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Medien Sind Fakten nur noch Ansichtssache?
Nachrichten Medien Sind Fakten nur noch Ansichtssache?
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07:00 22.03.2018
Eine Frage der Zukunft der Demokratie: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigte sich im Schloss Bellevue besorgt über die Entwicklungen der Medienlandschaft. Quelle: dpa
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Berlin

Ob man ihn hören könne, fragt der Bundespräsident in den Raum. Dann merkt Frank-Walter Steinmeier, dass ihm das angesteckte Mikrofon runtergefallen ist. „Jetzt habe ich auch meinen Beitrag zur Desinformation geleistet“, witzelt er und knipst sich den Stecker an seine Krawatte. Zuvor hatte Steinmeier die Eröffnungsrede zur Veranstaltung „Fakt oder Fake?“ gehalten. „Es sind Parallelwelten entstanden, in denen die Selbstbestätigung durch den Austausch mit Gleichgesinnten vorherrscht und alles ausgeblendet wird, was der eigenen Sichtweise widerspricht“, hat der ehemalige Außenminister festgestellt. Von der Unterscheidung zwischen Tatsachen und Bewertungen hänge nicht weniger als die Zukunft der Demokratie ab. Alarmierende Worte für einen Bundespräsidenten. Doch ihm ist es ernst.

Nach seiner Rede soll Steinmeier eine Podiumsdiskussion mit vier Teilnehmern moderieren, darunter die NDR-Journalistin Julia Stein, die an der Recherche zu Panama Papers und Luxemburg Leaks beteiligt war, und der Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt. Steinmeier erfüllt seine Aufgabe so souverän, dass man denken könnte, er hätte an einer Journalistenschule einen Kurs besucht. Der Bundespräsident hat an diesem Tag eine Menge sehr komplizierter Fragen, auf die es abschließend keine Antworten geben kann. Was bedeutet es für liberale Gesellschaften, wenn Fakten nur noch Ansichtssache sind? Wie verändert sich Kommunikation, wenn Journalisten nicht mehr „alleinige Schleusenwärter“ zwischen Mächtigen und Bürgern sind? Wahrscheinlich kann hier nur der Prozess, den eine Gesellschaft durchläuft, Fakten schaffen.

Verschwörungstheorien gibt es nicht erst seit dem US-Wahlkampf 2016

Auf dem Podium sitzen auch der Reuters-Korrespondent im Weißen Haus, Jeff Mason, sowie der Wissenschaftler Michael Butter. Mason beschreibt, wie die Washingtoner Journalisten darum kämpfen mussten, im Pressesaal des Weißen Hauses und auf Air Force One, der Flugmaschine des Präsidenten, bleiben zu dürfen. Die Büros in Washington machen bereits um 6 Uhr morgens auf, eine Stunde früher als vorher, denn Trump twittert um diese Uhrzeit bereits.

Masons Schilderungen sorgen für Gelächter im Publikum. Von den amerikanischen Verhältnissen, so merkt man im Schloss Bellevue, ist man noch weit entfernt. Und dennoch schwelgt die Besorgnis darüber, dass man den Umschwung in Washington nicht hat kommen sehen. Eine Verwunderung, die Michael Butter nicht nachvollziehen kann.

Der Amerikanistik-Professor zieht einen historischen Vergleich, sagt, wer meine, dass der Wahlkampf zwischen Trump und Clinton der Urquell von Verschwörungstheorien sei, sollte sich erstmal mit dem Wahlkampf von 1800 zwischen John Adams und Thomas Jefferson ansehen. Die Partei Jeffersons unterstellte Adams damals, Präsident auf Lebenszeit werden zu wollen und seine Kinder in das britische Königshaus einheiraten lassen zu wollen. Die Anhänger von Adams wiederum erklärten Jefferson für tot. Butter beschäftigt sich schon lange Zeit mit Verschwörungstheorien. Sein neues Buch „Nichts ist, wie es scheint“ ist gerade erschienen. Fatal werden Verschwörungstheorien dann, erklärt Butter, wenn sie eine Verbindung mit populistischen Parteien eingehen.

Reichen „nur“ die Fakten?

Es geht für Journalisten vor allem darum, Vertrauen zu gewinnen beziehungsweise wieder zurück zu gewinnen, sagt Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt. Durch das Internet sei das System der Schleusenwärter aufgebrochen. Jeder konnte an den Gatekeepern vorbei. „Da haben wir alle Fehler gemacht“, sagt Poschardt.

Jeff Mason von Reuters muss einräumen, dass die Washingtoner Politikjournalisten den Kontakt zu der ländlichen Bevölkerung etwas verloren haben. Man sei zwar nach Dakota und in andere Regionen gefahren, „aber nicht genug“. Der Job von Journalisten sei es, Fakten zu recherchieren, Lügen zu entlarven. Diesen Job müsse man machen. „Das müsste reichen“, sagt Mason.

Für Julia Stein vom NDR sind die Fakten ebenso essenziell, aber genauso wichtig sei, dass ein Journalist eine Haltung habe. Die Berichterstattung über den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz empfand sie als zutiefst unglücklich. Erst hatten ihn alle hochgejubelt, ihm einen Heiligenschein verpasst und „dann fliegt so jemand wie eine Tontaube vom Himmel, es wird dann aber nur als SPD-Problem aufgearbeitet. Das finde ich nicht richtig“, sagt Stein. Viel eher müsse man als Journalist auch mal innehalten, um sich zu hinterfragen.

Mangelt es an Medien- oder an Bürgerkompetenz?

Wichtig sei es, so ist man sich in der Runde einig, die Medienkompetenz von Bürgern zu verbessern. Auch der Bundespräsident stimmt zu und sagt, es tue sich noch nicht genug. Doch könne dies nicht allein Aufgabe der Schulen oder der Politik sein. Sondern auch die der Medienschaffenden. Er nimmt damit die vielen anwesenden Journalisten in die Pflicht.

Kurz vor Schluss wird aus dem Publikum eine provokante und doch sehr wichtige Frage gestellt: Mangelt es den Bürgern an Medienkompetenz oder sind es die Journalisten, denen es an Bürgerkompetenz fehlt? Diese Frage geht tief ins Mark dieser Berufsgruppe und ist weder mit einem klaren Ja noch einem klaren Nein zu beantworten. Julia Stein vom NDR sagt, Journalisten müssten wieder mehr die Geschichten der Menschen verstehen. Es sind die Geschichten, die Neugier wecken und bewegen.

Vielleicht bewegen sie einige sogar dazu, ein paar Medien oder auch nur einzelnen Menschen, wieder einen Vertrauensvorschuss zu geben.

Von Jean-Marie Magro

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