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Nachrichten Medien Neuer Herausgeber für die „New York Times“
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18:41 14.12.2017
“Ich will nicht alles auf den Kopf stellen“: Arthur Gregg Sulzberger wird neuer Herausgeber der „New York Times“ – er übernimmt das Amt von seinem Vater. Quelle: ap
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New York

Die renommierteste Tageszeitung Amerikas bekommt einen neuen Herausgeber: Arthur Ochs Sulzberger (66) übergibt die Funktion nach einem Vierteljahrhundert zum 1. Januar 2018 an seinen Sohn Arthur Gregg Sulzberger (37). Dieser leitete zuletzt das Redaktionsteam des „Innovation Report“ 2014, der die Aufgabe hatte, Strategien für die „New York Times“ im digitalen Zeitalter zu entwickeln. Der Aufsichtsrat stimmte der Übergabe zu. Sulzberger Senior, der seit 1992 Herausgeber der Zeitung war, bleibt Chairman der New York Times Company. Das teilte der Medienkonzern am Donnerstagabend mit. Arthur Gregg Sulzberger – intern „A.G.“ genannt – war bereit seit einem Jahr Deputy Publisher des Blattes.

Das Medienhaus, in dem die „New York Times“ erscheint, ist börsenotiert. Die Kontrolle liegt seit Jahrzehnten bei der Familie Sulzberger. A. G. Sulzberger ist der sechste Sulzberger-Spross an der Spitze des Blattes, seit der Patriarch Adolph Ochs Sulzberger die Zeitung bei einer Zwangsversteigerung 1896 erwarb. Der neue Herausgeber beruhigte die Belegschaft in einem internen Schreiben, aus dem die „New York Times“ zitierte: Er habe zwar den Ruf eines Erneuerers, es werde aber keine übereilten Veränderungen geben. Sein Ziel sei nicht, zum Amtsantritt „alles auf den Kopf zu stellen“.

Erfolg mit 2,5 Millionen Online-Abonnenten

Das wird auch kaum nötig sein. Die „New York Times“ gehört zu den erfolgreichsten Titeln auf dem veränderten Medienmarkt. Zwar sind die Werbeeinnahmen rückläufig – mit digitalen Abos hat sie aber Erfolg. Die „New York Times“ ist die Zeitung mit den meisten Pulitzer-Preisen (117) und den meisten Onlinelesern in den USA. Sie setzt in der Auflagenkrise der Zeitungen voll auf Digitalabos und digitales Wachstum. 2,5 Millionen Online-Kunden zahlen bereits für Inhalte der „Times“.

Den kleinen Aufschwung verdankt sie nicht zuletzt den andauernden Attacken von US-Präsident Donald Trump. Bei der „New York Times“, so twitterte er einst in Rage, arbeiteten „Verrückte“, das Blatt verliere „Tausende Abonnenten“ wegen seiner „armseligen und falschen Berichterstattung“, im Übrigen könne die Zeitung ohnehin bald dicht machen. Die Antwort kam prompt, und sie fiel trocken aus: „Well – wohl eher nicht, Mr. President“, hüstelte „Times“-Vorstandschef Mark Thompson im Frühjahr kurz und genüsslich in einem Interview. Im Gegenteil: In der Woche nach der Präsidentschaftswahl gewann die „NYT“ 41 000 neue Print- und Online-Kunden dazu – viermal mehr als in einer normalen Woche. Im gesamten vierten Quartal 2016 kamen allein knapp 300 000 Digital-Abonnenten hinzu. Es sind die besten Zuwachsraten für das ehrwürdige Blatt seit Einführung der Paywall im Jahr 2011.

Trumps Twitterattacken nützen der „New York Times“

Die Medienwelt schreckte auf, als Trump Ende 2016 sein emotionales Überdruckventil Twitter gar für eine noch gefährlichere Botschaft nutzte: „Jemand mit Eignung und Überzeugung möge die Fake-News- und versagende ,New York Times’ kaufen, und diese entweder richtig betreiben oder sie in Würde sterben lassen“, zürnte er. Die Redaktion sieht’s gelassen. „Unsere Auflage steigt. Jedes Mal, wenn er tobt, geht unsere Auflage hoch. Gut fürs Geschäft. Eigentlich hilft er uns unfreiwillig“, sagte auch „New York Times“-Kolumnist Jim Rutenberg in diesem Jahr.

Überall in den USA erleben die großen Qualitätstitel einen überraschenden Zuwachs bei Printauflagen und Online-Abos. Steigendes Interesse in Wahljahren und bei außergewöhnlichen Nachrichtenlagen ist üblich. Der aktuelle Boom aber geht weit darüber hinaus – beflügelt von der Debatte um falsche Nachrichten und den Drohungen des Präsidenten und seiner Berater gegen die Medien. „Die Menschen sind hungriger denn je nach echten Fakten“, sagte Thompson. „Es zahlt sich aus, echte Nachrichten zu drucken in Zeiten, in denen es so viele Fake News gibt“, sagt auch „NYT“-Chefredakteur Dean Baquet. Er ist seit Mai 2014 im Amt. In den kommenden Jahren will das Blatt 5 Millionen Dollar in die Verstärkung der Berichterstattung aus Washington stecken – in Personal, Technik, Büros.

Fünf Millionen Dollar für das Washington-Büro

Nach Jahren schwindenden Vertrauens in die heftig gescholtenen „Mainstream-Medien“, nach erodierenden Auflagen, einbrechenden Werbeerlösen, massenhaften Stellenstreichungen und einer tiefen Identitätskrise schlägt der Medienwelt eine ungewohnte Sympathiewelle entgegen. Das Bewusstsein für den Wert sauberen Journalismus scheint wieder zu wachsen. Offenbar ist in Zeiten, in denen die universale Gültigkeit von Fakten zur Disposition steht, in denen der gesellschaftliche Konsens über die Bedeutung allgemeiner Gewissheiten aufweicht, das Bedürfnis groß nach Instanzen, die sich der Wahrheit zumindest verpflichtet fühlen, auch wenn sie objektiv kaum jemals zu erreichen ist.

Der „Trump Bump“ (Schwung) ist keine Trendwende. Er kann die Verluste nicht ausgleichen – auch die Werbeerlöse der „New York Times“ sind weiterhin rückläufig. Das fast trotzige Bekenntnis zu den Traditionsmedien aber ist ein Hoffnungsschimmer für eine Branche, die zuletzt vierfach litt: unter Trumps Attacken, unter den wirtschaftlichen Härten des Medienwandels, unter dem schlechten Gewissen, dem Trump-Spektakel aus Quotengründen massiv Platz eingeräumt zu haben, und unter dem diffusen Gefühl, den Kontakt zu weiten Teilen der US-Bevölkerung im Binnenland verloren zu haben. Plötzlich gewinnt eine Institution wieder an Gewicht, die um ihre Legitimation zuletzt hart kämpfen musste: die freie Presse.

Von Imre Grimm

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