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Netzwelt Microsoft bekommt zweiten Negativpreis für Datenmissbrauch
Nachrichten Medien Netzwelt Microsoft bekommt zweiten Negativpreis für Datenmissbrauch
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18:03 20.04.2018
Ausgezeichnet für den Missbrauch von Kundendaten: Der Software-Entwickler Microsoft hat den Negativpreis „Big Brother Award“ bereits zum zweiten Mal erhalten. Quelle: dpa
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Bielefeld

Ein Preis, der eigentlich keiner ist: Microsoft, Alexa und die CDU wurden am Freitag mit dem „Big Brother Award“ ausgezeichnet. Mit dem Negativpreis machen Datenschutz-Aktivisten bereits seit der Jahrtausendwende auf Datenmissbrauch aufmerksam. Nun wurde der Preis zum 18. Mal an Politiker, Unternehmen oder Organisationen verliehen, die nach Ansicht der Datenschützer besonders unverantwortlich mit Daten anderer umgehen. Das sind die diesjährigen Preisträger:

Kategorie Technik

Das Software-Unternehmen Microsoft mit Deutschlandsitz in München bekommt in diesem Jahr bereits den zweiten „Big Brother Award“. Der Bielefelder Verein Digitalcourage wirft Microsoft vor, mit dem Betriebssystem Windows 10 über das Internet Diagnose-Daten (Telemetrie) zu sammeln. Das Problem: Selbst erfahrene Nutzer könnten den Datenfluss nicht abschalten. Microsoft hatte die Kritik im Vorfeld zurückgewiesen. Dem Unternehmen komme es nicht auf die Abschöpfung der Kundendaten an, sondern es nutze die Telemetrie zur Verbesserung des Produkts, hieß es aus München. Das Unternehmen nahm nicht an der Preisverleihung am Freitagnachmittag im Bielefelder Stadttheater teil, anders als im Jahr 2002, als ein Vertreter die erste Auszeichnung persönlich entgegennahm.

Kategorie Politik

Gleich zwei Parteien wurden ausgezeichnet: CDU und Bündnis 90/Die Grünen, im hessischen Landtag. Den Politikern wird vorgeworfen, mit dem Entwurf für ein neues Verfassungsschutzgesetz mit einer Häufung von Überwachungsbefugnissen tief in die Grundrechte der Bevölkerung einzugreifen. Der Parlamentarische Geschäftsführer der hessischen CDU-Landtagsfraktion, Holger Bellino, konterte: „Hessen stärkt seine Sicherheitsbehörden mit neuen Befugnissen und definiert klare Grenzen.“ Das Gesetz biete die rechtlichen Befugnisse, die im Kampf gegen Extremismus jeglicher Art und Ausprägung benötigt würden.

Kategorie Arbeitswelt

Die Münchener Firma Soma Analytics bietet für Personalabteilungen eine App an, die Firmen anonymisierte Informationen über Stresswerte von Mitarbeitern auf Basis von Gesundheitsdaten liefern soll. Dafür wird Soma mit dem „Big Brother Award“ geehrt.

Kategorie Marketing

Keine Institution sondern ein Begriff wurde in diesem Bereich mit dem Award bedacht: Die Datenschutz-Aktivisten zeichneten „Smart Cities“ aus. Sensoren an Straßenlaternen und im Straßenbelag, dazu Videoüberwachung - Städte würden immer mehr zu ferngesteuerten und kommerzialisierten Bereichen. Der Begriff „Smart Cities“ reduziere Bürger auf ihre Eigenschaft als Konsumenten und datenliefernde Objekte, finden die Veranstalter.

Kategorie Verwaltung

Für ihre Quartiersmanagement-Software erhält die Firma Cevisio aus dem sächsischen Torgau den Preis. Die Software wird zum Beispiel im Zusammenspiel mit Ausweiskarte und Chip in Flüchtlingsunterkünften eingesetzt und erfasst Bewegungen auf dem Gelände, die Essensausgabe und Medizin-Checks. Digitalcourage beklagt eine Totalkontrolle von Asylsuchenden. Laudator Thilo Weichert kritisierte das Menschenbild, dass hinter der Software stecke. „Flüchtlinge sind Menschen, keine Sachen. Sie sind keine Gefangenen und bedürfen keiner verschärften Beobachtung“, sagte der ehemalige schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte.

Kategorie Verbraucherschutz

Dieser Preis geht an Amazons Sprachassistentin Alexa. Digitalcourage sieht bei ihr die Möglichkeit, Familienmitglieder oder Gäste im Haushalt zu überwachen. Und noch sei unklar, wer noch alles auf die in der Internet-Cloud gespeicherten Sprachaufnahmen zugreifen könne.

Facebook als Langzeitsieger

Trotz des aktuellen Datenskandals um Facebook ging das Unternehmen in diesem Jahr leer aus. Der Verein begründete dies damit, dass der „Big Brother Award“ bereits 2011 an das Online-Netzwerk ging. „Die Laudatio von damals könnten wir heute noch halten. Ist noch alles gültig“, sagte Rena Tangens aus der Jury vor der Preisverleihung. Facebook war vor sieben Jahren für die „gezielte Ausforschung von Menschen und ihrer persönlichen Beziehungen hinter der netten Fassade eines vorgeblichen Gratisangebots“ ausgezeichnet worden.

Von RND/dpa/lf

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