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Panorama Daniel Küblböck: bloß nicht der Clown der Nation sein
Nachrichten Panorama Daniel Küblböck: bloß nicht der Clown der Nation sein
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19:02 10.09.2018
Daniel Kaiser-Küblböck im Jahr 2017 auf einer Party im Berliner Hotel de Rome. Quelle: imago/eventfoto54
Hannover

Zwar hatte der Kapitän der AidaLuna das gigantische Schiff umgehend gestoppt, und war zu der Stelle des Unglücks zurückgekehrt. Die Küstenwache suchte mit Flugzeugen und Hubschraubern nach dem Vermissten. Doch es war ein Fall aus großer Höhe ins Eismeerwasser Neufundlands.

Er galt als DSDS-Sieger – und war doch nur Dritter

Bei vielen derjenigen, die sich noch erinnern, gilt Daniel Küblböck heute als der Sieger der schon mythischen ersten „Deutschland sucht den Superstar“-Staffel. Damals, 2003, war er in Wahrheit nur Dritter hinter Alexander Klaws (später Musical- „Tarzan“) und Juliette Schoppmann (seit Januar 2018 Vocal-Coach bei „DsdS“) geworden. Sein „bunter Vogel“-Auftreten, seine Begeisterung über sich selbst bei eher dürftigen Gesangsleistungen zu Phil Collins‘ „Another Day In Paradise“ oder Frank Sinatras „My Way“ hinterließen aber doch den nachhaltigsten Eindruck beim Fernsehpublikum. Was ihn über die anderen Teilnehmer erhob, war sein Charme, mit dem er den unerschütterlichen Glauben an sich selbst proklamierte. Wenn er auf seinem Debütalbum „Positive Energie“ (2003) Roy Orbisons „Pretty woman“ sang, klang das wie Jedermanns Karaoke - schief, aber fröhlich.

Crash mit Gurkenlaster schien böse Klischees zu bestätigen

2004 krachte Küblböck dann – auch noch am Faschingsdienstag – mit Auto, aber ohne Führerschein in einen Gurkenlaster. Man fühlte sich in bösen Prognosen über TV-fabrizierte Superstars bestätigt. Eine Saison göttergleich, ein ganzes Leben therapiebedürftig. Und die Schuld sah man in Dieter Bohlen, dem Kater Karlo des Castingshow-Pop, der die Beute zählte.

Bei den Konzerten im Februar 2005 erlebte man dann einen sympathischen jungen Mann, der sich mit Leidenschaft in die Aufgabe der Unterhaltung warf und mit niederbayerischer Breite in den Worten immer an den knuffigen Mr. Spuck aus Bullys „Traumschiff Surprise“ erinnerte. Sätze wie „Wir spielen heute akustisch, weil es ja unplugged ist“, fand man niedlich. Er war so ein zarter, bunter Schmetterling. Der zwischenzeitlich von Michael Jacksons Gesangstrainer gecoachte Sänger kippte jetzt auch nicht mehr unversehens in liedfremde Melodien wie noch zu „DSDS“-Zeiten. Er kontrollierte seine Stimme, klang tiefer und voller, wagte sich an schwieriges Material wie „Unchained melody“, untersang dort das Falsett und klang bei seiner Version von „99 Luftballons“ fast wie Nena. In den vorderen 63-Euro-Sitzreihen applaudierten vornehmlich ältere Damen, während auf den 49-Euro-Stehplätzen dahinter die Jugend am Toben war.

Festere Stimme, aber weniger Fans

Im Sommer 2006 meldete Küblböck sich verändert zurück: Keine Brille mehr, „ich wurde als Robbie Williams gestylt“, verriet er damals im Interview. Durch den Sound der Band schimmerten jetzt Grauzone und Fehlfarben, nur hatte Daniel Positiveres zu vermelden. Ein Lied wie „Liebe Nation“ über das tolle Land, in dem er lebte. Die Stimme schlingerte nicht mehr, zu Stottergitarren und Keyboard-Riffs kam er mit NDW-neusachlichem Tonfall. Er sang anders, tanzte anders, wirkte jetzt männlicher, war in der Mucki-Bude gewesen. Die „Faniels“ genannten Daniel-Fans (gefühlt 95 % weiblich) fanden das neue Outfit auf Befragen durch die Bank gut, sie waren nur deutlich weniger geworden. Immer kleiner wurden die Clubs.

Was gestern genau passiert ist, ist noch unklar. Die Frage wurde schnell gestellt, ob er gesprungen sei? Die letzten Jahre von Küblböcks Leben waren bestimmt von Irrlichtereien, eher gescheiterten Versuchen, seine Karriere wieder flott zu machen. Lieder wie „Bodenmais (moachts eich auf)“ von 2010 oder „Save My Heart“ (2015) erreichten nur noch ein leises Echo. Auftritte in diversen Shows brachten nur den „Ach ja! Den gibt’s auch noch!“-Effekt. 2013 wollte es der zwei Jahre zuvor von der damals 70-jährigen Millionärin Elisabeth Kaiser adoptierte Sänger unter dem Namen Daniel Kaiser in den Eurovision Song Contest schaffen, seine Single „Be A Man“ wurde aber von der NDR-Jury angelehnt.

Sein größter Horror? „Der Clown der Nation zu sein“

2016 tanzte er sich bei „Let’s Dance“ auf einen sechsten Platz. Ein Mann, der die Öffentlichkeit brauchte, aus deren Bewusstsein er aber verschwunden war, jemand der immer wieder auf sich aufmerksam machen musste, ohne dass es allzu viele interessierte. Im September wollte er sein Schauspielstudium am Europäischen Theaterinstitut Berlin beenden. Was dann? 2006 fragte man ihn, wie er in zehn Jahren gesehen werden wolle: „Als einziger Casting-Star, der es geschafft hat, oben zu bleiben.“ Und was sein Horror wäre? „Der Clown der Nation zu sein.“

Von Matthias Halbig/RND

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