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Medien „Titanic“ foppt die „Bild“-Zeitung
Nachrichten Medien „Titanic“ foppt die „Bild“-Zeitung
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15:55 22.02.2018
„Bild“-Titelschlagzeile vom 16. Februar – doch der dort zitierte Mailverkehr war eine Fälschung. Es gibt gar keinen Mann namens „Juri“. Quelle: adi
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Berlin

Das Satiremagazin „Titanic“ hat eine Falschmeldung über Juso-Chef Kevin Kühnert in der „Bild“-Zeitung untergebracht. Der vor wenigen Tagen erschienene Bericht mit der Schlagzeile „Neue Schmutzkampagne bei der SPD“ gehe auf gefälschte Mails eines „Titanic“-Redakteurs zurück, erklärte das Satiremagazin am Mittwoch auf seiner Internetseite. „Bild“ hatte über E-Mails berichtet, die belegen sollten, dass Kühnert bei seiner „NoGroKo“-Initiative die Hilfe eines russischen Internet-Trolls namens Juri in Erwägung gezogen habe.

Kühnert kritisierte die „Bild“-Zeitung für ihre Berichterstattung. „Wir haben von Anfang an gesagt, dass das eine plumpe Fälschung ist. Jetzt ist es halt ein witziger Fake. Weniger witzig ist, dass ‚Bild’ auf diese fragwürdigen Informationen eine mehrtägige Berichterstattung aufgebaut hat, die jeder Grundlage entbehrte“, sagte er am Mittwoch „Spiegel Online“. Er twitterte ein Bild von Homer Simpson im Pool mit den Worten „Einfach genießen“.

„Bild“ zeigt sich uneinsichtig

Bei „Bild“ beharrte man auf der Relevanz des Themas – auch wenn es eine Fälschung war. Ein Sprecher des Axel Springer Verlags sagte, „Bild“ habe die Echtheit der anonym zugestellten E-Mails „immer deutlich in Frage gestellt und journalistisch eingeordnet“. Die Zeitung habe erst über den Fall berichtet, nachdem die SPD auf „Bild“-Anfrage eine Strafanzeige gegen den unbekannten Urheber der Mails angekündigt hatte. „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt kritisierte die „Titanic“-Aktion via Twitter: „Meine Meinung: Natürlich darf Satire so etwas, aber sie versucht sich hier zu profilieren, indem sie journalistische Arbeit bewusst zu diskreditieren versucht.“ Die „Titanic“-Redaktion schätzte den Fall naturgemäß anders ein: „Eine anonyme Mail, zwei, drei Anrufe - und ‚Bild’ druckt alles, was ihnen in die Agenda passt.“

„Titanic“-Redakteur Moritz Hürtgen versicherte gestern, es handele sich bei der Nachricht des Satiremagazins wirklich nicht um einen Fake. Er selbst habe in mehrstündiger Copy-und Paste-Arbeit die E-Mails zusammengeschnitten, die es in der „Bild“-Zeitung auf den Titel schafften. Die „Bild“ hatte gar von sich aus nachgelegt: Ein „Cyber-Security-Professor“ wertete die Absenderdaten einer E-Mail aus, die angeblich von Kühnerts Rechner verschickt wurde. Ergebnis: Der Informant muss Zugang zu einem SPD-Rechner gehabt – oder diesen gehackt haben.

„Für die Echtheit gibt es keinen Beweis“

In Wahrheit sei es viel einfacher gewesen, sagte Hürtgen dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Wir haben eine beliebige Mail von einem SPD-Absender genommen und die Daten rüberkopiert“, verrät er. So schaffte es ein grotesker, erfundener Mailverkehr auf die Titelseite von Deutschlands größter Boulevardzeitung. „Hochinteressant“ sei der Vorschlag des ominösen Juri, schreibt der vermeintliche Kühnert und wischt alle Bedenken gegen eine russische Einflussnahme beiseite. „So lange es so aussieht, als hätten die Jusos für die Anzeigen bezahlt, habe ich keine Bedenken.“ Die „Bild“-Politikredaktion habe laut „Titanic“ kein einziges Mal versucht, zu „Juri“ direkt Kontakt aufzunehmen und dessen Identität zu überprüfen. Und das, obwohl der Autor der Titelgeschichte selber russischer Muttersprachler ist.

Der Axel Springer Verlag betonte gegenüber dem RND, die Echtheit der Mails „haben wir immer deutlich in Frage gestellt und journalistisch eingeordnet“. Ganz am Ende der Titelgeschichte vom Freitag findet sich der Satz: „Für die Echtheit gibt es keinen Beweis.“ Die Frage, warum der angebliche Mailverkehr trotzdem zum Titelthema wurde, blieb gestern unbeantwortet.

Von Jan Sternberg/RND

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