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Arcade-Legende nach 35 Jahren als Cheater entlarvt

Highscore-Betrug Arcade-Legende nach 35 Jahren als Cheater entlarvt

Fast 35 Jahre war er der König der Videospiele. Bis Zweifel an Todd Rogers scheinbar unfassbaren Reaktionsfähigkeit aufkamen. Am Montag löschte das renommierte Highscore-Portal Twin Galaxies sämtliche Rekorde der Legende, die sich uneinsichtig zeigt.

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Retro-Gamer Todd Rogers wurden alle Rekorde aberkannt

Quelle: classicarcadegaming.com

Ottumwa. 34 Jahre und 215 Tage stand der Rekord. 5,51 Sekunden brauchte der 16-jährige Arcade-Champion Todd Rogers 1984 um einen schwarzen Pixelhaufen von der einen Seite des Röhrenfernsehers auf die andere zu „fahren“. „Dragster“ hieß das rudimentäre Rennspiel, Atari 2600 die Konsole. Mit einer Polaroidkamera knipste der Teenager den Highscore, der ihm in der Arcade-Fangemeinde zu Legendenstatus verhalf. Der Weltrekord in dem 1980 „Dragster“ galt bis zum Beginn dieser Woche als „ längster Videospiel-Rekord der Welt“ – bis Zweifel an der Glaubwürdigkeit hunderter Rekorde aufkamen, die Rogers Ruf als einen der besten Videospieler aller Zeiten auswiesen.

Seit Montag hält Rogers keinen einzigen Rekord mehr, zumindest nicht offiziell. Das etablierte Highscore-Portal „Twin Galaxies“ entschied nach längeren Ermittlungen Rogers-Profil und alle seine Rekorde zu löschen. Jahrzehntelanges „Cheaten“ (betrügen) lautet der Vorwurf. Der angebliche „Dragster“-Rekord ist Experten zufolge technisch unmöglich. Die wankende Legende weist alle Anschuldigungen zurück, bleibt aber vorerst jegliche Beweise schuldig. Der aufsehenserregende Fall markiert einen Wandel in der Retro-Gaming-Szene, die Rekorde heute Bit für Bit unter die digitale Lupe nimmt.

Speedrunner sprengen die Highscores von damals

„Mit dieser Entscheidung ist sicher der brisanteste Disput auf der Seite Twin Galaxies ausgeräumt“, verkündet die Redaktion des Highscore-Portals den Beschluss eines mehrköpfigen Urteils-Gremiums. Bereits im August 2017 hatte ein sogenannter Speedrunner mit dem Spitznamen Omnigamer (Eric Koziel) der Plattform eine Analyse des Spielcodes vorgelegt, nach der keine Zeit unter 5,57 Sekunden möglich sei. Speedrunner sind Computerspieler, die unter Wettbewerbsbedingungen versuchen ein Spiel in der geringstmöglichen Zeit zu schlagen. Die wachsende Szene bringt regelmäßig historische Rekorde zu Fall. Unterstützt durch künstliche Intelligenz (Tool-assisted speedrun) loten die Spieler menschliche und technische Limits aus.

Die „Dragster“-Studie Koziels befeuerte länger existierende Zweifel an Rogers, der selber in der Vergangenheit als Schiedsrichter für Twin Galaxies tätig war und in dieser Funktion in der Dokumentation „The King of Kong“ (2007) zu sehen ist. Zuvor waren Rogers bereits Rekorde in den Klassikern „Centipede“ und „Barnstorming“ aberkannt, beide erschienen aus heutiger Perspektive unmöglich. Ein langjähriger Freund und Schiedsrichter-Kollege forderte Rogers im Zuge der Untersuchungen vergeblich auf, das Gegenteil zu beweisen. „Meine vielen Anfragen über mehrere Jahre, wurden alle enttäuscht. Die Gründe waren angeblich immer dieselben. Die Videos sind nicht zu finden, oder er hatte keine Zeit sie zu kopieren“, sagte Robert T. Mruczek gegenüber Twin Galaxies.

Rogers spricht von bedrohlichem Klima

Rogers selbst äußerte sich am Dienstag auf seiner Facebook-Seite zu den Vorwürfen. „Wer ich bin und was ich mit meinem Leben angestellt habe, ist nicht definiert durch einen Punktestand, den ich live erreicht habe, an den einige nicht glauben, weil sie nicht dabei waren“, schreibt er. Zum „Dragster“-Fall: „Ich war erst 16 Jahre alt und hätte nichts davon gehabt einen Highscore zu behaupten, der unmöglich ist“, so Rogers. Mitarbeiter der Herstellerfirma Activision hätten eine Wiederholung des Rekords beaufsichtigt, behauptet er, ohne dafür konkrete Belege vorzulegen. Er und seine Familie seien beschimpft und bedroht worden, als er vor Jahren ein öffentliches Beweis-Spiel angekündigt hätte. Das historische Rekorde heute tatsächlich nur noch schwer zu beweisen sind, bestätigt ein damaliger Activision-Programmierer. „Soweit ich weiß, wurde keiner dieser Belege länger als ein paar Wochen aufgehoben, auf keinen Fall 35 Jahre“, erklärte der „Dragster“ Programmierer David Crane gegenüber Twin Galaxies.

34 Jahre hielt Todd Rogers den Rekord im zugegebenermaßen überschaubar spannenden Spiel „Dragster“

34 Jahre hielt Todd Rogers den Rekord im zugegebenermaßen überschaubar spannenden Spiel „Dragster“.

Quelle: classicarcadegaming.com

In einer kuriosen Wendung begrüsst Rogers die Ermittlungen. „Auch wenn ich die Entscheidung ablehne, applaudiere ich für das starke Statement gegen Cheaten“, schreibt Rogers. Das Highscore-Portal sieht in dem Entschluss einen Kurswechsel für die gesamte Szene. „Mit dieser Entscheidung ist sicher der größte Disput auf der Seite Twin Galaxies ausgeräumt“. Das Portal wandte sich auch an das Guinnessbuch. Der Name Rogers soll auch dort aus allen unbewiesenen Rekorden verschwinden.

Von RND/Mario Moers

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