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„Lindenstraße“ besucht die „Sachsenklinik“

Zwei ARD-Serien treffen sich „Lindenstraße“ besucht die „Sachsenklinik“

Seit 32 Jahren läuft Sonntag für Sonntag die „Lindenstraße“. Zwei ihrer Bewohner machen jetzt einen Abstecher in die „Sachsenklinik“. Das Prinzip „Serien-Crossover“ hat prominente internationale Vorbilder.

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Crossover in Leipzig: Maria (Sarah Masuch) aus der „Lindenstraße“ bricht in der „Sachsenklinik“ zusammen. Dr. Maria Weber (Annett Renneberg, r.) und Iris’ Tochter Lara (Greta Short) können sie gerade noch auffangen.t

Quelle: ARD

Leipzig/Köln. Das Gesicht der Autofahrerin kommt einem bekannt vor, auch die Stimme hat man doch schon mal anderswo gehört? „Hey Sweetie“, begrüßt sie ihre Tochter am Handy, bevor die Frau mit dem dunklen Teint das Bewusstsein verliert und nach kurzer Zeit in der „Sachsenklinik“ erwacht. So ähnlich haben seit 1998 viele der 792 Episoden der ARD-Krankenhausserie „In aller Freundschaft“ begonnen. Und doch ist an Nummer 793 irgendwas ungewöhnlich.

Die Patientin mit dem Herzklappenfehler heißt nämlich Iris Brooks. Und das ist anders als bei der Endlosserie sonst üblich kein singulärer Episodenname, sondern Teil einer weiteren Endlosserie: „Lindenstraße“. Seit 2012 spielt Sarah Masuch darin die junge Mutter der heranwachsenden Filmtochter (Greta Short) und mischt als örtliche Hausärztin kräftig mit in Deutschlands ältester Seifenoper. Ihr heutiger Ausflug von München nach Leipzig ist keinesfalls die Regel. Dass sich Serienpersonal untereinander besucht, ist allerdings ein globaler Trend.

Das Ziel ist wechselseitige Werbung

Das Prinzip dahinter lautet Crossover. Mit dieser Personalrochade betreiben Sender gern wechselseitig Werbung für ihre Produktionen – oder versuchen die Storys aus gegebenem Anlass inhaltlich zu verlinken. Schon vor gut 30 Jahren bekam die Stammkneipe der NBC-Sitcom „Cheers“ mit Woody Harrelson und Ted Danson Besuch dreier Ärzte aus der Klinik von „Chefarzt Dr. Westphall“, während die „Friends“ Rachel und Monica alias Jennifer Aniston und Courtney Cox Mitte der Neunziger in George Clooneys „Emergency Room“ gelandet sind – der auf demselben Sender lief. Beim Besuch auf Hawaii traf Detektivin Jessica Fletcher Thomas in „Mord ist ihr Hobby“ einst den Kollegen Magnum. „Homicide“-Ermittler John Munch ging von „Akte X“ bis „The Wire“ gleich siebenmal fremd. Und Filmcharaktere gelten eigentlich erst als wirklich bedeutsam, wenn sie animiert bei den „Simpsons“ auftauchen.

Auch hierzulande hat die Handlungsüberschneidung durchaus Tradition, seit „Tatort“-Kommissar Schimanski kurz nach der Wende Vereinigungswillen zeigte, indem er gemeinsam mit Kollegen vom „Polizeiruf“ ermittelt hat. Sat.1 etwa hat den „Letzten Bullen“ mit „Dani Lowinski“ vereinigt oder die Darsteller der „Lindenstraßen“-Bewohner Erich und Käthe unter deren Klarnamen Bill Mockridge und Claus Vinçon zu „Pastewka“ geholt. Doch nirgendwo in Deutschland sind formatfremde Figuren öfter zu Gast als in der Sachsenklinik. Einmal zu viel, könnte man nun sagen.

Denn während die Gäste in Leipzig sonst eher aus dem „Marienhof“, von „Tierärztin Dr. Mertens“ oder „Verbotene Liebe“ entstammen – also einem recht vergleichbaren TV-Milieu –, reklamiert die „Lindenstraße“ (wo seinerzeit J. R. Ewing aus „Dallas“ vorbeisah) für sich eigentlich einen höheren Stellenwert. Soziokulturell ist die Serie relevanter, inhaltlich vielschichtiger, auch schauspielerisch besser.

Die „Lindenstraße“ wirkt auserzählt und ausgelaugt

Nun ist der klinische MDR-Dauerbrenner weder Schmunzelkrimi noch Pilcher-Schnulze, also vergleichsweise seriös. Verhandelt werden Alltagsprobleme im Umfeld schwerster Gebrechen. Der Gesamtsound jedoch ist unaufgeregt. „In aller Freundschaft“ zählt zum Besseren auf diesem Sendeplatz. Um wirklich zum Besten zu zählen, fehlen der Serie allerdings jene Ingredienzen, die herausragendes Fernsehen kennzeichnen: Horizontalität, Tiefgang, Hingabe, Schneid und gute Drehbücher.

Vor allem Letztere lässt aber auch die „Lindenstraße“ längst vermissen. Nach 1652 Folgen wirkt sie auserzählt, ausgelaugt. Von Samenspende bis Auftragsmord, von Leihmutterschaft bis Sterbehilfe, von Aids bis Ehec, von Drogensucht bis Sektenjüngerschaft, von Terroranschlag bis Flüchtlingsdrama, von Weltkatastrophe bis Privatunglück – jede der 19 Figuren, die schon im 20. Jahrhundert dabei war, hat alles am eigenen Leib erlebt. Nur Schauspielkurse sind offenbar nicht dabei gewesen, was sich immer dann schmerzhaft zeigt, wenn die Serie besonders lustig oder besonders traurig sein will.

Von daher ist Iris Brooks „Sachsenklinik“-Intermezzo angesichts halbierter Quoten ein guter Grund, als treuer „Lindenstraßen“-Dauergucker endgültig Abschied zu nehmen von einem ARD-Klassiker. Die Zeit war schön, die Zeit war lang, in aller Freundschaft: Tschüss!

Von Jan Freitag

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