Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Medien Lügen lernen: Anke Engelke im Film „Südstadt“
Nachrichten Medien Lügen lernen: Anke Engelke im Film „Südstadt“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:44 25.02.2018
Bombenstimmung in der Partyzentrale: Bei Martin (Matthias Matschke) und Anne (Anke Engelke) ist das Glas eher halb leer. Quelle: ZDF
Anzeige
Köln

Das ist ja immer schwer, sich gegen das eigene Schubladendenken zu wehren: Anke Engelke und Matthias Matschke als Ehepaar in einem Fernsehfilm – das genialisch-komische Neurotikerpärchen aus „Ladykracher“ gemeinsam vor der Kamera. Da muss es doch Gags hageln. Da kann es doch nur brillant komisch zugehen, verdreht und fröhlich meschugge. Die können doch gar nicht anders. Oder?

Und dann kommt ein Film wie „Südstadt“, und plötzlich zeigt sich: Doch, die können anders. Denn die Wahrheit ist ja: Der Witz wohnt als Parasit auf dem Leid. Und wer wirklich komisch sein will, der muss auch das Tragische und Kaputte am Leben kennen. Humor wird in der Not geboren. Bei wirklich großen Komikern schwingen immer Melancholie und Weisheit mit. Und genau, wie man vor Glück weinen kann, kann man auch vor Trauer lachen – wenn das Leben so absurd, so unfair und jammervoll erscheint, dass Weinen auch nicht mehr groß hilft.

Es knackt und kracht in jeder Beziehung

Wie in „Südstadt“. Drei milde gealterte, befreundete Paare wohnen da gemeinsam in einem Haus in der Kölner Südstadt, dem alten, von BAP besungenen „Veedel“, das gegen die Moderne kämpft mit ihren blöden Luxussanierungen und Wuchermieten. Alle sechs halten sich für krisenfest, abgeklärt und lebensklug. Soziologe Martin (Matthias Matschke), der sein Uni-Biotop nie verlassen hat, ist seit 20 Jahren mit Gesamtschullehrerin Anne (Anke Engelke) verheiratet. Sie betrügt ihn, er verheimlicht ihr, dass er seinen Job im Wissenschaftspräkariat längst verloren hat. Im Dachgeschoss wohnt Notärztin Eva (Andrea Sawatzki), die ihren neuen Managerfreund Thomas (Dominic Raacke) mit einer hektischen Beziehungsoffensive zu verschrecken droht. Und der mittelmäßige Fernsehjournalist Kai (Alexander Hörbe) träumt von einer großen Karriere, während seine pragmatische Frau Saskia (Betina Lamprecht) sich um die fünfjährige Tochter kümmert, die in einer der tragischsten Szenen dem dauerabwesenden Vater sagt: „Komm, ich zeige dir, wo das Bad ist.“ Es ist ein Sextett der Selbsttäuscher.

Es knackt und kracht an allen Enden: Anne ist tieftraurig und will die Scheidung. Thomas trägt schwer an emotionalem Ballast aus der Vergangenheit. Saskia will nicht mehr Hausfrau sein und begrüßt Thomas, den „Neuen“ in der Runde, mit einem zynischen „Herzlich willkommen in Bullerbü“. Ja, man hat derlei Krisenkammerspiele um Liebe, Lüge und Lebensträume schon gesehen – aber lange nicht mehr so komplex und intensiv wie in „Südstadt“. Regisseur Matti Geschonneck und Autor Magnus Vattrodt – die für ihre Filme „Liebesjahre“ (2011) und „Das Ende einer Nacht“ (2012) mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurden – entlarven angenehm ungekünstelt die Selbstlügen und pseudostabilen Lebenskonstrukte arrivierter Rotweintrinker mit ruhiger Hand und realitätsnahen Dialogen.

Dieser Film hat eine Fortsetzung verdient

Ihnen spielt ein starkes Ensemble in die Hände – allen voran Anke Engelke, die als Anne so gänzlich unironisch, so desillusioniert und traurig zu sehen ist wie nie zuvor. Ja, das halbe Ensemble aus Comedy-Kontexten bekannt ist – bis hin zu Dietrich Hollinderbäumer, dem „Ulrich von Heesen“ aus der „heute-show“, der eine Nebenrolle spielt. Ja, Matthias Matschke und Bettina Lamprecht – die in der „heute-show“ als Reporterin Petra Radezky zu sehen ist – spielen sonst in „Pastewka“ das Ehepaar Hagen und Svenja („Frau Bruck“). Doch der Komikhintergrund der vier ist schnell vergessen angesichts der Glaubwürdigkeit ihrer Darstellung.

„Fun Fact: Matti Geschonnek wusste gar nicht, dass wir vier ständig miteinander spielen“, sagte Engelke dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Und wir fragten dann: Du weißt aber schon, dass die Leute eventuell fragen könnten: ,Matschke und Engelke als Ehepaar? Wie in ,Ladykracher‘?’ Und er sagt: ,Wusste ich nicht. Und weißt du, wer die Saskia spielt? Bettina Lamprecht, Kennst du die?‘ – und ich sagte: ,Das ist jetzt nicht dein Ernst!‘ Und dann, als dann noch Didi kam, habe ich gedacht: Was ist denn jetzt los?“ Lohn des Besetzungsmutes: ein Film, der eine Fortsetzung verdient.

„Südstadt“ | ZDF Mit Anke Engelke und Matthias Matschke Montag, 26. Februar, 20.15 Uhr (und in der ZDF-Mediathek)

Von Imre Grimm / RND

Medien Anke Engelke im Gespräch - „Ich bin nicht gern ironisch“

Anke Engelke ist eine der vielseitigsten deutschen Schauspielerinnen. In ihrem neuen Film „Südstadt“ spielt sie nun die ganz und gar unlustige Rolle einer hoffnungslose Hausfrau. Ein ausführliches Gespräch über Spaß, Ernsthaftigkeit, den Wert von Aufrichtigkeit – und ihre Lieblings-US-Comedians.

23.02.2018

Die ProSiebenSat.1-Gruppe verzeichnete im vergangenen Jahr ein Rekordergebnis. Die Münchner konnten erstmals den Umsatz auf über vier Milliarden Euro schrauben. Zugleich erhöhte sich auch der Gewinn des TV-Konzerns, der zudem seine Schuldensumme minimieren konnte.

23.02.2018
Medien Kühnert-Mails waren Satire - „Titanic“ foppt die „Bild“-Zeitung

Ein angeblicher Russe namens „Juri“, der Juso-Chef Kevin Kühnert im Kampf gegen die GroKo Hackerhilfe angeboten hat? Das war dubioser Stoff, den die „Bild“-Zeitung jüngst zu ihrem Aufmacher erkor. Nun steht fest: alles gefälscht. Vom Satiremagazin „Titanic“.

22.02.2018
Anzeige