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Netzwelt Ab April können Nutzer grenzenlos streamen
Nachrichten Medien Netzwelt Ab April können Nutzer grenzenlos streamen
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10:15 21.03.2018
Abonnenten können ihre Lieblingssendung künftig auch im EU-Ausland sehen – ohne Zusatzkosten und in gleicher Qualität. Quelle: Foto: dpa
Brüssel

Urlauber können künftig auch am Strand Musik über ihren Streamingdienst hören – oder abends im Hotel die neuste Folge der Lieblingsserie auf dem Tablet schauen. Denn ab dem 1. April können EU-Bürger ihre bezahlten Abonnements für Musik, Filme und TV-Sender auch im europäischen Ausland nutzen. Das bisherige Geoblocking muss auf Betreiben der EU beendet werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Welche Angebote sind von der Neuregelung betroffen?

Es geht um sogenannte Streamingdienste für Musik wie Spotify, Deezer­, Google und Amazon Music, um Filmdatenbanken wie Netflix, Amazon Prime und Maxdome. Außerdem wirken sich die neuen Vorschriften auf bezahlte TV-Abo-Sender wie Sky Go aus. Bisher endete das heimische Angebot an den Landesgrenzen, weil das Urheberrecht eine europaweite Nutzung nicht möglich machte. Nun wird der Kunde seine Abos auch unterwegs nutzen können. Grund ist die sogenannte Portabilitätsverordnung der EU.

Wird mein Abo dann teurer?

Nein, es gibt keine Zusatzkosten. In der EU-Verordnung heißt es ausdrücklich, dass alles so verfügbar sein muss wie zu Hause. Also: gleicher Preis und gleiche Qualität. Außerdem kann der Kunde selbst wählen, auf welchen Geräten er das Angebot nutzen möchte.

Wie stellen die Anbieter fest, ob ich ein gültiges Abo habe, wenn ich zum Beispiel den Fernseher im Hotelzimmer zum Streamen nutze?

Künftig können die Streamingdienste beim Abschluss oder bei der Verlängerung eines Vertrags vom Nutzer zwei Angaben fordern, um sich zu identifizieren. Das kann die Bankverbindung oder Kreditkartennummer sein, die Telefon- oder Internetrechnungsnummer, die Vertragsnummer der Rundfunkgebührenrechnung oder die IP-Adresse des Computers, Laptops, Tablets oder Smartphones. Diese Angaben werden den Vertragsdetails beigefügt und sollen Missbrauch verhindern. Urlauber können sich so nicht einfach unter falschem Namen einloggen und auf anonymen Geräten wie dem Hotelfernseher Streamingdienste nutzen, ohne dafür zu bezahlen.

Dürfen GPS-Daten von Nutzern dauerhaft gespeichert werden?

Nein. Um das Erstellen von Bewegungsprofilen zu verhindern, müssen die Diensteanbieter alle Daten über den Aufenthaltsort ihrer Kunden nach zwei Monaten löschen.

Gilt die Portabilitätsverordnung auch für den Tatort oder die „Heute“- Nachrichten?

Nein, die öffentlich-rechtlichen Anstalten bleiben vorerst außen vor. Das liegt an ihrer anderen Vergütungsstruktur für urheberrechtlich geschützte Beiträge. Allerdings legen die Sender selbst das inzwischen dort sehr großzügig aus, wo sie eigene Rechte haben. Die ARD bietet nach eigenen Angaben über 90 Prozent ihrer Sendungen ohne Geoblocking an. Der Tatort und vor allem die Nachrichtensendungen sind also überall in der EU abrufbar – nicht jedoch die Live-Streams von Fußballspielen.

Warum war das alles so schwierig?

Im Hintergrund geht es um grundsätzliche Urheberrechtsfragen. Lizenzen für Filme und Produktionen mussten bisher für jedes Land einzeln erworben werden. Das ist ein großes Geschäft. Selbst die namhaften Hollywood-Studios haben die Verordnung bekämpft. Nun ist geklärt, dass der Kunde eines Bezahl-Dienstes ja seine Gebühren für die Rechte entrichtet – egal wo er das Angebot nutzt.

Es gibt ja auch kostenlose Online-Dienste. Müssen die sich nach den neuen Vorschriften richten?

Nein. Tatsächlich können kostenlose Streamingdienste wählen, ob sie ihr Angebot freischalten, also auch außerhalb der Grenzen des Wohnsitzlandes anbieten, oder nicht.

Gibt es eine Begrenzung für den Auslandsaufenthalt? Oder darf ich
ein solches Abo auch nutzen, wenn ich dauerhaft in ein anderes Land ziehe?

Nein. In der Verordnung ist ausdrücklich von kurzzeitigen Aufenthalten die Rede. Dazu zählen ganz sicher Urlaubs- oder Geschäftsreisen – und wohl auch der Aufenthalt zum Studium. Wer aber beispielsweise als Rentner seinen Wohnsitz in ein anderes EU-Land verlegt,

muss zu den dortigen Bedingungen ein Abonnement beim jeweiligen Dienst abschließen.

Wie wird das kontrolliert?

Die Dienstanbieter haben das Recht, im Zweifelsfall den Wohnort zu überprüfen. Wie sie das anstellen, kann sich im Einzelfall unterscheiden. Eine Prüfung kann zum Beispiel über Ausweisdokumente erfolgen, aber auch über die IP-Adresse eines Nutzers. Sollten Unternehmen auf Ausweiskopien bestehen, empfiehlt die Verbraucherzentrale, alle nicht zur Wohnortfeststellung nötigen Angaben auf der Dokumentenkopie zu schwärzen.

Geoblocking spielt auch eine wichtige Rolle beim Onlineshop- ping. Gilt das Verbot auch dort?

Das stimmt: Ob Hotelzimmer, Mietwagen oder Eintrittsticket – zwei Drittel aller Anbieter arbeiten mit Geoblocking, sperren ausländische Kunden aus und können so Einheimischen günstigere Preise oder Konditionen anbieten. Die EU hat sich darauf verständigt, dass auch diese Beschränkungen fallen müssen. Das dauert allerdings noch bis November 2018.

Von Detlef Drewes/RND

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