klaas Heufer-Umlauf also 84 Jahre alt. „Ich kam schon mit 45 Jahren auf die Welt“, sagte er mal.

Jetzt steht er im dunklen Anzug mit weißem Hemd („meine Late-Night-Uniform“) in seinem nach Sägemehl riechenden Studio 5 in Potsdam-Babelsberg. Sie haben ihm einen eleganten Spielplatz aus edlen Holzlamellen und HD-Grafiken gebaut. Links eine Bühne für Livemusik, in der Mitte Monitor und Schreibtisch, rechts die offiziell noch geheime Hausband. Diesen Job übernimmt jemand, mit dem Heufer-Umlauf ohnehin musikalisch verbandelt ist. Es ist eine charmante, vollkommen logische Entscheidung. „Man kann darauf kommen, wer das ist“, sagt Heufer-Umlauf, der seit 2013 auch musikalisch heldenhaft unterwegs ist.

Raabs Geist schwebt noch über den Wassern

Nein, es soll kein neuer „Circus Halligalli“-Aufguss werden, nur ohne Joko Winterscheidt. „Wer das regelmäßig gesehen hat, hat gemerkt, dass wir uns im Wesentlichen im eigenen Kosmos bewegt haben“, sagt Heufer-Umlauf. „Es ging sehr um uns selbst. Die neue Late Night ist nach außen gerichtet und hat eher eine kommentierende Funktion für die Dinge, die sich in der Welt ereignen.“

Und sonst? „Erst wollte ich einen fahrbaren Schreibtisch, aber dann hieß es, dass es das schon mal gab“, feixt er. Montagabend, 23 Uhr? Da startete vor einer Ewigkeit mal Stefan Raabs „tv total“. Das ist Geschichte. Aber der Geist Gottes schwebt bei Pro7 noch über den Wassern. Auch Raab startete einst wöchentlich.

Joko & Klaas waren wie Kain & Abel

Heufer-Umlauf kann das, keine Frage: Deutungskompetenz ausstrahlen, entspannt erwachsen sein und trotzdem quatschaffin bleiben. Es ist das bisher ambitionierteste Soloprojekt eines Mitglied des Duos Joko & Klaas. Man muss nicht bei Kain und Abel anfangen, um diese TV-Konstellation zu verstehen, aber die Sache mit dem Brudermord hilft schon. Brüder sind immer auch Konkurrenten. Um die Anerkennung des Vaters, die Liebe der Mutter, die Erbfolge in der Familie, das dickste Steak, die tollste Frau, den geilsten Job. Joko & Klaas – nicht bluts-, aber ziemlich geistesverwandt – hatten das klassische, brüderlich-maskuline Konkurrenzgefrotzel zu ihrem Markenkern gemacht. In jeder Sekunde jeder Show soffen, rauchten, redeten, dachten, spielten, litten und „entertainten“ sie um die Wette. Und wenn man diese Kabbelei wirklich zu Ende denkt, bis zu einem Sieger, dann landet man in letzter Konsequenz beim Tod. Wie im Alten Testament. Nicht beim Tod eines Menschen. Aber vielleicht beim Tod eines Duos.

Klaas war bei Joko & Klaas – Friseurlehre hin oder her – immer der fabulierlustige Intellektuelle, der phasenweise wirkte, als arbeite er mit gebremstem Schaum, um auch seinen Buddy gut aussehen zu lassen. „Ich kann mich auf meinen Bauch verlassen“, hat Winterscheidt mal gesagt, „du brauchst immer den Kopf.“

Die neue Show ist wie eine Befreiung

Nach Jahren der Zweisamkeit hat Kain den Abel nun zwar nicht ermordet. Aber eine kleine Befreiung muss es doch gewesen sein. Jürgen von der Lippe hat Heufer-Umlauf einst im „Spiegel“ über den grünen Klee gelobt. Klaas sei derjenige, sagte der große alte Mann der gepflegten Klugscheißerei, dem er eine Late-Night-Show und mehr zutraue. Joko erwähnte er nicht. Der ist gerade in Stefan Raabs seltsamer Erfindershow „Das nächste große Ding“ als Jurymitglied an seine Grenzen geraten.

Joko & Klaas funktionierten wunderbar – aber es waberte schon länger der Verdacht durch die Branche, dass Klaas allein noch ganz andere Pfeile im Köcher hätte als das ewige Geknuffe und Geguffel unter Schulhofjungs. Er wird das selbst geahnt haben. Und befreite sich. Bevor er zum „One Trick Pony“ der TV-Menagerie wird.

