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Netzwelt Unsensible Werbung: Mutter prangert nach Totgeburt Tech-Konzerne an
Nachrichten Medien Netzwelt Unsensible Werbung: Mutter prangert nach Totgeburt Tech-Konzerne an
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10:39 13.12.2018
Eine trauernde Mutter wirft in einem offenen Brief ein Licht auf die unpassenden Anzeigen, die sie unter anderem auf Facebook sehen musste. Quelle: Richard Drew/AP
Hannover

Ende November teilte die Journalistin Gillian Brockell auf Twitter eine traurige Nachricht mit: Ihr Sohn werde nicht lebend zur Welt kommen. Es sei etwas falsch gelaufen und das Kind sei gestorben, schrieb Brockell noch aus dem Krankenhaus. Doch die Algorithmen von Facebook, Twitter, Instagram und des Analysediensts Experian haben davon anscheinend nichts mitbekommen. In einem offenen Brief, schreibt Brockell, was das für sie in ihrer Trauer bedeutet.

„Ich weiß, dass ihr wusstet, dass ich schwanger war. Das ist meine Schuld, ich konnte den Instagram-Hashtags – #30weekspregnant, #babybump – nicht widerstehen. Und – dummes Ich!, ich klickte sogar auf eine oder zwei Schwangerschaftsmoden-Anzeigen, die Facebook serviert“, schreibt Brockell.

Doch wenn die Tech-Konzerne so genau ihre Google-Suchen, ihre Fotos kannten, fragt Brockell, haben sie dann nicht auch mitbekommen, dass sie nach „Baby bewegt sich nicht“ googelte, dass es plötzlich einige Tage still auf ihren Kanälen war, dass die Mitteilung erschien mit Wörtern wie „heartbroken“?

Der Algorithmus geht von einem glücklichen Ergebnis aus

Anscheinend nicht. Denn als sie ihr Smartphone in die Hand genommen habe, um sich nach Tagen des Weinens für ein paar Minuten abzulenken, stieß sie in den sozialen Netzwerken genau auf die Anzeigen, die sie auch gesehen hätte, wenn ihr Kind lebend zur Welt gekommen wäre.

„Wisst ihr wovon euer Algorithmus ausgeht, Tech-Unternehmen?“, fragt Brockwell. „Er nimmt an, dass man sein Kind zur Welt gebracht habe und dass alles gut ausgegangen ist und überflutet dich mit Anzeige für Still-BHs.“

Ihren emotionalen offenen Brief beendet Brockell mit dem Appell an die Tech-Unternehmen: „Wenn ihr schlau genug seid, zu verstehen, dass ich schwanger bin, dass ich geboren habe, dann seid ihr sicher auch schlau genug, um zu realisieren, dass mein Kind gestorben ist und könnt dementsprechend werben oder vielleicht, ganz vielleicht – auch gar nicht.“

Mahnendes Beispiel

Für ihren Brief erhält Brockell viel Zustimmung. Einen Tag nach der Veröffentlichung hat er 25.000 Retweets und 60.000 Herzen erhalten. In den Kommentaren drücken viele Menschen ihr Mitgefühl aus. Für manche ist Brockell ein mahnendes Beispiel dafür, dass algorithmische Entscheidungen echte Menschen betreffen.

Lesen Sie hier: Wie Algorithmen und ihre Vorurteile Menschen schaden können

Von RND/asu

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