Natürlich ist eine Ablösung gefährlich. Nach der Trennung berühmter Duos läuft es meist nur für einen richtig gut: Von Sonny & Cher blieb Cher, von Simon & Garfunkel blieb Paul Simon, von Ike & Tina Turner blieb Tina Turner, von Wham blieb (bis zu seinem Tod) George Michael. Manchmal, sagte Heufer-Umlauf vor Jahren, störe ihn Winterscheidts offensive Lache dann schon, „morgens manchmal, da kommt sie mir nicht wie eine Lache vor, sondern wie ein störendes Geräusch, als wenn jemand einen Sack Kartoffeln überm Schlagzeug ausleert“.

„Ich bin nicht zur Neutralität verpflichtet“

Erstmals begibt er sich nun in das Korsett eines klaren Formats. Das muss nichts Schlimmes sein. Irgendwann ist es ja auch mal gut mit Halligalli. Die ersten Gäste sind Anne Will und Rapper Casper. Ansonsten ist alles wie bei den großen Amerikanern: Stand-up-Comedy zu Beginn, Talks, Spielchen, Gäste, Musik, ein bisschen Politik, ein bisschen gehobener Quatsch. „Das wird sich einruckeln“, sagt er. Und: „Es darf auch gerne mal ein Politiker kommen – wenn es nicht Alexander Gauland ist.“ Haltung gehört dazu für den Vater einer knapp fünfjährigen Tochter, der mit der österreichischen Moderatorin Doris Golpashin liiert ist. Dass bei Facebook irgendwelche Idioten durchdrehen – das ist er gewohnt. „Ich bin nicht zur Neutralität verpflichtet.“

Entertainment – das war der große Traum des kleinen Klaas damals als Oldenburger Realschüler. Auf dem Klo gab er der „New York Times“ Pseudointerviews, am Küchentisch spielte er Fernsehen. „So ein Geltungsdrang ist in Oldenburg natürlich völlig nutzlos“, sagt er. „Meine Mutter war dann froh, als ich was gefunden habe, mit dem sich mein Mittelpunktbedürfnis auch kapitalisieren lässt“.

„Late Night ist ein zartes Pflänzchen in Deutschland“

Warum nur einmal pro Woche? „Late Night ist ein zartes Pflänzchen in Deutschland“, sagt er. „Und wir wollen’s nicht direkt zertreten mit acht Shows pro Woche.“ Aber natürlich würden Sender und Moderator jederzeit die Frequenz erhöhen, wenn die Sache läuft. „Als großer Sender ist man mit einer Late Night erst komplett“, sagt Pro7-Geschäftsführer Daniel Rosemann. „Wir hatten Entzugserscheinungen.“ Tatsächlich fehlt dem Land in irren Zeiten eine Show, die den Tag noch einmal rituell abbindet, die satirisch und emotional den Deckel drauf macht auf den Wahnsinn da draußen. Harald Schmidt war der einzige, dem die klassische Kaffeetassen-Late-Night bisher gelang. Viele andere probierten Varianten – oder scheiterten: Anke Engelke, Oliver Pocher, Thomas Koschwitz und Thomas Gottschalk mit seiner Vorabend-Late-Night im Ersten. Raabs „tv total“ war eher ein unpolitischer Kindergeburtstag. Und Jan Böhmermann? Der macht zwar schlaues und originelles Fernsehen, aber „Neo Magazin royal“ ist ziemlich zynischer Nischenstoff für Nerds statt Weltumarmung.

Und warum trägt die Show nicht seinen Namen? „Weil Klaas Heufer-Umlauf ein Scheißname ist“, sagt Klaas Heufer-Umlauf. „Und so kann’s irgendwann auch mal ein anderer machen. Der Pocher vielleicht.“

Quote? Bis zum Sommer erst mal egal

Bis zum Sommer hat er Carte Blanche bei Pro7, da sind die Zahlen fast egal. Eine solche Show muss ihren Groove erst finden. „Wir haben bei Pro7 sowieso keine Quotenerwartungen mehr“, scherzt er. „Das stresst alle nur. Wir leben so hippiemäßig von Woche zu Woche.“ Pro7-Chef Rosemann lächelt.

Nein, es spricht nichts dagegen, dass sich das Land wieder auf eine feine Late-Night-Show freuen darf.

Ein Pro7-Werbeclip für „Late Night Berlin“ – mit Axel Prahl als Taxifahrer:

„Late Night Berlin“, Late-Night-Show mit Klaas Heufer-Umlauf Jeden Montag um 23 Uhr bei Pro7

Von Imre Grimm

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